Das Kellerduell zwischen GC und Lausanne zeigt: Der Weg zum Klassenerhalt ist alles andere als einfach
Für Lausanne-Sport, das erstmals unter Ludovic Magnin antritt, ist das 1:1 im Letzigrund der erste Punkt in sieben Partien. GC wartet weiterhin auf den ersten Sieg unter Olaf Janssen. Ein möglicher Abstieg bleibt in Zürich wie in Lausanne allgegenwärtig.
Isabelle Pfister, Zürich08.11.2026, 11.10 Uhr
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AktualisiertGC-Spieler Kenzo Goudmijn (links) kämpft am Samstag im Letzigrund um den Ball mit Nathan Butler-Oyedeji von Lausanne-Sport.
Gaëtan Bally / Keystone
Als der Schiedsrichter Hüseyin Sanli das Spiel am Samstagabend im Zürcher Letzigrund nach 96 Minuten abpfiff, stand Ludovic Magnin vorgebeugt da, stützte sich mit den Händen auf den Knien ab, so als hätte er gerade einen Marathon absolviert. Später sagte der neue Trainer des FC Lausanne-Sport: «Ich habe leider die Statistik angeschaut, das macht es noch frustrierender. Wir haben das Spiel dominiert und am Ende 1:1 verloren.»
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Die Statistik im Duell des Tabellenschlusslichts der Super League gegen die auf dem vorletzten Platz platzierten Grasshoppers aus Zürich liest sich wie ein Schützenfest – jedenfalls aus Sicht der Lausanner. 24 zu 10 Torschüsse und 14 zu 2 Eckbälle. Und das bei einem Ballbesitz von 50 Prozent.
Das 1:1 zwischen GC und Lausanne ist ein Resultat, das keines der beiden Teams weiterbringt. Die Zürcher wahren ihren 4-Punkte-Vorsprung, die Waadtländer warten weiterhin seit dem 1. August auf den zweiten Saisonsieg, zuletzt haben sie in der Liga sechsmal in Folge verloren.
Die Misere von Lausanne
Vor allem die letzte Niederlage war derart schmerzhaft, dass der Captain Olivier Custodio im Letzigrund sagte: «Wir haben alle nicht gut geschlafen, jedenfalls nicht von Sonntag auf Montag und auch nicht von Montag auf Dienstag.»
Der FC Lausanne-Sport hatte am Sonntag, 1. November, beim Heimspiel gegen den FC Thun den 130. Geburtstag des Vereins gefeiert. Nun ja, in Feierlaune waren die Fans am Lac Léman bis zur 70. Minute, bis dahin führte das Heimteam im Stade de la Tuilière 4:1. Dann folgte ein Zusammenbruch, den man ohne Übertreibung als historisch bezeichnen kann. Das Team um den Captain Custodio gab innerhalb von 20 Minuten nicht nur die Führung aus der Hand, sondern ging am Ende als Verlierer vom Platz. Nach Spielschluss versuchten die Lausanner Ultras aus Frust, in die Katakomben des Stadions einzudringen. «Das war sehr schwierig zu verdauen», sagte Custodio eine Woche später über die Niederlage gegen Thun und die Szenen danach.
Die Schlagzeilen rund um den Verein sind momentan selten positiv. Da ist diese 4:5-Niederlage gegen Thun. Da ist die Serie von Niederlagen davor. Da ist der letzte Tabellenplatz. Da ist der Verein, der gerade von seinem Besitzer, dem Petrochemiekonzern Ineos, zum Verkauf angeboten wird.
Aber dann ist da seit ein paar Tagen Ludovic Magnin. Jetzt. Endlich. Der Feuerwehrmann, das Energiebündel, der Lausanner Hoffnungsträger.
Unter Magnin, der in Lausanne geboren ist, hatte der Verein die Saison 2024/25 auf dem fünften Tabellenrang abgeschlossen und sich so für die Qualifikationsphase der Conference League qualifiziert. Auch ohne Magnin, der nach jener Saison zum FC Basel wechselte, schaffte Lausanne-Sport den Sprung in die Gruppenphase der Conference League. Dort scheiterte er erst in den Play-offs.
Seither ist es kompliziert geworden rund um den FC Lausanne-Sport. Die Waadtländer konnten sich in der vergangenen Saison zwar einigermassen erfolgreich vom direkten Abstiegskampf fernhalten, was auch daran lag, dass da noch schlechtere Teams waren; Teams wie der FC Winterthur, der Absteiger der vergangenen Saison, oder die Grasshoppers Zürich, die vor bald vier Jahren eine Dauerkarte für die Barrage gelöst haben.
Nach 13 Spieltagen der Saison 2026/27 ist die Realität des FC Lausanne-Sport jetzt aber der letzte Tabellenplatz. Abstiegskampf.
Es ist ein langer Weg zum Klassenerhalt
Zwei Tage nach dem Debakel gegen Thun Anfang November blieb der Lausanner Klubführung nichts anderes übrig, als den Trainer Luka Elsner zu entlassen. Der Sportdirektor Stéphane Henchoz rief darauf Ludovic Magnin an. «Das Herz hat sofort Ja gesagt, dann musste nur noch der Kopf mitgehen», sagte Magnin vor dem GC-Spiel gegenüber dem SRF.
Im Hintergrund hing ein Transparent der Lausanner Kurve: «Vetternwirtschaft, Missachtung und Respektlosigkeit. Henchoz-Chauvaz: Ihr habt eure letzten Karten gespielt.» Die Fans sind derart wütend, dass sie sogar den Namen des Chefscouts, Tony Chauvat, falsch geschrieben haben.
Immerhin schürte das Team von Magnin am Samstagabend die Hoffnung, dass der sportliche Tiefpunkt vielleicht überwunden ist. Magnin hat das Team innerhalb von drei Trainings taktisch neu aufgestellt, «no risk, no fun», sagte er danach schmunzelnd, sein Plan ging mehrheitlich auf. Wie viel Spass die Spieler auf dem Platz hatten, ist dennoch unklar. Denn Lausanne scheiterte immer und immer wieder am GC-Torhüter Justin Hammel, dann am Pfosten und oft auch an sich selbst.
Aber immerhin: Lausanne spielte mutig auf im Letzigrund, hängende Köpfe waren keine zu sehen. Lausanne gab auch nach dem Gegentor nach 29 Minuten durch GC's Kenzo Goudmijn nicht auf. Schliesslich erlöste der eingewechselte Seydou Traoré die Waadtländer in der 85. Minute mit dem Treffer zum 1:1. Es war der Verdienst einer engagierten zweiten Halbzeit, in der die Grasshoppers eine Hauptbeschäftigung hatten: verteidigen. «Wir hatten etwas zu verlieren und waren deshalb zu wenig mutig mit dem Ball», sagte Olaf Janssen, der GC-Trainer, nach dem Spiel.
Am Ende war es eine Begegnung auf Augenhöhe im Letzigrund. Für GC wie auch für Lausanne ist das Unentschieden am Samstagabend aber unbefriedigend – für GC, weil es erstmals unter Janssen geführt hat und trotzdem nicht gewann. Für Lausanne, weil es weiterhin vier Punkte hinter den Zürchern liegt. «So geht ein Spiel zu Ende, das sehr gut die nächsten Wochen und Monate beschreibt. Es wird kein Zuckerschlecken, diesen Klassenerhalt zu schaffen», sagte der GC-Trainer Janssen. Ludovic Magnin dürfte ihm zustimmen.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Isabelle Pfister
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