Das in Europa zirkulierende Rindervirus Shamonda ist erstmals überhaupt in einem Menschen entdeckt worden

Der Mann ist gestorben. Noch ist unklar, ob das an der Infektion lag. Sicher ist: Via Stechmücken breitet sich das Virus in Europa seit dem Frühsommer schnell aus.

22.10.2026, 17.30 Uhr

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Blutsaugende Mücken können Shamonda-Viren übertragen.

Blutsaugende Mücken können Shamonda-Viren übertragen.

Andreas Gora / Imago

Nach seiner Ankunft in Europa im Frühsommer sorgt das Shamonda-Virus erneut für Unruhe: Erstmals überhaupt ist es in einem Menschen entdeckt worden. Der Patient, ein Mann aus dem Osten Frankreichs, ist bereits Anfang Oktober gestorben. Er sei schwer krank gewesen, und sein Immunsystem habe nur sehr eingeschränkt funktioniert, haben die französischen Behörden am Donnerstag bekanntgegeben.

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Diese Infektion ist völlig unerwartet. Bisher gingen Virologen davon aus, dass das Shamonda-Virus nur Tiere befällt.

Patient war schwer krank und immunsupprimiert

Allerdings bestehe noch kein Grund zur Sorge, erklärt Ben Brennan vom Centre for Virus Research der Universität Glasgow gegenüber dem Science Media Centre UK. Denn: «Wenn man ein Virus in einem immunsupprimierten Patienten findet, so bedeutet das keineswegs, dass es auch für gesunde Menschen gefährlich ist.» Und es gebe gar keine Hinweise, dass das Virus von Mensch zu Mensch oder Säugetier zu Säugetier übertragbar sei.

Auch das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) warnt vor voreiligen Schlüssen. Es sei noch nicht einmal sicher, dass das Shamonda-Virus den Tod des Mannes verursacht habe. Das ECDC hält ebenso wie die französischen Behörden derzeit das Risiko für die allgemeine Bevölkerung für sehr gering. Allerdings zeigt der Fall erneut, dass tierische Viren immer wieder für eine ungewollte Überraschung gut sind.

Wie kam das Virus in den Menschen?

Unklar ist derzeit auch, wie sich der Mann angesteckt hat. Tiere infizieren sich, wenn eine mit dem Virus kontaminierte kleine Stechmücke, eine sogenannte Gnitze, sie beisst und beim Blutsaugen das Virus überträgt. Nun wird abgeklärt, ob dies so auch bei Menschen geschehen kann.

Es ist durchaus denkbar. Denn Shamonda-Viren zirkulieren seit mindestens Juni in der Gegend, in der der Mann lebte. Aber nicht nur dort.

Zuerst traten im Frühsommer in Frankreich und dann in der Schweiz gehäuft dieselben Erkrankungen bei Rindern auf. Sie entwickelten Fieber und Durchfall, und ihre Milchleistung ging erheblich zurück. Doch erst als Ende Juli die ersten Fälle aus Süddeutschland bekannt wurden, gelang es dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Ostseeinsel Riems, das Virus zu bestimmen.

Infizierte Pferde haben neurologische Probleme

Das Shamonda-Virus ist kein neuer Erreger. Aber es ist dieses Jahr zum ersten Mal in Europa entdeckt worden. Mitte der 1960er Jahre fanden Forscher es in Nigeria, später auch in Japan und anderen asiatischen Ländern. Vermutlich ist das Virus zusammen mit Stechmücken nach Europa gelangt.

Mittlerweile melden zwölf Länder Erkrankungen in zahlreichen Rinderherden. Zudem sind auch Schafe, Ziegen und Pferde betroffen. In fast allen Fällen erholen sich die Tiere innert zwei bis drei Wochen. Aber es gibt Hinweise, dass eine Infektion während der Trächtigkeit zu Fehlgeburten führt.

In der Schweiz wurde der Erreger im September in sechs Pferden gefunden. Alle wiesen neurologische Probleme auf. Solche Symptome seien jüngst in der Schweiz gehäuft bei Pferden gemeldet worden, schreibt das Tierspital Zürich. Der Verdacht liegt nahe, dass das Shamonda-Virus die Ursache ist. Das muss aber noch bestätigt werden.

Mittlerweile zirkulieren zwei Virusvarianten

Eine weitere unerfreuliche Nachricht hat auch das FLI kürzlich verkündet. In Nord- und Westdeutschland haben die Wissenschafter eine zweite Shamonda-Variante entdeckt. Es gebe eindeutige Unterschiede zur zuerst in der Schweiz, Frankreich und Süddeutschland nachgewiesenen Variante. Daher gehen die Experten davon aus, dass es zwei voneinander unabhängige Einschleppungen gab.

Welche Tiere die zweite Variante befallen kann, ist noch unklar. Bisher hat man sie ausschliesslich in Rindern gefunden. Die neue Variante bereitet den FLI-Forschern noch aus einem anderen Grund Kopfzerbrechen. Sie halten es für möglich, dass sich die beiden Virentypen in einem infizierten Tier vermischen und so eine neue Shamonda-Variante entsteht. Es ist zwar keineswegs sicher, dass diese dann gefährlicher ist oder gar Menschen leichter befallen kann. Aber prinzipiell will man solche Mischungen nicht.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Stephanie Lahrtz

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