Brennende Barrikaden, demolierte Scheiben, beissender Rauch: Die Zürcher Langstrasse erlebt die befürchtete Nacht der Krawalle

Im Zürcher Kreis 4 kommt es zu Protesten und Randale. Container und E-Bikes gehen in Flammen auf, Schaufenster werden eingeschlagen. Die Partynacht geht trotzdem weiter.

01.11.2026, 01.21 Uhr

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Aktualisiert


An der Langstrasse steckten Krawallanten Barrikaden in Brand, die Polizei setzte Wasserwerfer ein.

An der Langstrasse steckten Krawallanten Barrikaden in Brand, die Polizei setzte Wasserwerfer ein.

Christian Beutler / KEYSTONE

Vermummte, Maskierte, verkleidete Menschen auf der Strasse, bunte und schwarze Pyrofackeln im Nachthimmel: Die Proteste, die sich unter der Woche in Zürich angekündigt hatten, sind losgebrochen. Auf der Langstrasse Ecke Dienerstrasse hatten sich nach 22 Uhr mehrere hundert Menschen versammelt. Palästinensische Fahnen wurden geschwungen, Feuerwerk wurde gezündet. Böller detonierten. Lautsprecher heizten den Menschen mit dröhnenden Beats ein. Noch herrschte Partystimmung. Für Autos gab es kein Durchkommen mehr.

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Auch Abfallkübel brannten lichterloh.

Auch Abfallkübel brannten lichterloh.

NZZ

«Siamo tutti antifascisti!», skandierten die Vermummten. Der Ton der linken Veranstaltung war gesetzt.

Eine knappe Stunde später, auf der Höhe des Helvetiaplatzes, kippt die Stimmung. Ein maskierter Mann versucht, die Überwachungskamera einer VBZ-Haltestelle zu zertrümmern. Container, E-Bikes und E-Trottis werden herangeschleppt, Glasflaschen zersplittern. Dann gehen die Strassenbarrikaden in Flammen auf.

Die Krawallanten scheinen sich am Helvetiaplatz verbarrikadieren zu wollen. Um 23 Uhr 30 brennen mehrere Feuer auf den Strassen.

Dann sind erste Sirenen zu hören. Von zwei Seiten rücken Wasserwerfer der Stadtpolizei heran. Die Fahrzeuge werden mit Feuerwerksraketen beschossen. Die Wasserwerfer antworten mit Wasser. Mehrere Polizeitrupps in Schutzmontur versuchen, das «Publikum» von den brennenden Containern und den Vermummten dahinter fernzuhalten: Die «Zuschauer» auf dem Helvetiaplatz nehmen das Geschehen zwischen Polizei und Krawallanten ruhig, zum Teil fast amüsiert zur Kenntnis.

Die Proteste standen unter dem Motto «On en a marre – en Suisse aussi».

Die Proteste standen unter dem Motto «On en a marre – en Suisse aussi».

Christian Beutler / KEYSTONE

Brenzlig wird es für viele Partygänger erst, als plötzlich reizende Gase in Mund, Nase und Augen zu brennen beginnen. Vermutlich ist es Tränengas. Der Rauch könnte aber auch von den Batterien der E-Bikes und E-Trottis stammen, die in den Barrikaden der Langstrasse dahinschmelzen. Beissende Schwaden hängen bis zum Stauffacher in der Luft. Die Strassen beim Helvetiaplatz sind mit Glasscherben übersät.

Doch das Nachtleben zu Halloween geht weiter. Verkleidete und nicht Verkleidete stehen in aller Ruhe vor der Kanzlei an. Neben ihnen blinken Sirenen, die Polizisten haben sich für eine Lagebesprechung zu ihren Mannschaftswagen zurückgezogen.

In der Langstrasse brennt eine weitere Barrikade. Das «Rezept» der Randalierer auch hier: E-Bikes und E-Trottis heranschleppen, dazu Spanplatten und Abfall aus Kübeln und Züri-Säcken. Und dann alles anzünden. Ein junger Mann mit einem Bier in der Hand sagt: «Die armen Scooter. Mit einem solchen hätte ich heimfahren wollen!» Dann muss er laut lachen.

Der Kollerhof hinter ihm wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Glastür des Kreisgebäudes an der Hohlstrasse wurde zertrümmert und besprayt. Schaufenster der Coop-Filiale im gleichen Gebäude wurden eingeschlagen – genau hinter der Brotabteilung. Das war ein gefundenes Fressen für die Krawallanten, wie mehrere Brötchen auf der Strasse nahelegen. Die Scheiben einer Galerie und eines Schuhgeschäfts wurden ebenfalls beschädigt.

Die Botschaft, die die Krawallanten per Graffiti hinterlassen haben: «Fuck the rich!» Dann folgte das übliche Katz-und-Maus-Spiel gegen die Polizei: Ganz in Schwarz gekleidete junge Männer bewerfen die Polizisten mit Böllern – und rennen schnell wieder weg. So geht das stundenlang. Und das Partyvolk schaut zu.

Vergangene Woche hatten Linksradikale auf Instagram und anderen Plattformen zu Protesten in Zürich aufgerufen. «All in K4», lautete die Botschaft an die Anhänger einer gewaltbereiten Szene. Denn: «Die Welt brennt – Züri pennt? Alle auf die Strasse!»

Einige Demonstranten schossen Feuerwerkskörper ab.

Einige Demonstranten schossen Feuerwerkskörper ab.

Christian Beutler / KEYSTONE

Und überhaupt: «On en a marre». Das hatten Schüler, Studenten und Gewerkschafter in Frankreich ebenfalls skandiert, bevor deren Massenkundgebungen von Krawallanten, Brandstiftern sowie Plünderern gekapert wurden und Bilder blinder Zerstörungswut um die Welt gingen.

In anderen Aufrufen waren Follower aufgefordert worden, Schutzbrillen mitzubringen. Videos von früheren Krawallen in der Stadt wurden ebenfalls verschickt.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Robin Schwarzenbach

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