Chaos um Guterres-Nachfolge Die USA zaubern mit Orban einen neuen Kandidaten aus dem Hut
Wer wird neuer UNO‑Generalsekretär? Das bisher eher langweilige Rennen wird immer bizarrer – Trump sei Dank.
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28.10.2026, 20:28
Zunächst stiegen acht Kandidatinnen und Kandidaten ins Rennen um den wichtigsten internationalen Spitzenposten. Darunter war niemand, der übergrossen Enthusiasmus auslöste – aber auch niemand, dem oder der man das Amt des UNO-Generalsekretärs überhaupt nicht zutraut.
Doch eine oder mehrere der UNO-Vetomächte sind mit dieser Auswahl nicht zufrieden. Und jede von ihnen kann jede Kandidatur im UNO-Sicherheitsrat blockieren. Denn dieser muss der Generalversammlung jemanden zur Wahl vorschlagen.
Suche nach einer schwachen Führungsperson
Die US-Regierung von Donald Trump möchte vor allem eine schwache, abhängige Person an der UNO‑Spitze. In Peking und Moskau sieht man das ähnlich. Und: Die drei Grossmächte würden am liebsten allein bestimmen, wer die UNO führt.
Jetzt, zwei Monate vor António Guterres' Abgang, droht die Nachfolgeregelung zu entgleisen. Deshalb tauchen nun neue Kandidaturen auf. Genannt wurde sogar mal FIFA-Chef Gianni Infantino, lanciert als Versuchsballon aus dem trumpschen Umfeld.
Eine tatsächlich neue Bewerbung ist jene von Lana Nusseibeh aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Bloss: Ihr Heimatland ist beteiligt am blutigen Bürgerkrieg im Sudan. Nusseibeh musste das als UNO-Botschafterin vertreten und dabei auch lügen. Traut man ihr zu, sich als UNO-Generalsekretärin von ihrer Feudalregierung zu emanzipieren? Die meisten Beobachter schütteln den Kopf.
Ungarischer Autokrat Orban mit Chancen?
Doch der jüngste Überraschungscoup wird nun, so das «Wall Street Journal», in Washington vorbereitet. Angeblich mit Unterstützung Chinas und Russlands soll Viktor Orban UNO‑Generalsekretär werden. Er, der Ungarn jahrelang zunehmend autokratisch regierte.
Im Grunde spricht so ziemlich alles gegen ihn: Orban ist ein Mann, was der Forderung widerspricht, dass erstmals in der UNO‑Geschichte endlich eine Frau die Weltorganisation führen müsse. Orban stammt nicht aus Lateinamerika, also nicht aus jener Region, der diesmal turnusgemäss der Posten zusteht.
Orban hält zwar viel von rechtspopulistischen Seilschaften, aber wenig von breiter internationaler Zusammenarbeit, für welche die UNO steht. Menschenrechte, Klimapolitik, Gleichberechtigung – alles Schlüsselanliegen der UNO – sind ihm egal. Genauso wie den USA.
Die UNO hat bereits viel Kraft und Einfluss verloren. Mit einem Generalsekretär Orban verlöre sie ausserdem vielerorts jeden Respekt.
Es geht um das Schicksal der UNO
Trotz alledem: Ausgeschlossen ist seine Wahl nicht, wenn er die USA, China und Russland und damit die drei Grossmächte, denen er all die Jahre hofierte, hinter sich hat. Zumal diese drei weitere Länder im Sicherheitsrat auf ihren Kurs bringen können.
Das Schicksal der UNO könnte nun ganz in der Hand Grossbritanniens und Frankreichs liegen. Wagen sie es, ihr Veto gegen Orban einzulegen? Oder kuschen sie vor den Grossmächten und vor allem vor Donald Trump?
Das Amt des UNO-Generalsekretärs gilt als «unmöglichster Job der Welt». Mit Viktor Orban gäbe es dafür den «unmöglichsten Kandidaten».
Source: SRF · Fredy Gsteiger
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