Nach den Midterms stellen die Demokraten zum ersten Mal seit 2010 die Mehrheit der Gouverneursposten. Ihre Kandidaten konnten sich auch in republikanischen Hochburgen durchsetzen.

04.11.2026, 17.00 Uhr

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Gina Hinojosa übernimmt als erste Demokratin seit mehr als 30 Jahren das Gouverneursamt im wichtigen Gliedstaat Texas.

Gina Hinojosa übernimmt als erste Demokratin seit mehr als 30 Jahren das Gouverneursamt im wichtigen Gliedstaat Texas.

Ashley Landis / AP

Neben dem Kongress wählte die Bevölkerung am Dienstag in 36 von 50 amerikanischen Gliedstaaten auch einen Gouverneur. In den 34 bereits entschiedenen Rennen gewannen in 22 Fällen die demokratischen Anwärter, zwei Entscheidungen waren noch offen (Stand Mittwoch, 16 Uhr MEZ). Künftig werden die Demokraten in mindestens 28 Gliedstaaten den Gouverneur stellen.

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Für die Demokratische Partei ist das ein grosser Erfolg: Erstmals seit 2010 regieren ihre Vertreter die Mehrheit der amerikanischen Gliedstaaten.

Blaue Welle

Demokratische Gouverneurskandidaten konnten sich bei den Midterms selbst in traditionell konservativen Staaten durchsetzen. In Texas gewann Gina Hinojosa deutlich gegen den republikanischen Amtsinhaber Greg Abbott. Sie ist die erste demokratische Gouverneurin des Gliedstaats seit 1995. Bis vor einem Jahr war Hinojosa noch wenig bekannt. Die 52-jährige Rechtsanwältin hatte ihre politische Laufbahn im Schulrat von Austin begonnen und sitzt seit 2017 im texanischen Repräsentantenhaus.

Statt auf Kulturkampfthemen setzte Hinojosa auf materielle Anliegen, mit denen sich viele Texaner identifizieren können, wie das Magazin «The New Yorker» in einem Porträt schreibt. So sprach sie im Wahlkampf oft über ihren Einsatz für den Erhalt der Primarschule ihres Sohnes, die wegen Kürzungen im Staatshaushalt von der Schliessung bedroht war. «Was ich will, ist das, was auch die Maga-Mütter wollen», sagte sie. «Sie wollen einen grossartigen Lehrer im Klassenzimmer, sie wollen kleinere Klassen, sie wollen eine gute Schule in ihrer Nachbarschaft.» Auch die Regulierung von grossen Datenzentren war ein wichtiges Thema von Hinojosa.

Gina Hinojosa siegte mit einem Abstand von 7 Prozentpunkten vor ihrem republikanischen Kontrahenten. Dabei hatte Trump bei den Präsidentschaftswahlen 2024 in Texas noch deutlich gewonnen.

Die «blaue Welle» schwappte auch auf andere republikanische Hochburgen über. In Iowa setzte sich der Demokrat Rob Sand gegen den Republikaner Zach Lahn durch. Erstmals seit 2006 wählten die Bürger damit wieder einen Demokraten zum Gouverneur. Auch im konservativen Ohio gelang den Demokraten ein Machtwechsel: Die Ärztin Amy Acton besiegte den Trump-Vertrauten Vivek Ramaswamy. Dieser hatte mit einem schmutzigen Wahlkampf für Aufsehen gesorgt. In einem Werbespot liess er Actons von ihr entfremdete Mutter auftreten, die ihre Tochter als Lügnerin bezeichnete. Acton nannte das Video «widerwärtig» – sie sei als Kind von ihrer Mutter vernachlässigt und von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht worden.

Einen historischen Wahlsieg erzielten die Demokraten schliesslich bei der Gouverneurswahl in Georgia: Die frühere Bürgermeisterin von Atlanta, Keisha Lance Bottoms, wird die erste schwarze Gouverneurin in der Geschichte der USA. Ausgerechnet in Georgia, einem ehemaligen Südstaat der Konföderation, wird damit erstmals eine schwarze Frau an der Spitze der Regierung stehen.

Keisha Lance Bottoms ist als erste schwarze Frau zur Gouverneurin eines amerikanischen Gliedstaats gewählt worden.

Keisha Lance Bottoms ist als erste schwarze Frau zur Gouverneurin eines amerikanischen Gliedstaats gewählt worden.

Brynn Anderson / AP

Checks and Balances

Dass die Demokraten konservative Gliedstaaten erobern konnten, ist wohl auch der sinkenden Beliebtheit von Donald Trump zu verdanken. Es war vor allem ein Votum gegen den Präsidenten, der entgegen seinem Wahlversprechen einen Krieg im Nahen Osten losbrach, die Gaspreise nach oben treiben liess und lieber über den Reflecting Pool in Washington als über die hohen Lebenskosten der Bevölkerung sprach.

Die neu gewählten demokratischen Gouverneure könnten Trumps Macht nun in gewissen Punkten einschränken. Denn die USA sind stark föderal organisiert. Die Regierungen der Gliedstaaten verfügen über weitreichende Kompetenzen, zum Beispiel in der Umsetzung der Migrationspolitik. Dieses Jahr schränkten mehrere demokratisch regierte Gliedstaaten die Zusammenarbeit ihrer Polizeibehörden mit der umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE ein.

Die Gouverneure haben grundsätzlich auch den Oberbefehl über die Soldaten der föderal organisierten Nationalgarde. Die Regierungen von Illinois und Kalifornien klagten 2025 vor Bundesgerichten, als Trump diese Truppen gegen den Willen der Gouverneure in den beiden Gliedstaaten einsetzen wollte.

Gut möglich also, dass mehr demokratische Gouverneure unter der Trump-Regierung nun vor allem eines bedeuten: noch mehr Rechtsstreite zwischen Bund und Staaten.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Hannes Boos

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