Der Milliardenverlust von VW erhöht den Spardruck im Konzern
Europas grösster Autobauer leidet unter der Schwächer von Porsche und dem Einbruch des China-Geschäfts. In der Debatte um die Sanierung kann das dem Management Rückenwind verleihen.
29.10.2026, 12.23 Uhr
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Der VW-Konzern kämpft mit hohen Kosten und sinkendem Absatz
Sean Gallup / Getty
Für ein paar Tage ging es einmal nicht um unausgelastete Werke, einbrechende Absatzmärkte und gekündigte Tarifverträge Sondern um Gernot Döllner. Dass der Chef der VW-Konzerntochter Audi den Bau eines Werke in den USA bei einer Wahlkampfveranstaltung von Präsident Donald Trump verkündete, empörte einige Politiker und Medien in seiner deutschen Heimat so, als ob sich der Manager mit dem Leibhaftigen eingelassen habe.
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Seit Donnerstagmorgen ist klar, dass der Auftritt im fernen US-Bundesstaat Georgia nur eine burleske Episode in einem grossen Drama gewesen ist. Um 7 Uhr 30 verschickte die Wolfsburger Konzernzentrale eine Mitteilung, die wie ein Aufruf wirkt, sich nun wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das Ergebnis der ersten neun Monate unterstreiche den «sofortigen Handlungsdruck» , heisst es schon in der Überschrift. «Wir dürfen keine Zeit verlieren und müssen schnell und entschlossen handeln», lässt sich Finanzvorstand Arno Antlitz direkt im Anschluss zitieren.
Vor allem Porsche belastet das Ergebnis
Tatsächlich sehen die Zahlen auf den ersten Blick rabenschwarz aus. Von Juli bis September verbuchte Europas grösster Autobauer einen operativen Verlust von 5,9 Milliarden Euro. Grund dafür sind jedoch vor allem einmalige Sondereffekte, die VW grösstenteils ins dritte Quartal buchte. Allein den Firmenwert der Tochter Porsche schrieb der Konzern um 6,4 Milliarden Euro ab. Eine weitere Milliarde fiel für Wertkorrekturen in China an.
Der einstige Wachstumsmarkt befindet sich weiterhin im freien Fall. Im dritten Quartal setzte VW dort nur noch gut 400 000 Autos ab, das waren fast 40 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Schwäche in China ist der wichtigste Grund dafür, dass es auch jenseits der Einmaleffekte bescheiden läuft.
Die Zahl der abgesetzten Fahrzeuge und der Umsatz gingen in den ersten neun Monaten in allen drei Markengruppen leicht zurück. Dabei schnitt das Massengeschäft dank der Erfolge von Skoda besser ab als das gehobene Segment und die Luxussparte. Dass die Nachfrage nach Elektroautos spürbar anzog, ist für VW ein zweischneidiger Erfolg. Denn an den batteriebetriebenen Autos verdient der Konzern weniger als an traditionellen Verbrennern.
Die Rendite liegt deutlich unter dem Ziel
Mit 3,8 Prozent lag die operative Rendite deutlich unter dem vom Management avisierten Ziel von mindestens acht Prozent. «Das ist zu wenig, um weiter kraftvoll in unsere Zukunft zu investieren», stellte Finanzchef Antlitz klar. Um das zu ändern will der Vorstand in den kommenden Jahren zusätzlich bis zu 50 000 Stellen abbauen, die Strukturen vereinfachen und womöglich auch vier deutsche Werke schliessen. Einsparungen von jährlich 31 Milliarden Euro sollen den Konzern auch in der Zukunft eine ausreichende Profitabilität sichern.
Die schwachen Zahlen könnten dem Management in den aktuellen Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern Rückenwind verleihen. In den vergangenen Monaten hatte Vorstandschef Oliver Blume mehrfach betont, dass sich der Konzern am Rande einer existenziellen Krise befinden. Und dass deshalb harte Einschnitte erforderlich seien. Nach langen Debatten hat sich der Aufsichtsrat Anfang Dezember zwar auf einen Plan geeinigt. Um dessen Details wird aber weiterhin erbittert gerungen.
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass selbst die Annahmen des Plans zu optimistisch sein könnten. So geht dieser davon aus, dass VW über alle Marken hinweg künftig jährlich neun Millionen Fahrzeuge absetzen kann. Die Kapazitäten des Konzerns sind derzeit noch darauf ausgerichtet, bis zu zwölf Millionen Autos zu produzieren. Von Januar bis September rollten weltweit aber nur 5,9 Millionen neue Wagen auf die Strassen. Auf Jahressicht dürfte der Konzern also auch das nach unten angepasste Ziel verfehlen. Dann müssten seine womöglich noch schneller und noch entschlossener handeln.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Cornelius Welp
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