Cédric Wermuth macht es wie Magdalena Martullo-Blocher
Der SP-Co-Präsident zügelt in die Stadt Luzern. Er politisiert damit künftig als Nationalrat nicht in seinem Wohnkanton, sondern weiterhin im Aargau.
27.10.2026, 16.47 Uhr
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Cédric Wermuth wird die SP künftig von seinem Wohnsitz in der Innerschweiz aus leiten.
Anthony Anex / Keystone
Die SP wird ab 2027 zur Hälfte aus dem Zentrum der Schweiz gelenkt. Der Co-Präsident Cédric Wermuth wird im kommenden Jahr von Zofingen (AG) nach Luzern ziehen, das als das Herz der Zentralschweiz gilt. Die «Aargauer Zeitung» hat am Dienstag als Erste über den Umzug berichtet, der in der politischen Schweiz offenbar für Interesse sorgt.
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Zumindest wurde Wermuth, der derzeit an einer Sitzung der Wirtschaftskommission im Bundeshaus teilnimmt, von mehreren Parlamentarierinnen und Parlamentariern auf seinen Umzug angesprochen. Dabei stand für bürgerliche Kollegen auch die Frage im Raum – wohl nicht ganz ernsthaft –, ob der Umzug in die Innerschweiz steuerliche Gründe habe. «Die Reaktionen der Ratskolleginnen und Ratskollegen waren sehr wohlwollend und verständnisvoll», sagt Wermuth.
Wermuth wird Genossenschafter
Ausschlaggebend für den Umzug sind familiäre Gründe. Seine Beziehungen zu Luzern sind seit langem eng. So ist Wermuths Frau im Kanton Luzern aufgewachsen und hat bereits früher in der Stadt gelebt. Der bisherige Wohnort Zofingen war für Wermuth ein Kompromiss, da er vor der Familiengründung in Baden gelebt hatte. Im vergangenen Sommer habe sich die Möglichkeit ergeben, in ein neues Genossenschaftsquartier zu ziehen. «Das passt auch von der Lebensform her sehr gut zu uns, so dass wir uns für den Umzug entschieden haben», sagt Wermuth.
Für den 40-Jährigen bleibt der Kanton Aargau, in dem er vor fünfzehn Jahren erstmals in den Nationalrat gewählt wurde, seine politische Heimat. Dort wird er auch bei den Nationalratswahlen 2027 antreten, nachdem ihn die SP Aargau im Frühling nominiert hat. «Ich fühle mich den Leuten verpflichtet, die ihr Vertrauen in mich gesetzt haben», erklärt Wermuth. In der Praxis werde sich für ihn nicht viel ändern. Als Co-Präsident ist er ohnehin viel in der ganzen Schweiz unterwegs.
Ein Wechsel zur SP Luzern kam für Wermuth laut eigenen Aussagen nicht infrage, obwohl er künftig in einem politisch linkeren Umfeld als Zofingen leben wird. Die Stadt Luzern hat sich in den letzten Jahren von einer liberalen Hochburg zu einem Territorium gewandelt, in dem vor allem Links-Grün das Sagen hat. Mit David Roth und Hasan Candan stellt die Stadt denn auch gleich zwei Nationalräte. Diese will Wermuth nicht konkurrenzieren. Hinzu kommt, dass Wermuth der einzige Mann der SP in der sonst ausschliesslich aus Frauen bestehenden Nationalratsdelegation der Nordwestschweiz ist.
Rechtlich gesehen stellt Wermuths Umzug kein Problem dar. Nationalrätinnen und Nationalräten ist es erlaubt, in einem anderen Kanton als ihrem Wohnsitzkanton gewählt zu werden. Gemäss der Bundesverfassung sind alle Stimmberechtigten in den Nationalrat wählbar. Beim Ständerat regelt hingegen der Kanton die Wohnsitzpflicht.
Bekanntes SP-Vorbild
Ein prominentes Beispiel für ein Parlamentsmitglied, das nicht in seinem Wohnkanton gewählt wurde, gibt es im Nationalrat: Magdalena Martullo-Blocher. Die SVP-Politikerin sitzt seit 2015 für den Kanton Graubünden im Nationalrat. Zwar hat die von ihr geleitete Ems-Chemie dort ihren Sitz, Martullo-Blocher lebt jedoch in Feldmeilen im Kanton Zürich.
Tim Guldimann (SP) wurde 2015 sogar als Auslandschweizer mit Wohnsitz in Berlin für Zürich in den Nationalrat gewählt. In seinem Spezialfall erwies sich die Distanz zwischen Wohnort und politischem Wirkungsort als zu gross, so dass der ehemalige Diplomat nach nur drei Jahren wieder zurücktrat.
Martullo-Blocher dürfte Wermuth von der politischen Ausrichtung her nicht als Vorbild dienen. Er kann sich jedoch auf eine linke Ikone berufen, die im Verlauf ihrer Karriere ebenfalls den Wohnort gewechselt hat. Andreas Gross, der Gründer der Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA), vertrat 25 Jahre lang den Kanton Zürich im Nationalrat, obwohl er gegen Ende seiner politischen Laufbahn im Kanton Jura wohnte.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Erich Aschwanden
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