Die Anti-Russland-Allianz im Eishockey wächst – was bedeutet das für die WM 2027 in Deutschland?
Mehrere Nationen kündigen an, nicht gegen russische Eishockey-Nationalteams anzutreten. Deutschland erwägt, die WM zurückzugeben. Bald wird sich zeigen, ob die Allianz brüchig ist.
04.11.2026, 13.23 Uhr
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Russlands Männer-Nationalteam trat letztmals bei den Olympischen Spielen 2022 international an – hier mit dem Torhüter Iwan Fedotow.
Alexey Filippov / Imago
Seit am Freitag der einstimmige Entscheid des Internationalen Sportgerichtshofs (TAS) publik wurde, wonach Russland wieder zu den Turnieren des Eishockey-Weltverbands IIHF zugelassen werden müsse, vergeht kaum eine Stunde ohne neue Reaktion.
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Hier ein Sponsor, der im Falle einer russischen Beteiligung den Rückzug ankündigt. Da ein Politiker, der sich mit markigen Worten profiliert. Und dort Nationen, die kategorisch ausschliessen, gegen Russland anzutreten, solange der Angriffskrieg gegen die Ukraine weiterhin im Gange ist: Dazu zählen der Weltmeister Finnland sowie Schweden, Dänemark, Norwegen und Lettland. Der tschechische Verbandspräsident befürwortet ebenfalls einen Boykott.
Deutschland erwägt, die WM 2027 zurückzugeben. Die finnische Stadt Turku, die in dreizehn Monaten die U-20-WM beherbergen soll, will nicht mehr zur Verfügung stehen, sollte Russland teilnehmen.
In diesem Jahr findet die U-20-WM in Edmonton und Red Deer statt. Der kanadische Premierminister Mark Carney sagte, dass Russland nicht teilnehmen werde, solange es «diesen illegalen und ungerechtfertigten, schrecklichen Krieg» führe. Denkbar ist, dass Kanada russischen Spielern die zur Einreise erforderlichen Visa verweigert. Die Niederlande hatten dieses Mittel kürzlich genutzt und russischen Turnerinnen die Einreise für die Weltmeisterschaften in Rotterdam verwehrt.
International ausgeschlossen, dennoch im Einsatz: die Spieler von «Russia 25» nach dem Channel-One-Cup im Dezember 2025 in Nowosibirsk.
Kirill Kukhmar / Imago
Der World Cup of Hockey 2028 wird zum Belastungstest
Die Schweiz ist noch nicht Teil der breiten Allianz gegen Russland. Swiss Ice Hockey spielt auf Zeit und will erst einmal abwarten, wie der Weltverband den Flächenbrand zu löschen gedenkt. Auf der Geschäftsstelle in Glattbrugg besteht die Hoffnung, dass der neue IIHF-Präsident Franz Reindl seine guten Beziehungen ins russische Lager dafür nutzen kann, das Problem zumindest zu vertagen und Russland zu vermitteln, dass eine Rückkehr erst 2028 gangbar sei.
Spätestens dann wird sich zeigen, wie stabil das antirussische Bündnis tatsächlich ist.
Im Februar 2028 wird der World Cup of Hockey reaktiviert. Das Turnier wird von der NHL, der besten Eishockeyliga der Welt, veranstaltet. Noch hat diese kaum Details veröffentlicht, klar ist aber, dass Russland in Calgary unter anderem auf Kanada und die Schweiz treffen soll. Die Frage ist, ob sich die übrigen Nationen auch dann weigern werden, gegen ein russisches Team anzutreten. Gegen Akteure, mit denen sie teilweise seit Jahren Abend für Abend die Garderobe teilen.
In der NHL spielen derzeit 57 russische Profis, unter ihnen Alexander Owetschkin, dessen Nähe zu Wladimir Putin breit dokumentiert ist. Das hat immer wieder für Kritik gesorgt. Der einstige Weltklassetorhüter Dominik Hasek etwa sagte im Mai der NZZ, es sei stossend, dass russische Athleten öffentlich auftreten könnten, ohne den Krieg offiziell verurteilt zu haben. «Die NHL ist dadurch zu einer Werbeplattform für den Krieg und die russischen Verbrechen geworden. Der Krieg wird durch die NHL verlängert», sagte Hasek.
Tatsächlich ist das Eishockey ein nicht unwichtiges Propagandawerkzeug für Putins Machtapparat. Kürzlich fügte Russland seiner Meisterschaft feierlich ein Nachwuchsteam aus dem besetzten Donbass-Gebiet hinzu.
Die Schweiz ist bestrebt, den Vertrag mit der Euro Hockey Tour zu verlängern
Der Eishockey-Weltverband veröffentlichte am Mittwoch eine weitere Erklärung, die jedoch einen überschaubaren Erkenntnisgewinn lieferte. Der Verband beklagte noch einmal den TAS-Entscheid und schrieb, die oberste Priorität liege bei der Gewährleistung der Sicherheit für alle Teilnehmer und Austragungsstätten.
Zur Nebensache verkommt es da, dass in den nächsten Tagen tatsächlich internationales Eishockey gespielt wird: Im Rahmen der Euro Hockey Tour gastiert die Schweiz in Finnland, am Donnerstag duelliert sie sich in Helsinki mit dem Gastgeber. Die Schweiz fand 2022 aufgrund des Ausschlusses von Russland dauerhafte Aufnahme in diesem Zirkel, sportlich war das ein Aufstieg.
Der Vertrag endet 2027; eine Delegation der Verbandsspitze ist in die finnische Hauptstadt gereist, um die Zusammenarbeit zu verlängern. Dem Vorhaben ist es zuträglich, dass die Ablehnung Russlands bei den übrigen Teilnehmern Finnland, Schweden und Tschechien derzeit sehr gross ist.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Nicola Berger
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