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Chinas vierter Flugzeugträger könnte schon nächstes Jahr fertiggestellt sein

Satellitenbilder deuten darauf hin, dass der Bau rasch voranschreitet. Mit dem neuen Träger macht Chinas Marine wiederum einen grossen Schritt vorwärts.

04.11.2026, 05.30 Uhr

4 Leseminuten


den Träger «Fujian» in Dienst. Der vierte Flugzeugträger der chinesischen Marine ist bereits im Bau.

den Träger «Fujian» in Dienst. Der vierte Flugzeugträger der chinesischen Marine ist bereits im Bau.

Phu Haiyang / Imago

Es ist gerade einmal ein knappes Jahr her, dass die chinesische Marine mit der «Fujian» ihren dritten Flugzeugträger in Betrieb nahm. Und der vierte könnte bereits Ende 2027, Anfang 2028 vom Stapel laufen. Das zeigen Satellitenbilder des Baus in einer Werft in Dalian, wie die amerikanische Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) in einer aktuellen Analyse schreibt. Der Baufortschritt sei vergleichbar mit dem Zustand der «Fujian» ein Jahr vor ihrem Stapellauf.

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Dimensionen wie die grössten amerikanischen Träger

Ob der Bau nach Plan verläuft, ist unklar. China hat zwar bekanntgegeben, dass der Type 004, wie der Träger genannt wird, in Entwicklung sei, nennt aber keine Bauzeiten. Klar ist jedoch, dass der Ausbau der chinesischen Marine auch im Bereich der Flugzeugträger rasch voranschreitet.

Verschiedene Details zeichnen sich ab. Die CSIS-Experten schätzen die Rumpflänge des Trägers auf 322 Meter und die Breite auf 46 Meter. Allerdings fehlen noch das Flugdeck und die Aufbauten. Das Flugdeck ragt bei Flugzeugträgern über den Rumpf hinaus, die endgültigen Masse des Type 004 dürften daher noch grösser werden.

Der neuste aktive amerikanische Träger, die «Gerald R. Ford», ist 337 Meter lang und 76 Meter breit. Der Type 004 bewegt sich in ähnlichen Dimensionen. Auf jeden Fall ist er deutlich grösser als die «Fujian», das bisher grösste Schiff der chinesischen Marine.

Noch offen ist, ob der Träger einen konventionellen oder einen nuklearen Antrieb haben wird. Die drei bestehenden chinesischen Träger fahren alle mit Dieselantrieb. Sie müssen regelmässig nachgetankt werden. Das können spezielle Versorgungsschiffe zwar auf See machen, dennoch schränkt es den Einsatzradius des Trägers ein.

China strebt eine Flotte von neun Trägern an

Die amerikanischen Träger fahren seit Jahrzehnten alle mit nuklearem Antrieb. Ihre Reaktoren werden in der Mitte ihrer Lebenszeit, etwa nach 23 bis 25 Jahren, einmal neu mit nuklearem Brennmaterial nachgefüllt. In dieser Zeit werden die Schiffe auch generalüberholt und modernisiert.

China baut bereits Reaktoren für den maritimen Einsatz auf seinen Atom-U-Booten. Die CSIS-Experten halten einen Atomantrieb für wahrscheinlich: Auf den Satellitenbildern seien im Rumpf zwei 15 mal 15 Meter grosse Aussparungen zu sehen, die auf eine Abschirmung für Atomreaktoren hindeuteten. Diese Abschirmung ist nötig, um die Crew vor der radioaktiven Strahlung zu schützen. Bei der «Fujian» mit ihrem konventionellen Antrieb seien im gleichen Baustadium keine solchen Aussparungen zu sehen gewesen.

Zwei weitere technische Fortschritte hält das CSIS für wahrscheinlich. Statt zwei soll der neue Träger drei Aufzüge erhalten, welche die Flugzeuge von den Hangars auf das Flugdeck bringen. Und statt drei gibt es wahrscheinlich vier Katapulte. Beides würde eine schnellere Abfolge von Starts und Landungen ermöglichen – eine wichtige Kennzahl für die Schlagkraft eines Flugzeugträgers. Bereits die «Fujian» verfügt über elektromagnetische Katapulte, die höhere Startraten ermöglichen. Weltweit verfügt sonst nur die «Ford» über diese Technologie.

Vom Moment an, in dem der neue Träger vom Stapel läuft, bis er in Dienst gestellt werden kann, wird einige Zeit vergehen. Bei der «Fujian» waren es gut drei Jahre. Es wird wahrscheinlich also erst Anfang der 2030er Jahre sein, bis die chinesische Marine vier einsatzfähige Träger hat. Die militärischen Geheimdienste der Amerikaner schätzen, dass Peking bis 2035 eine Flotte von neun Trägern anstrebt.

Wenn dieses Ziel erreicht werden soll, muss China die Produktionsrate erhöhen. CSIS geht davon aus, dass künftig in zwei Werften parallel Flugzeugträger entstehen könnten. Der Type 004 wird in der nordchinesischen Stadt Dalian gebaut, die «Fujian» entstand in einer Werft bei Schanghai. Damit gibt es einen zweiten Standort, der bereits das Know-how für den Bau von Flugzeugträgern hat.

Auf der Insel Hainan ganz im Süden des Landes gibt es sogar ein drittes Dock, das für den Bau von Trägern geeignet wäre. China produziert nach Tonnage rund die Hälfte aller Schiffe weltweit. Diese Kapazitäten stehen zu einem grossen Teil auch der Marine zur Verfügung. Sowohl die Werft in Dalian als auch jene bei Schanghai bauen in grossem Stil zivile Schiffe. Seit 2020 hat die chinesische Marine 71 grosse Kriegsschiffe und U-Boote in Dienst gestellt.

Chinas Marine holt quantitativ und qualitativ zu den USA auf

Sollte China tatsächlich eine derart umfangreiche Flotte an Flugzeugträgern aufbauen, würde dies nach Ansicht des CSIS das globale militärische Kräfteverhältnis grundlegend verändern. China hätte mit neun Trägern nicht nur eine annähernd so grosse Flotte wie die USA mit ihren elf Flugzeugträgern. Auch technologisch würde China aufschliessen, etwa beim Atomantrieb.

Die US Navy kämpft damit, ihre Trägerflotte aufrechtzuerhalten. Sie hat in den letzten dreissig Jahren vier Träger in Dienst gestellt. Die «John F. Kennedy», die zweite Einheit der «Ford»-Klasse, lief zwar schon 2019 vom Stapel, doch sie wird frühestens nächstes Jahr in Dienst gestellt werden. Alle amerikanischen Flugzeugträger werden im gleichen Dock in Newport News (Virginia) gebaut und gewartet, was zu Engpässen führt.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Patrick Zoll

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