Die Börsen erleben einen Kurssturz. Nach dem Triumph der Demokraten werden die KI-Investitionen infrage gestellt

Die Aktienmärkte in den USA und in Asien verlieren auf breiter Front. Am grössten sind die Einbussen im Technologiesektor. Der Nasdaq gibt mit über sechs Prozent so stark nach wie nie seit dem Jahr 2000.

An der New Yorker Börse fallen die Kurse massiv.

An der New Yorker Börse fallen die Kurse massiv.

Jeenah Moon / Reuters

Erst waren Anleger nach den Zwischenwahlen in den USA noch zuversichtlich gestimmt. Doch die positive Stimmung, die am Mittwoch, dem ersten Handelstag nach der Beendigung der Wahlen, geherrscht hatte, ist jetzt verflogen.

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Am Donnerstag und am frühen Freitag stürzten die Kurse an den amerikanischen Börsen regelrecht ab. Sämtliche 30 Werte des Dow-Jones-Index schlossen am Dienstag tiefer als am Donnerstag. Das Blue-Chips-Barometer verlor um 3,4 Prozent. Auch die Standardwerte des S&P-500-Index, der um 4,4 Prozent nachgab, wurden durchgeschüttelt.

Erinnerungen an das Platzen der Dotcom-Blase

Den grössten Verlust erlitt indes der Nasdaq-100-Index, in dem die grossen amerikanischen Technologiewerte enthalten sind. Er fiel um 6,4 Prozent und verzeichnete damit den grössten Tagesverlust seit dem Jahr 2000. Damals platzte die Blase, die durch den Dotcom-Boom ausgelöst worden war.

Angesichts der jüngsten starken Einbussen im Technologiesektor steigt bei Investoren die Befürchtung, dass den Aktienmärkten ähnlich schwere Einschnitte bevorstehen könnten. In den letzten Jahren hatten Avancen von Schwergewichten wie Amazon, Microsoft, Alphabet oder Nvidia, deren Geschäfte eng mit der künstlichen Intelligenz verknüpft sind, laufend für neue Höchststände an den Börsen gesorgt. Doch am Donnerstag wurden Technologiewerte besonders stark in Mitleidenschaft gezogen. Von allen elf Sektorindizes des S&P-500 schloss jener der IT-Werte mit einem Verlust von über 7 Prozent am schlechtesten ab.

Dahinter steht die Sorge, dass sich nach dem klaren Sieg der Demokraten nicht nur bei den Wahlen in den Senat und in das Repräsentantenhaus, sondern auch für die Posten der Gouverneure in den einzelnen Gliedstaaten, die Errichtung von Rechenzentren zunehmend verzögern könne. Viele der Kandidaten aufseiten der Demokraten hatten sich im Wahlkampf für strengere Vorschriften beim Bau und Betrieb dieser Infrastruktur ausgesprochen, die für den zunehmenden Einsatz der KI unerlässlich ist.

Wachsende Widerstände gegen Rechenzentren

Wie stark sich die Ausgangslage erschweren könnte, zeigte sich auch an einer Branchenkonferenz in Washington. Laut Analysten der britischen Grossbank, die dem Treffen mit Tausenden von Teilnehmern beiwohnten, sind Bewilligungen für neue Datenzentren längst keine Formsache mehr. Für grosse Verunsicherung sorge, dass Opponenten solcher Infrastrukturbauten zunehmend besser organisiert seien. Bei den jüngsten 41 lokalen Urnengängen in zehn Gliedstaaten, wo über einschränkende Massnahmen beim Bau von Rechenzentren abgestimmt worden sei, habe nur in einem Fall ein Nein resultiert.

An der Konferenz wurde auch beklagt, dass es zunehmend an Arbeitskräften für die Planung und die Errichtung von Datenzentren fehle. In vielen Betrieben sei die Belegschaft überaltert, und wegen der stark gestiegenen Löhne könnten ältere und erfahrene Beschäftigte verstärkt vorzeitig in den Ruhestand treten. Damit drohe sich der Fachkräftemangel weiter zu verschärfen.

Donald Trump wettert gegen Demokraten

Der Ausverkauf an der Wall Street setzte sich am Freitag an den Börsen in Japan und Südkorea fortgesetzt. Der japanische Nikkei-225-Index brach zeitweise um 6,7 Prozent ein und notierte damit auf dem Niveau vom April. Südkoreas Leitindex Kospi, der von den weltweit führenden Speicherchipherstellern Samsung Electronics und SK Hynix dominiert wird, stürzte sogar zu Handelsbeginn um mehr als acht Prozent ab. Im Laufe des Vormittags machten die Börsen einen Teil der Verluste wieder wett.

Für den amerikanischen Präsidenten Donald Trump bedeuten die Mehrheiten, über welche die Demokraten nun in beiden Kammern des Parlaments verfügen, eine schwere Hypothek. Trump nahm den Kurssturz indes zum Anlass, um den Demokraten als Wahlsiegern die Verantwortung zuzuschieben. «Es ist so traurig, das mit anzusehen!», schrieb er am Donnerstagabend (Ortszeit) auf seiner Plattform Truth Social. «Wir haben so viel Arbeit investiert, um ein Niveau zu erreichen, das noch niemand zuvor gesehen hat, und dann das.»

Dann zielte Trump direkt auf die Altersvorsorge vieler Amerikaner, die meist in Aktien angelegten 401(k)-Sparpläne: «Deshalb sind eure 401(k)-Rentenpläne im Wert gesunken. Es waren nicht die Republikaner, es waren die ‹Dumocrats›.» Mit dieser Wortschöpfung, einer Anspielung auf das englische «dumb» (dumm), verunglimpft der Präsident die Demokraten regelmässig.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Dominik Feldges, Martin Koelling

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