Beute aus Bancomat-Raub Zwei Kisten voller Banknoten – ein Leben voller Schicksalsschläge
Elf geknackte Bancomaten, 1.3 Millionen Franken Beute und eine junge Mutter, die plötzlich mehr weiss, als ihr lieb ist: Der spektakuläre Coup von 1993 in der Innerschweiz ist nur ein Kapitel im aussergewöhnlichen Leben von Maria Minutella.
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21.10.2026, 15:43
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Das Leben kann unerwartete Haken schlagen. Maria Minutella war gerade Mutter einer drei Monate alten Tochter geworden, als ihr Partner sie eines Morgens weckte und fragte: «Möchtest du einmal 1.3 Millionen Franken in kleinen Scheinen sehen?» Ihre Antwort: «Wie bitte?»
Ihr Partner, der Vater des Kindes, hatte in der Nacht zuvor mehrere Bancomaten geknackt. «Da läuft es dir kalt den Rücken hinunter», erzählt Maria Minutella. Die Scheine füllten zwei grosse Kartonkisten.
In diesem Moment wurde Minutella bewusst: «Ich bin die Einzige auf der Welt, die weiss, wer es gewesen ist.» Fernsehberichte machten den Fall landesweit zum Thema. Panik machte sich breit, sie funktionierte nur noch. «Ich glaube, jeder wäre überfordert mit dieser Situation», sagt sie rückblickend.
Sie drängte ihren Partner dazu, das Geld zurückzugeben. Um keine DNA-Spuren zu hinterlassen, stopfte er die Noten in die Waschmaschine. «Wir haben buchstäblich Geld gewaschen.» Anschliessend brachte er die Beute in Plastiksäcken in ein Schliessfach und schickte der Polizei den Schlüssel.
Erst, als das Geld gefunden wurde, fiel die Anspannung von Maria Minutella ab: «Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.» Den Dorfbewohnern, die sie danach gemieden hätten, habe sie inzwischen verziehen.
Auf Anraten ihres Anwalts heiratete das Paar. Mit Kind und fester Beziehung hätte er bessere Chancen auf eine bedingte Strafe, hiess es. Die Vermutung bewahrheitete sich. Bis sich das Paar Jahre später trennte, hatte es vier Kinder.
Die Frau hinter den Schlagzeilen
Trotz dieser aussergewöhnlichen Episode definiert sich Maria Minutella nicht über den Bancomat-Fall. Vielmehr über die Familie und das Theater.
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Bild 1 von 3. Maria Minutella ist in einer Grossfamilie aufgewachsen, hat heute selbst sechs Kinder und ist sechsfache Grossmutter. Bildquelle: zVg.
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Bild 2 von 3. Ein Teil der Grossfamilie von Maria Minutella mit Kindern und Enkelkindern. Bildquelle: zVg.
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Bild 3 von 3. Maria Minutella leitet auch eine Waldspielgruppe. Bildquelle: zVg.
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Ende der 1980er-Jahre lancierte sie in Stans eine Märchenbühne und später einen Märchenbus. Für sie sind Märchen weit mehr als Unterhaltung.
Man kann den Kindern Emotionen nicht beibringen, Emotionen müssen sie erleben.
Märchen zeigen Kindern, dass Angst, Trauer und Konflikte zum Leben gehören – und dass sich schwierige Situationen überwinden lassen. «Man kann den Kindern Emotionen nicht beibringen, Emotionen müssen sie erleben.» Sie weiss, wovon sie spricht, denn negative Emotionen erfuhr sie als Kind im wahren Leben.
Der Schicksalstag von Stans
1968 war die Familie zur falschen Zeit am falschen Ort: Die elfjährige Maria stand neben ihrer Mutter im Garten des neu bezogenen Hauses, als Schüsse fielen. Dabei wurde ihre Mutter schwer verletzt und verlor ihr neuntes Kind, mit dem sie schwanger war.
Meine Erinnerung ist Blut, überall Blut, Blut, Blut.
Die Schwester überlebte einen Kopfschuss, und ein Bruder kam mit einem Streifschuss an der Hand davon. «Ich wusste nicht, wer noch lebt von meiner Familie», sagt Maria Minutella. «Meine Erinnerung ist Blut, überall Blut, Blut, Blut.» Die acht Kinder im Alter zwischen zwei und elf Jahren wurden anschliessend bei Verwandten untergebracht.
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Bild 1 von 4. Am Samstagnachmittag des 4. Mai 1968 verschanzte sich ein 23-jähriger Mann in einem Stall in Ennetmoos. Der Amokschütze schoss wahllos auf Leute, die sich in ihren Gärten im Quartier St. Josef in Stans aufhielten. Die Familie von Maria Minutella traf der Kugelhagel besonders. Bildquelle: zVg.
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Bild 2 von 4. Die Mutter von Maria Minutella überlebte das Attentat nur, weil eine Nachbarin, die Pflegerin im Spital war, rasch Hilfe anfordern konnte. Der Amokschütze traf die kleine Schwester am Kopf. Bildquelle: zVg.
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Bild 3 von 4. Die Familie Leuthold, in die Maria Minutella hineingeboren wurde, ist gross. Für sie sei die Familie auch Heimat. Untergegangen sei die kleine Maria nie, mit sechs Brüdern. Bildquelle: zVg.
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Bild 4 von 4. Maria Minutella war das zweite von acht Kindern. «Wir durften nie mit zu Familienfesten.» Sie seien zu viele gewesen. Autos, in denen alle Platz gehabt hätten, gab es damals noch nicht, erzählt die zweitälteste der Kinderschar. Bildquelle: zVg.
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Besonders belastend sei das Schweigen nach der Tat gewesen. Niemand habe mit den Kindern über das Erlebte gesprochen. Unterstützung durch Behörden habe es keine gegeben. Erst Jahre später setzte sich Minutella intensiv mit dem Ereignis auseinander. Dabei wurde ihr bewusst, wie stark der Amoklauf das Leben der ganzen Familie geprägt hatte.
Maria Minutella blickte stets nach vorne. Daraus entstanden die Märchenbühne, der Märchenbus und ihr Engagement für Kinder. Ihre Geschichte zeigt: Krisen prägen ein Leben, müssen es aber nicht bestimmen.
Radio SRF 1, 18.10.2026, 10 Uhr
Source: SRF · Karin Rüfli
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