Brotkäfer im Museum Insekten bedrohen einzigartige Genfer Sammlung

Im Naturhistorischen Museum Genf hat sich der Brotkäfer eingenistet. Nun läuft eine aufwendige Rettungsaktion. Die Insekten bedrohen Tausende präparierte Tiere und zwingen das Museum zu einer jahrelangen und kostspieligen Sanierung.

07.11.2026, 18:45

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Im Naturhistorischen Museum Genf bedrohen winzige Insekten die einzigartige Sammlung an präparierten Tieren. Der kleine Brotkäfer (Stegobium paniceum) ernährt sich von Federn, Haaren oder anderem organischem Material. Ein naturhistorisches Museum ist für ihn also ein Schlaraffenland.

Legende: Vor und nach dem Befall: eine Museumsmitarbeiterin mit einem beschädigten Präparat. RTS

«Irgendwann müssen ein oder mehrere Insekten hereingekommen sein und ihre Eier gelegt haben», sagt Alice Cibois, die Chefkonservatorin des Museums, im Westschweizer Fernsehen RTS. «Die Bedingungen hier sind ideal mit den warmen und dunklen Gängen.»

Seit der ersten Meldung des Schädlings im September 2025 ist höchste Alarmbereitschaft angesagt. «Wir haben Insektenfallen, mit denen wir sehen, ob der Befall noch andauert», sagt die Konservatorin Delphine Rubin, die für die Entwesung zuständig ist, also die Schädlingsbekämpfung.

Das Museum hat ein Prozedere eingeleitet, um den Schädling loszuwerden: Fast tausend präparierte Tiere werden in einen gesicherten Raum ausserhalb des Museums gebracht. An diesem geheim gehaltenen Ort versuchen die Präparatoren, die Insekten zu neutralisieren, ohne die ausgestopften Tiere zu beschädigen.

Die Konservatorin zeigt, wie der Käfer bekämpft wird:

Die Methode dabei: Anoxie. Ab Februar wird eine riesige luftdichte Plastikblase aufgestellt und thermisch verschweisst. Während fünf Wochen wird dort der Sauerstoff vollständig entzogen, um die Brotkäfer zu ersticken.

Kostenpunkt: 30 Millionen

Die Entwesungsaktion ist in Genf einzigartig und wird 30 Millionen Franken kosten. Das gesamte Personal ist mobilisiert. Was auf dem Spiel steht, ist für das Museum klar: «Wir haben in unseren Sammlungen international ganz einzigartige Stücke, und sie erfordern unsere volle Aufmerksamkeit», sagt Nelly Cauliez, Beraterin für Denkmalpflege der Stadt Genf.

Legende: Jetzt müssen Vitrinen ausgeräumt werden, die teilweise seit Jahrzehnten nicht geöffnet wurden. RTS

Die Lager sowie zwei Stockwerke des Museums sind weniger betroffen. Stark befallen ist hingegen die Sammlung der Schweizer Fauna. Dort muss alles sorgfältig ausgeräumt werden. Manche der Vitrinen wurden seit den 1960er Jahren nicht mehr geöffnet.

Das Museum wird 2028 teilweise wiedereröffnen, vollständig erst 2036. Man ist bemüht, das Risiko eines Schädlingsbefalls in Zukunft zu begrenzen. «Dank chemischer Techniken, die die Materialien für die Insekten ungeniessbar machen, werden unsere Vitrinen überhaupt nicht mehr appetitlich sein», sagt die Chefkonservatorin Alice Cibois.

RTS 19h30, 4.11.2026, 19:30 Uhr;weds

Source: SRF · Céline Argento / RTS

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