Cyber-Schwachstelle bei PHP Erste Schadensbilanz: Über 100'000 Schweizer Webseiten offline

Eine Vielzahl von Websites wurde sicherheitshalber vom Netz genommen. Der Bund hat noch keine Angriffe festgestellt.

22.10.2026, 16:15

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Noch heute Nachmittag war die Website der Universität Genf nicht zugänglich. «Die Massnahme ist vorsorglich», teilt die Uni auf Anfrage mit. Die Sicherheitsteams würden an der Wiederherstellung arbeiten.

Legende: Wer am Donnerstag die Website der Universität Genf aufsuchen wollte, bekam eine Fehlermeldung zu sehen. KEYSTONE / Salvatore Di Nolfi

Beim Kanton Basel-Stadt ist es ähnlich. Er nahm seinen Online-Auftritt vorübergehend vom Netz. Auch am Mittag waren noch nicht alle Seiten wieder zugänglich. «Das ist eine Vorsichtsmassnahme, um die Websites vor Angriffen zu schützen», sagt Vizestaatsschreiber Marco Greiner. Einen Datenabfluss habe der Kanton nicht festgestellt.

Bei gehackten Websites würden Jobs auf dem Spiel stehen, Kundendaten könnten leaken oder ganze Systeme könnten zerstört werden.

Alle, die eine Website mithilfe der Programmiersprache PHP betreiben, standen seit gestern vor dem gleichen Problem: Sie mussten so schnell wie möglich ein Update implementieren, das die neu erkannte Cyber-Schwachstelle bei PHP behebt. Das Problem dürfte den Grossteil des Internets betreffen. Rund 70 Prozent der Websites weltweit laufen mit PHP, schätzt das Web-Statistikportal W3Techs.

Vom Netz nehmen oder nicht?

Viele Webseiten wurden, um die Lücke zu schliessen, vom Netz genommen. Die Basler Firma Cyon ist ein Host von Websites, das heisst, sie stellt die technische Infrastruktur für Internetseiten bereit. Über 100'000 Websites hostet die Firma – für Vereine, KMUs, private Blogs und Konzerne. Cyon habe alle vorübergehend vom Netz genommen, sagt der Gründer und Geschäftsführer David Burkhardt.

Legende: Eine kritische Sicherheitslücke der weitverbreiteten Programmiersprache PHP macht Webseiten, Onlineshops und Nachrichtenportale weltweit angreifbar. Reuters / Dado Ruvic

«Die Massnahme war sehr drastisch, aber wir mussten eine Abwägung machen», sagt Burkhardt. «Bei gehackten Websites würden Jobs auf dem Spiel stehen, Kundendaten könnten leaken oder ganze Systeme könnten zerstört werden.» Deshalb habe man sich für die sicherere Variante entschieden, die Kundenwebsites ein paar Stunden vom Netz zu nehmen. Seit heute Morgen laufe alles wieder.

Bund hat noch keine Angriffe festgestellt

Für den Bund beobachtet das Bundesamt für Cybersicherheit die Lage. «Uns sind nach aktuellem Kenntnisstand keine Angriffe in der Schweiz bekannt, die diesen konkreten Schwachstellen zugeordnet werden konnten», teilt das Amt auf Anfrage mit. Allerdings sei es möglich, dass es bislang noch unerkannte oder noch nicht gemeldete Vorfälle gebe.

Das Bundesamt für Cybersicherheit analysiert die Lage weiter und versucht, sich einen Überblick mit belastbaren Zahlen zu verschaffen. Weiterhin mahnt es dazu, schnell zu überprüfen, ob eigene Websites betroffen sind, und allenfalls schnell das Update zu installieren, welches die Sicherheitslücke schliesst.

Rendez-vous, 22.10.2026, 12:30 Uhr; rama

Source: SRF · Sandro Della Torre

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