Danger Dan kam, sang und sah keine Neonazis

Nachdem Rechtsextreme zu Protesten gegen das Zürcher Konzert des deutschen Rappers aufgerufen hatten, war die Nervosität gross. Der Künstler selbst nahm es aber gelassen und lancierte spontan einen «Spendenlauf».

29.10.2026, 15.15 Uhr

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Wer hat Angst vor Danger Dan? Der Rapper trat am Mittwoch im Rahmen seiner «Keine Angst»-Tour im Volkshaus auf. Hier eine Aufnahme von einem Konzert in Berlin.

Wer hat Angst vor Danger Dan? Der Rapper trat am Mittwoch im Rahmen seiner «Keine Angst»-Tour im Volkshaus auf. Hier eine Aufnahme von einem Konzert in Berlin.

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Wagen es Angehörige aus dem Neonazi-Milieu in Zürich, das Konzert des deutschen Rappers Danger Dan zu stören? Genau dazu hatte die sogenannte Nationale Aktionsfront aufgerufen. «Patrioten, Rechte und Nationalisten» sollten ein Zeichen gegen linke Gewalt setzen. Dem Aufruf hatte sich eine rechtsextreme Kampfsportgruppe aus Zürich angeschlossen.

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Dass ihm viele Rechtsextreme folgen würden, wirkte eher unwahrscheinlich. Das Volkshaus, in dem Danger Dan am Mittwochabend auftrat, liegt am Helvetiaplatz im Kreis 4. Es ist der Ort, an dem viele Demonstrationen der linken Szene beginnen oder enden.

Doch Ereignisse der letzten Wochen verliehen der Situation eine neue Bedeutung und sorgten wohl bei einigen Besuchern für eine gewisse Verunsicherung. Vor zehn Tagen kam nach dem Konzert einer Punkband in der Schwyzer Gemeinde Tuggen ein 27-jähriger Deutscher bei einer Schlägerei ums Leben. Ein 42-jähriger Schweizer, der laut dem «Sonntags-Blick» der militanten Neonazi-Szene angehört, wurde inzwischen verhaftet. Er wird verdächtigt, für den tödlichen Schlag verantwortlich zu sein.

Danger Dan, bürgerlich Daniel Pongratz, ist bekannt für seine antifaschistischen Texte. Für manche sind diese aber auch Aufrufe zu Gewalt. Denn darin singt Danger Dan – wenn auch im Konjunktiv – davon, Faschisten «zurück in ihre Löcher zu prügeln». In «Keine Angst», dem Stück, nach dem sowohl das jüngste Album als auch die derzeitige Tour benannt sind, beschreibt er, wie man sich gegen Faschisten und Nazis organisiert.

Am Ende des Lieds grüsst der Rapper vier Personen, was als Verweis auf die «Hammerbande» verstanden werden kann. Eine Gruppe, die mit brutalen Angriffen auf – vermeintliche oder tatsächliche – Rechtsextremisten für Schlagzeilen gesorgt hat.

Wegen des Texts von «Keine Angst» entschied sich der deutsche Fernsehsender ZDF im Sommer dafür, Danger Dan kurzfristig aus einer Sendung auszuladen.

Das alles zeigt: Danger Dan hat Erfahrung damit, wegen seiner Texte kritisiert zu werden. Am Mittwochnachmittag offenbarte sich auch: Der Mann hat Humor. So postete er auf der Plattform Instagram einen Beitrag, in dem er zwar zeigte, dass er die rechtsextreme Bewegung insgesamt für gefährlich halte – gerade auch angesichts des Vorfalls in Tuggen. Er schrieb aber auch: «Wir schätzen den Aufruf gegen mich nicht als ernst zu nehmend ein.»

Dahinter stünden «grossmäulige und laute Milchbubis». Statt sich einschüchtern zu lassen, hätten er und seine Band sich «etwas Schönes überlegt», heisst es weiter in dem Post. Für jeden Neonazi, der tatsächlich in Zürich auftauche, um gegen das Konzert zu demonstrieren, «spenden wir 50 Euro an eine Organisation, die antirassistische Arbeit in Zürich macht. Im Prinzip so ähnlich wie ein Spendenlauf.»

Der Post wurde über 2000-mal geteilt und heimste bis Donnerstagmittag rund 46 000 Likes ein.

Das Konzert im Volkshaus verlief ohne Störungen. Der Rapper hielt am Donnerstag auf Facebook fest, es seien keine Neonazis «unserer Spendenkampagne gefolgt – diese Lappen».

Das sei beinahe schade, denn man habe mit dem gesammelten Geld eine Organisation unterstützen wollen, die sich für die Würde und Rechte jener Menschen einsetze, die aus politischer oder existenzieller Not in der Schweiz Zuflucht suchten.

Eine Spende gab es am Ende trotzdem. So sei eine Spendendose herumgereicht worden, um Beiträge für 100 Nazis zu sammeln. Will heissen: Man setzte sich das Ziel, 5000 Franken zu sammeln. Auch der Veranstalter habe einen Beitrag gezahlt, «den Rest zahle ich».

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Francesca Prader

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