Das Lazarett der Skistars: Kilde, Vonn, Goggia, Brignone, Hirscher, Sarrazin fehlen zum Weltcup-Auftakt

Nach einer langen Leidenszeit war der Speed-Spezialist Aleksander Kilde endlich wieder fit. Nun reisst er sich die Achillessehne. Der Norweger ist nicht der einzige prominente Abwesende in Sölden.

23.10.2026, 14.00 Uhr

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Aleksander Kilde muss schon wieder einen Rückschlag verdauen. Kommt er nochmals zurück?

Aleksander Kilde muss schon wieder einen Rückschlag verdauen. Kommt er nochmals zurück?

Denis Balibouse / Reuters

Es ist eine Leidensgeschichte mit vielen Kapiteln, an der Aleksander Kilde seit seinem Sturz am Lauberhorn im Januar 2024 schreibt. Vorübergehend nahm die Erzählung in letzter Zeit eine gute Wendung: Der norwegische Skifahrer, der schon so viel gewonnen hat in seiner Karriere, war wieder schnell. Das Skifahren bereitete ihm so viel Freude wie seit Jahren nicht mehr.

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Nun aber folgt das nächste düstere Kapitel: Anstatt diesen Sonntag beim Weltcup-Auftakt in Sölden zu starten, fehlt Kilde, weil er sich bei einem Trainingssturz in Chile die Achillessehne gerissen hat. Der 34-Jährige machte keine Angaben zur Dauer seines Ausfalls. Normalerweise braucht die stärkste Sehne des Körpers aber mehrere Monate, bis sie wieder den Belastungen des Spitzensports standhält. Die WM-Saison dürfte für ihn gelaufen sein. Auf Instagram schreibt er: «Es ist brutal und hart zu akzeptieren. Ich bin am Boden zerstört, wütend und frustriert.»

Der Verlobte von Mikaela Shiffrin sah einzig etwas positiv. Dieses Mal hat er einen konkreten Plan für die Reha vor sich. Die Ungewissheit war nach dem letzten Sturz die grösste Herausforderung, die vielen Rückschläge, das Warten auf Besserung. Beim Unfall in Wengen durchtrennte die Kante seines Skis in der Wade fünf Muskeln, zwei Nerven und eine Arterie, in der linken Schulter ging fast alles kaputt. Er erholte sich erstaunlich schnell, doch im Sommer fing er sich in der Schulter eine Infektion ein. Eine Blutvergiftung drohte, Kilde sprach monatelang nicht auf die Medikamente an, Bakterien zerstörten die Knochenstruktur.

Dem Norweger ging es physisch wie psychisch schlecht, er befand sich an «einem dunklen Ort», sagte er später, er habe fast aufgegeben. Dann, langsam, erholte er sich doch. Gut ein Jahr nach dem Sturz wurde die Schulter erneut rekonstruiert. Kilde arbeitete am Comeback, startete Ende November 2025 in Copper Mountain zu seinem ersten Weltcup-Rennen, wurde kurz darauf in der Abfahrt von Beaver Creek starker Elfter. Doch sein Körper benötigte mehr Zeit. Nach sieben Rennen beendete er die Saison vorzeitig und begab sich wieder ins Training – welches diesen Sommer und Herbst endlich gut lief.

Vonn wird bald noch einmal operiert

Im Skizirkus gäbe es ein paar potenzielle, namhafte Gastautorinnen, die ein Kapitel zur grossen Leidensgeschichte beitragen könnten. Etwa Lindsey Vonn. Auch die 42-Jährige kehrt diesen Winter nicht auf die Piste zurück. 2024 hatte sie nach fünfeinhalb Jahren das Comeback gegeben, fuhr im vergangenen Winter serienmässig aufs Podest. Dann zertrümmerte sie sich an den Olympischen Spielen im Februar das Schienbein. Mehrere Operationen waren nötig, nun befindet sie sich im Krafttraining und darf wieder Velo fahren.

Vermutlich im November wird sie nochmals operiert, dann werden die Ärzte das kaputte Kreuzband flicken. Darauf folgt nochmals eine monatelange Reha. Erst danach wird Vonn entscheiden, ob sie nochmals in den Weltcup zurückkehrt.

Auch Federica Brignone laboriert an den Langzeitfolgen einer schweren Verletzung. Die Italienerin wurde nach einem Wunder-Comeback zwar zweifache Olympiasiegerin an den Heimspielen in Mailand-Cortina, bloss zehn Monate nach einem Schien- und Wadenbeinbruch sowie einem Kreuzbandriss. Schon damals aber sagte sie, das Skifahren gehe besser als manch alltägliche Belastung. Die Starts vor Heimpublikum erzwang sie mit Willen – doch seither versucht sie, auf ihren Körper und ihren Geist zu hören, und setzt die Gesundheit an die erste Stelle. In einem Interview mit «Il Giornale» sagte die 36-Jährige, sie fürchte sich vor einem Leben mit Schmerzen.

Als sie im Juli erstmals wieder auf Ski stand, schmerzte jede Kurve. Selbst Treppensteigen sei manchmal ein Problem, Joggen kein Thema, sagte Brignone. Im August wurden ihr Platten und Schrauben aus dem Bein entfernt. Der weitere Comeback-Plan? Offen.

Brignones Teamkollegin Sofia Goggia, 33, fehlt in Sölden für einmal nicht wegen einer Verletzung. Sie hat sich im Trainingslager in Argentinien zuerst mit dem Chikungunya-Virus und dann dem Parvovirus B19 angesteckt. Es folgten starke Gliederschmerzen, völlige Erschöpfung, geistig hatte sie Aussetzer und Sprachstörungen. Langsam geht es ihr besser, doch wie lange es dauert, bis sie bereit für Skirennen ist, ist noch nicht absehbar.

Der letzte Satz gilt auch für Cyprien Sarrazin sowie Marcel Hirscher. Der Franzose Sarrazin war in Bormio 2024 schwer gestürzt, trug eine Blutung in der Nähe des Gehirns davon. Er liess sich Zeit mit der Rehabilitation; im vergangenen Winter fuhr er nur ganz sachte und selten Ski, nun hat er gemäss seinem Verband aber Fortschritte gemacht. Der zweifache Kitzbühel-Sieger reist mit dem französischen Team im November zum Trainingscamp in die USA und entscheidet dann, ob es bereits für einen Weltcup-Einsatz reicht.

Auch Marcel Hirscher möchte bald zurückkommen. Der achtfache Gesamtweltcup-Sieger hatte im Herbst 2024 – fünfeinhalb Jahre nach seinem Rücktritt – ein Comeback gegeben; noch im selben Jahr riss sein Kreuzband. Die Genesung dauerte länger als erwartet. Vierzehn Monate nach der Verletzung spürte er beim Skifahren immer noch so grosse Schmerzen, dass er nochmals eine achtmonatige Skipause einlegte. Im vergangenen April bezweifelte er, es je wieder in den Weltcup zu schaffen.

Nun scheint das neuerliche Comeback jedoch greifbar. Die sportliche Entwicklung verlaufe positiv, teilte das Umfeld des 37-Jährigen kürzlich mit. Die Zeitabstände im Training auf dem Rennhang in Sölden seien aber noch zu gross gewesen, um einen Einsatz zu wagen. Hirscher erhält vom Weltverband FIS zwar Wildcards, diese sind aber auf vier Stück pro Disziplin beschränkt.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Eva Breitenstein

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