Der nächste Egotrip von Breel Embolo: Der Stürmer fühlt sich vom SFV ungerecht behandelt und kritisiert die Verbandsspitze
Kaum sind die neuen Leitlinien zum Umgang mit strafrechtlich relevanten Sachverhalten veröffentlicht, lenkt Embolo abermals alle Aufmerksamkeit auf sich. Das Theater um ihn und den Captain Xhaka will einfach nicht enden.
31.10.2026, 18.21 Uhr
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Schwadroniert in einem Interview von einer «Kollektivstrafe»: der Schweizer Nationalspieler Breel Embolo.
Anne-Marie Sorvin / Reuters
Eines kann man dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) und seinen Protagonisten jedenfalls nicht vorwerfen: dass sie die Öffentlichkeit schlecht unterhalten würden.
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Es ist keine Woche her, da veröffentlichte der SFV die neuen Leitlinien zum künftigen Umgang mit strafrechtlich relevanten Sachverhalten. Der Hintergrund: Immer wieder war der Verband von alten Geschichten seiner Spieler überrascht worden. Weil diese sich etwas hatten zuschulden lassen kommen, es aber für unnötig hielten, das dem SFV mitzuteilen.
So war das bei Granit Xhaka, der kurz vor dem XXL-Zusammenzug des Nationalteams im September und Oktober einen Impfbetrug aus dem Jahr 2022 einräumen musste. Der Verband und der Captain entschieden daraufhin gemeinsam, dass Xhaka der Equipe von Murat Yakin einstweilen fernbleibt.
Und so war das auch bei Breel Embolo. Kurz nach Bekanntwerden von Xhakas Impfbetrug erfuhr der SFV durch die Medien, dass der bereits im vergangenen November ergangene Strafbefehl gegen Embolo wegen gefälschter Covid-Zertifikate im Jahr 2021 mittlerweile rechtskräftig war. Der Noch-Nationalmannschaftsdirektor Pierluigi Tami lud Embolo daraufhin vom Zusammenzug aus. Und der SFV-Präsident Peter Knäbel kündigte ebenjene Leitlinien an. Endlich schien der Verband erkannt zu haben, dass es so nicht weitergeht.
Embolo wagt den nächsten Alleingang
Darüber, wie der Verband die neuen Leitlinien am Dienstag kommunizierte – nämlich maximal defensiv –, lässt sich trefflich streiten. Unstrittig ist hingegen, dass der SFV grösstmögliche Milde gegenüber Xhaka und Embolo walten liess. Vom Gericht erhielten die beiden bedingte Geldbussen auferlegt; vonseiten des Verbandes gab es keinerlei disziplinarischen Konsequenzen; nicht einmal Geldbussen, die für einen guten Zweck hätten gespendet werden können.
Stattdessen dürfen Xhaka und Embolo schon im November ins Nationalteam zurückkehren; Xhaka, der nachweislich gelogen hat, wird überdies Captain der Auswahl bleiben. Man muss nicht zwingend der Ansicht sein, der SFV kusche vor seinen wichtigsten Spielern, aber hart waren die Sanktionen gewiss nicht: vier verpasste Nations-League-Spiele, die sportlich bedeutungslos waren.
Und hätte die Angelegenheit erledigt sein können. Doch weit gefehlt. Denn Breel Embolo fühlt sich bemüssigt, nun auch noch seine Sicht der Dinge darzulegen. In einem Interview mit «Schweiz am Wochenende» sagt der 29-Jährige, er fühle sich vom SFV ungerecht behandelt. Der SFV habe seinen und Xhakas Fall miteinander vermischt, so der Stürmer: «Ich will keine Ausrede finden. Aber: Ich bin geimpft. Dreimal. Also ist es ein ganz anderer Fall als bei Granit.»
Er könne deshalb nicht nachvollziehen, weshalb er kein Aufgebot erhalten habe, so Embolo weiter. Schliesslich seien die Hintergründe seiner Verurteilung verbandsintern längst bekannt gewesen; neu sei im September ja «nur» das Bekanntwerden des Strafbefehls gewesen.
Embolo wirft der Verbandsspitze vor, sie habe «das Problem mit dem Esta und die Sache mit den Covid-Tests zusammengenommen» habe. Zur Erinnerung: Wegen einer anderen Verurteilung, nämlich wegen mehrfacher Drohung im Jahr 2018, wurde Embolo vor der Fussball-WM im Sommer zunächst die Einreise in die USA verwehrt; die amerikanische Einreisebehörde hatte die Esta-Einreisegenehmigung nicht akzeptiert. Er habe das Gefühl, «mein Verbot, im September zum Team zu reisen, sei gewissermassen eine Kollektivstrafe», schwadroniert Embolo weiter.
Und der Stürmer des MLS-Teams Atlanta United wird noch viel grundsätzlicher. Er sagt, im Umfeld des SFV gebe es «Leute, die Dinge leaken. Die nicht loyal sind zu dir und zu deiner Mannschaft» Mit der Aussage spielt Embolo auf einen Artikel des «Blick» an, in dem «Xhaka als Tyrann dargestellt wurde». «Aber Granit ist kein Tyrann. Er will schlicht immer gewinnen», so Embolo.
Auf wen seine Kritik am SFV genau zielt, bleibt unklar; Embolo nennt keine Namen. Nur so viel: «Mit Muri (der Nationalcoach Murat Yakin; Anm. d. Red.), mit (Nationalmannschafts-Direktor Pierluigi) Tami und der Mannschaft habe ich kein Problem.» Aber: «Langfristig muss der SFV ein paar Dinge klären. Egal ob es mich betrifft oder andere Spieler. Das ist für mich die wichtigste Message.»
Was Embolo damit meint, bleibt allerdings ebenso im Dunkeln. Klar ist nur, dass sich der gebürtige Basler einmal mehr unverstanden fühlt. Nur: Mit seinem nächsten Egotrip macht er alles noch viel schlimmer. Statt dass im Nationalteam endlich Ruhe einkehrt, nimmt das Theater um Xhaka und Embolo einfach kein Ende.
Ein kommunikatives Desaster
Bevor die Leitlinien publik wurden, schrieb die NZZ, der Verband müsse nicht nur eine Informationspflicht bei laufenden Strafverfahren in diese integrieren. Sondern seinen Akteuren am besten gleich auch noch erklären, was ein Strafverfahren ist und welche Vergehen ein solches nach sich zieht.
Das völlig inadäquate Interview von Embolo legt nun aber noch eine weitere Massnahme nahe: Der SFV sollte seine Nationalspieler dringend auch in die Nachhilfe puncto Kommunikation schicken. Sein Problem ist allerdings, dass die Fussballer nicht Angestellte des Verbands sind; es ist ihnen unbenommen, ihre persönliche Sichtweise in der Öffentlichkeit darzulegen.
Bloss schadet Embolo mit seinem Verhalten nicht nur sich selbst und seiner öffentlichen Wahrnehmung, sondern eben auch dem Team und dessen sportlichen Zielen. So dürfte rund um die November-Spiele in Slowenien (13.11.) und in St. Gallen gegen Schottland (16.11.) einmal mehr nicht das Fussballerische im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Sondern erneut ein Nebenschauplatz. Ein Nebenschauplatz notabene, den Embolo selbst verursacht hat.
Der SFV-Medienchef Adrian Arnold sagte der NZZ am Samstagnachmittag, der Verband wolle sich nicht weiter zur Angelegenheit äussern. Rund um das Nationalteam bleibt es trotzdem unruhig. Und der Unterhaltungswert hoch.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Benedikt Koller
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