Der Zürcher Bündnerfleisch-Moment: SP-Kantonsrat fängt während Votum an zu lachen – er sagt: «Es war befreiend»

Jonas Ernis Lachanfall hat im Internet die Runde gemacht. Seither wird Erni in der Öffentlichkeit erkannt – und sogar einfach so umarmt. 

29.10.2026, 15.50 Uhr

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Sagt fast «vögeln» statt «Vögel» und erringt die Fassung erst nach zwei Minuten wieder: der SP-Kantonsrat Jonas Erni.

Sagt fast «vögeln» statt «Vögel» und erringt die Fassung erst nach zwei Minuten wieder: der SP-Kantonsrat Jonas Erni.

Karin Hofer / NZZ

Sitzungen des Zürcher Kantonsrats sind selten lustig. Es geht um Steuern, Gemeindekompetenzen, Rückweisungsanträge und allerlei Dinge, die so freudlos präsentiert werden, als handle es sich dabei um trockenes Brot.

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Am Montagabend war das für einmal anders. Das Gremium debattiert über den Schutz brütender Vögel an Seeufern, da passiert Kantonsrat Jonas Erni (SP, Wädenswil) ein Beinahe-Versprecher – der aber umso wirkungsvoller wurde durch den Umstand, dass ihn Erni gerade noch so vermeiden konnte. «Wer an einem schönen Sommertag an einen See geht, der sieht, wie intensiv unsere Seen genutzt werden. Zum Schwimmen, zum Spazieren, zum Paddeln oder zum Vögel . . . beobachten», sagt Erni, woraufhin die versammelten Parlamentarier in Gelächter ausbrechen.

«Ich kenne diese Situation», sagt Erni und fängt schon wieder an zu lachen.

kantonsrat.zh

Das angehängte -n am angefangenen «Vögel-» brauchte es gar nicht, damit die versammelten Herren und Frauen Kantonsräte das Wort in diesem Sinne vervollständigten. Daraufhin brachen die Parlamentarierinnen und Parlamentarier immer wieder in Lachen aus, als Erni von seiner Zeit als Ranger am Pfäffikersee und am Greifensee berichtete («Auch ich kenne diese Situation, und nicht nur aus der politischen Debatte!») und dazu aufrief, der «ungestörten Natur ihren notwendigen Raum zu lassen». Nach fast jeder Zeile brach Erni erneut in Lachen aus, hielt sich den Bauch und arbeitete sich schliesslich japsend durch seine Rede.

Millionenfache Aufrufe

Das Video von Ernis Auftritt hat mittlerweile weite Kreise gezogen: «20 Minuten», der «Blick», Tamedia und Tele Züri griffen den Moment auf, sogar der deutsche Sender RTL berichtete. Laut Erni erreichte der Clip auf allen Kanälen zusammen 2,7 Millionen Views.

«Es ist schon wild, wie sehr sich das jetzt verbreitet hat», sagt er. Er werde in der Öffentlichkeit jetzt oft angelächelt. Eine Frau habe ihn gar einfach so umarmt.

Vermutungen, dass der Versprecher Absicht gewesen sei, weist Erni zurück: «Ich habe kurz vor der Rede gemerkt, dass da eine Stelle war, über die ich stolpern könnte. Was das nach sich ziehen würde, habe ich aber nicht bedacht.»

Im ersten Moment, sagt Erni, habe er sich während des Votums «nackt» gefühlt: «Es ist ein spezielles Gefühl, wenn man so die Kontrolle verliert.» Im Nachhinein denkt er aber gerne daran zurück: «Der Rat ist selten ein lustiger Ort, es war befreiend, einmal mit all meinen Kolleginnen und Kollegen zu lachen.»

Das sehen offenbar auch andere Kantonsräte und Kantonsrätinnen so. Donato Scognamiglio (EVP, Freienstein-Teufen) bedankte sich sogar in den sozialen Netzwerken bei Erni für den «heiteren Moment nach einer politischen Monsterdebatte», andere Parlamentarier stimmten Scognamiglio herzlich zu.

Lacher in der Politik sind selten, bleiben aber in Erinnerung

Lachanfälle sind in der Politik selten, fallen aber umso mehr auf. Alt-Bundesrat Rudolf Merz’ Lachanfall in seiner Rede über «Bü-bü-bü-Bündnerfleisch!» ist mittlerweile quasi nationales Kulturgut.

Für Erheiterung sorgte 2016 auch ein Votum von Bundesrätin Doris Leuthard (CVP), als diese im Parlament über Zuchtponys referieren sollte und trotz sichtlichem Bemühen nicht ernst bleiben konnte. «Das ist doch einfach absurd!», sagt sie schliesslich prustend. «Da sehen Sie mal, welche Bedeutung ich diesem Thema gerade zumesse. Aber immerhin, ich lerne jeden Tag etwas Neues.»

Im Kantonsrat kam es am Montagabend zu keinen weiteren Lachern. Ratspräsidentin Romaine Rogenmoser (SVP, Bülach) sagte nach der Debatte über die Brutvögel an die Parlamentarierinnen und Parlamentarier gerichtet: «Die Konzentration hat offensichtlich sehr gelitten.» Daraufhin beendete sie die Sitzung früher als geplant.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Andrea Marti

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