Delegationen mit Wortgefecht Eklat bei der UNO – USA und Kuba geraten heftig aneinander

Die kubanische Delegation störte eine Rede des US-Vertreters und beschuldigte diesen der Lüge. Als Folge verwiesen die USA einen kubanischen Diplomaten des Landes.

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Darum geht es: An einer UNO-Sitzung in New York haben sich Vertreter der USA und Kubas ein heftiges Wortgefecht geliefert. Während der Rede des US-Botschafters bei den UNO, Mike Waltz, schlugen die anwesenden Vertreter Kubas mehrfach mit den Händen auf die Tische und forderten, die Rede zu unterbrechen. Als Reaktion auf den Eklat wiesen die USA inzwischen einen kubanischen Diplomaten aus.

Sanktionen gegen Kuba: Anlass der UNO-Sitzung war eine Abstimmung über das seit Jahrzehnten geltende US-Embargo gegen Kuba. Waltz übte vor den Ländervertretern scharfe Kritik an der Führung Kubas seit Fidel Castro. Dies veranlasste Kubas Aussenminister Bruno Rodríguez auch, während Waltz’ Rede aufs Rednerpult zuzugehen und diesen der Lüge zu beschuldigen.

Legende: Die kubanische Delegation bezichtigte Mike Waltz, US-Botschafter bei der UNO, der Lüge. «Er lügt nicht nur auf arrogante Weise, sondern verletzt auch die Würde dieser Generalversammlung», sagte der kubanische Aussenminister. Keystone/Seth Wenig

Angespanntes Verhältnis: Beim ausgewiesenen Diplomaten handelt es sich um ein Mitglied der kubanischen UNO-Delegation. Waltz hatte zuvor in einem Interview gesagt, Aussenminister Marco Rubio habe die Ausweisung eines Mannes unterzeichnet, der einen US-Diplomaten «geschubst» und versucht habe, ihn anzugreifen. Der Schritt markiert eine weitere Eskalation im ohnehin angespannten Verhältnis zwischen Washington und Havanna.

Was bedeutet das harte US-Embargo für die Menschen in Kuba? SRF-Redaktorin Anna Lemmenmeier hat direkte Kontakte ins Land. Sie sagt: «Es ist wahnsinnig schwierig für die Menschen in Kuba. Ich höre aktuell vor allem, dass alles wahnsinnig teuer geworden sei. Ein Beispiel: Als ich im Februar in Kuba war, gab es praktisch kein Benzin zu kaufen. Jetzt gibt es zwar wieder welches – die USA lassen Benzinlieferungen zu, um den Privatsektor zu stützen, wie sie sagen –, aber niemand in Kuba kann sich das Benzin leisten, weil es so teuer ist.

Die hohen Preise führen dazu, dass sich die Kubanerinnen und Kubaner jeden Tag vor allem um banale Dinge kümmern müssen: Wie komme ich von A nach B, wie komme ich an Essen, wie kann ich mein Handy laden ohne Strom? Die Menschen sind wahnsinnig erschöpft. Eine Folge des Mangels auf Kuba sind auch gesundheitliche Einschränkungen. So hiess es schon im Mai von der WHO, es hätten mehr als 100'000 Operationen verschoben werden müssen.»

Regelmässige Abstimmung: Die UNO-Generalversammlung stimmt seit 1992 jedes Jahr über eine Resolution zur Beendigung des seit mehr als 60 Jahren bestehenden US-Embargos ab. Die Resolution wird in der Regel von einer grossen Mehrheit von Staaten unterstützt. Sie hat aber keine bindende Wirkung. Auch diesmal wurde die Resolution angenommen, wenn auch mit weniger Stimmen als in früheren Jahren. Offenbar hatten die US-Vertreter stark bei anderen Ländern lobbyiert, die Resolution abzulehnen.

Schlechte Beziehungen: Zwischen den USA und Kuba sind die Beziehungen seit Jahrzehnten angespannt. Die Lage hat sich unter US-Präsident Donald Trump durch Sanktionen und ein Ölembargo weiter verschärft. «Die Art und Weise, wie die USA Kuba derzeit abschotten, ist menschenrechts- und völkerrechtswidrig», sagt SRF-Auslandredaktorin Anna Lemmenmeier dazu. Kuba erhält kein Öl mehr, weder aus Venezuela noch aus Mexiko. «Deshalb hat Kuba seit Anfang 2026 auch kaum mehr Strom.» Denn dieser wird auf der Insel grösstenteils in Ölkraftwerken produziert.

Krise in Kuba: Der massive Öl- und Strommangel hat das kommunistische Kuba in eine tiefe Wirtschaftskrise gestürzt: Die Inflation ist sehr hoch, der Tourismus ist praktisch zusammengebrochen, die Lage im Land sehr schwierig. «Und darum jetzt auch diese Spannungen in der UNO-Generalversammlung zwischen den USA und Kuba», so Lemmenmeier.

Trump lässt nicht locker: «Hinzu kommen die ständigen Drohungen Trumps: Er droht immer wieder mit einem militärischen Eingreifen der USA in Kuba», so die SRF-Auslandredaktorin. Auch haben die USA einen Haftbefehl gegen den früheren Präsidenten Raúl Castro ausgestellt – wegen seiner Rolle bei einem Flugzeugabsturz vor 30 Jahren. Und: «Hier gibt es Parallelen zu Venezuela: Auch dort gab es zunächst juristische Vorwürfe gegen Nicolas Maduro, später haben die USA ihn gekidnappt.»

SRF 4 News aktuell, 28.10.2026, 8:15 Uhr ;  sda/srf/snep;

Source: SRF · 29.10.2026, 10:10

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