Cyberangriffe auf Kühlanlagen Erst Kühltruhen, nun Blutkonserven: Cyberangriffe weiten sich aus

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Nach den Hackerangriffen auf Kühlschränke und Tiefkühltruhen vor einigen Wochen gab es nun Angriffe auf Kühlanlagen in Frankreich, in denen Blutkonserven gelagert werden. Die technischen Hintergründe erläutert SRF-Digitalredaktor Reto Widmer.

Reto Widmer

SRF Digitalredaktion

Reto Widmer erklärt seit 2006 als Technologie-Korrespondent die digitale Welt und ordnet Digitalisierungsvorgänge ein. Zuvor war er als selbständiger Webentwickler unterwegs und unterrichtete das Thema «Web» an einer grossen Computerschule. Sein erster Computer war ein Atari ST, der bei seinem Grossvater stand. Seit dieser Begegnung ist er dem Computervirus verfallen, hat selber bis heute zum Glück aber noch nie einen eingefangen.

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Was passiert da gerade?

Die Cyberangriffe zeigen, dass wir verwundbar sind – sprichwörtlich bis aufs Blut. Mit dem Angriff auf das wertvolle und oft knappe Blutplasma zeigen die Angreifer, dass sie es wirklich ernst meinen. Die neuen Angriffe auf Kühlsysteme lassen zudem den Verdacht aufkommen, dass die betroffenen Firmen die früheren Angriffe als Warnung zu wenig ernst genommen haben, was schwierig zu verstehen ist: Sie hätten ja drei Wochen Zeit gehabt, mögliche Lücken in der Steuerung und in der Software zu schliessen. Offenbar wiegen sich da zu viele in allzu grosser Sicherheit, dass ihre Systeme trotz allem sicher seien.

Wer für die Angriffe auf Kühlsysteme in Europa verantwortlich ist, ist völlig unklar. Es spricht allerdings einiges dafür, dass es sich um staatliche Akteure handelt. Denn bei anderen Cyberangriffen geht es meist darum, Geld zu erpressen, was in den Fällen der Angriffe auf Kühlsysteme nicht der Fall ist – zumindest gibt es keine solchen Informationen. Deshalb liegt der Verdacht nahe, dass es den Angreifern darum geht, Chaos zu stiften und die Bevölkerung zu verunsichern. (Reto Widmer)

Wo liegt technisch die Sicherheitslücke?

Bei den Supermärkten waren es Sicherheitslücken, die seit Jahren bekannt waren, aber von den Firmen nie geschlossen wurden, wenn sie ihre Software aktualisierten. Betroffen war bekanntlich eine Steuerung des dänischen Unternehmens Danfoss. Die jetzt betroffenen französischen Blutbanken nutzen den Dienstleister Coolworld, eine niederländische Firma. Sie bietet Kälte als Mietmodell für die Pharma-, Lebensmittel-, Logistik- oder Rechenzentren-Branche an. Welche Lücke die Angreifer jetzt ausgenutzt haben, ist derzeit nicht bekannt. Womöglich haben sie auch Künstliche Intelligenz zum Auffinden einer Sicherheitslücke genutzt. Damit haben alle Geräte, die am Internet angeschlossen und unzureichend gesichert sind, ein erhöhtes Risiko.

Wird die Cybergefahr unterschätzt?

Es ist schon erstaunlich – und es grenzt an Fahrlässigkeit –, dass man Lücken kannte und nichts dagegen getan hat. Andererseits: Wenn mithilfe von KI neue Sicherheitslücken entdeckt und ausgenutzt wurden, kann man bloss möglichst schnell darauf reagieren und Gegenmassnahmen ergreifen. Womöglich wurden Kühlanlagen bisher nicht als kritische Infrastruktur eingeschätzt und deshalb zu wenig gesichert. In der Schweiz immerhin müssen seit Frühling 2025 alle Angriffe auf kritische Infrastruktur dem Bundesamt für Cybersicherheit gemeldet werden. Dazu gehören auch mögliche Angriffe auf Kühlanlagen, die für das Funktionieren der Wirtschaft und für die Lebensgrundlagen der Bevölkerung essenziell sind.

Wie können weitere Angriffe verhindert werden?

Die EU und die Unternehmen müssen die Cyberabwehr stärker priorisieren. Zwar wird heute schon viel getan – aber offensichtlich nicht genug, damit solche Angriffe verunmöglicht werden. Denn es ist zu befürchten, dass die Zahl der Angriffe eher noch zunimmt. Die kritische Infrastruktur wie Strom- und Wasserversorgung scheint gut geschützt, sonst hätte es auch in diesen Bereichen schon mehr erfolgreiche Cyberangriffe gegeben. Das Problem sind aber offenbar jene Unternehmen oder Organisationen, die Cyberabwehr als eher mühsame Nebensache betrachten, die auch noch viel kostet. Sie sind es, die möglichen Angreifern am ehesten ins Messer laufen – was die Firmen dann womöglich aber noch teurer zu stehen kommt, als es eine effektive Cyberabwehr täte.

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SRF 4 News aktuell, 5.11.2026, 7:50 Uhr ;  srf/snep;from

Source: SRF · 05.11.2026, 09:42

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