Mystil wirbt mit «Schweizer Qualität» und «orthopädischen» Betten. Kunden fühlen sich getäuscht.

28.10.2026, 07:44

Teilen

René Stuber stiess über Facebook auf ein attraktives Angebot des Betten-Shops Mystil: ein neues Bett, regulärer Preis knapp 8000 Franken, jetzt in Aktion für knapp 3000 Franken. Es soll ein «orthopädisches» Bett sein mit einem Lattenrost aus Hartholz.

«Extrem stabil» soll es auch sein: belastbar «bis 800 Kilo». Und das Holz soll aus der Schweiz stammen. Doch vom gelieferten Bett ist er herb enttäuscht: «Das Bett hatte keinen Lattenrost, sondern nur ein Metallgestell mit dünnen Röhrchen und zwei Spanholzplatten», erklärt René Stuber.

Werbeversprechen halten Realität nicht stand

Nach ein paar Wochen knickt das ganze Bettgestell ein. Er reparierte das Bett mit einer Holzkonstruktion. Um gegen Mystil vorzugehen, lässt er das Bett von einem Schreiner begutachten. Dieser kommt zum Schluss: Das Bettgestell ist viel zu schwach, und von «Hartholz» könne keine Rede sein, es handle sich um billige Spanplatten.

Anfang Bildergalerie

Bildergalerie überspringen

  • Bild 1 von 2. Dieses Bett von Mystil soll einen Lattenrost enthalten. Es wurde aber ohne Lattenrost geliefert. Bildquelle: Mystil.ch.

  • Bild 2 von 2. Nach kurzer Zeit knickte das Bettgestell ein. Bildquelle: zVg.

Ende der Bildergalerie

Zurück zum Anfang der Bildergalerie.

Mystil schreibt dem «Kassensturz», dass keine falschen Versprechen gemacht worden seien. Bezüglich Lattentrost würde ein «Missverständnis» vorliegen, und: «Dass falsche Angaben zu den verwendeten Materialien verbreitet werden, wird bestritten. Sollte dies erfolgt sein, handelt es sich dabei um ein Versehen, das korrigiert worden ist.»

Hinter Mystil steht die Firma KMI GmbH. Laut Handelsregister hat die Firma ihren Sitz in Winterthur. Als sich «Kassensturz» vor Ort umsieht, ist nur ein Briefkasten zu finden, jedoch keine Klingel oder Büroräumlichkeiten.

Auf der Webseite von Mystil sind die Angaben zum Sitz der Firma widersprüchlich: Laut dem Impressum hat die Firma ihren Sitz in Winterthur, an einer anderen Stelle heisst es, der Firmensitz sei in Regensdorf.

Auf Anfrage will der Geschäftsführer zuerst keine Angaben dazu machen, wo der Sitz der Firma tatsächlich ist. In einem weiteren Schreiben heisst es dann, dass geplant sei, den Firmensitz «von Regensdorf nach Winterthur zu verlegen».

In Regensdorf betreibt Mystil einen «Showroom». Ein Besuch zeigte: Mehrere Betten sind in einem Raum ausgestellt. Mitarbeitende waren zu diesem Zeitpunkt keine anzutreffen.

Anita und Renato Mitra stiessen über Facebook auf Mystil und kauften ein Bett für knapp 3000 Franken. «Schweizer Qualität», «111 Tage testen» und dass es ein «orthopädisches» Bett sei, gaben den Ausschlag. Doch der erste Liefertermin wurde von Mystil kurzfristig abgesagt, es folgte ein zweiter «definitiver» Termin. Doch auch dann wurde das Bett nicht geliefert. Sie kommen über Wochen mit der Firma nicht weiter.

Nach knapp drei Monaten reisst ihr Geduldsfaden, das Paar hat kein Vertrauen mehr in die Firma, löst den Kaufvertrag auf und fordert die knapp 3000 Franken zurück, bisher aber erfolglos. «Das ist einfach unter aller Sau. Die haben uns über den Tisch gezogen», sagt Renato Mitra. Seine Frau ergänzt: «So geht man nicht mit Kunden um!»

Mystil korrigiert umstrittene Angaben

Mystil schreibt zum Fall, dass die Kommunikation «nicht optimal erfolgt» sei, und bittet um Verzeihung. Das Bett sei seit Längerem «lieferbereit». Doch Mitras wollen nicht das Bett, sondern das Geld. Auf diese Forderung geht Mystil gegenüber «Kassensturz» nicht ein. René Stuber und Mitras sind keine Einzelfälle. «Kassensturz» hat Kenntnis von sechs Fällen unzufriedener Kunden.

Mystil hält fest, dass der Kundendienst verbessert worden sei und Werbeversprechen wie auch die Kommunikation überprüft würden. Tatsächlich veränderte Mystil die Website nach der Anfrage von «Kassensturz»: Plötzlich ist keine Rede mehr von «Schweizer Traditionsunternehmen» oder «Schweizer Holz», jetzt werden die Betten «in der Türkei» hergestellt. Mystil möchte alle gemeldeten Fälle intern aufarbeiten, um in Zukunft eine «umfassende professionelle Abwicklung» sicherstellen zu können.

René Stuber verlangte für die Schäden und Aufwände 1200 Franken von Mystil. Nach langem Hin und Her erhielt er 1000 Franken zurück.

SRF 1, Kassensturz, 26.10.2026, 21:10 Uhr

Source: SRF · Christof Schneider

At a glance

Topic
World
Country
🇨🇭 CH
Publisher language
DE
Added to Allnira