Belastung durch den Ukraine-Krieg, Trennung, Anfeindungen – das laute Echo auf Gaël Monfils’ stillen Abschied
Der 40-Jährige wollte seine Tenniskarriere diese Woche beim Paris Masters mit einem letzten Match beenden. Doch dann kam die Trennung von seiner Ehefrau Elina Switolina.
04.11.2026, 10.00 Uhr
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Ende August noch gemeinsam auf dem Court: Gaël Monfils und Elina Switolina vor ihrem Mixed-Halbfinal am US Open 2026.
Eduardo Munoz / Reuters
«Une carrière extraordinaire! Vous êtes prêts?», ruft der Stadionsprecher. Dann wird die Karriere des französischen Tennisspielers Gaël Monfils in Zahlen vermessen: 588 Siege, 13 ATP-Titel, einstige Nummer 6 der Welt, zwei Major-Halbfinals, drei Masters-1000-Finals.
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Unter tosendem Applaus betritt der 40-Jährige am Dienstagabend den Centre-Court der Plenitude Arena in Nanterre bei Paris. Auf der Tribüne hängt ein riesiges Transparent: «Merci Gaël». Fangesänge und Jubel lassen Monfils bei seiner Rede kaum zu Wort kommen.
Es ist eine würdige Hommage – mit schalem Beigeschmack.
Denn Monfils hatte sich einen anderen Abschied gewünscht: ein letzter Match am Paris Masters, vor seinem Heimpublikum. Ein letztes Mal Monfils-Magic auf dem Court: Er rutschte, hechtete, retournierte fast unmögliche Bälle – und tanzte nach Siegen. «Sliderman» nannten ihn die Fans. Seine Popularität ging weit über seinen Palmarès hinaus.
Das Pariser Publikum trug ihn besonders. In Bercy zwang er 2009 Novak Djokovic nach grossem Comeback im Final noch in den Entscheidungssatz, ein Jahr später wehrte er im Halbfinal gegen Roger Federer fünf Matchbälle ab und bezwang ihn erstmals.
Paris sollte nach mehr als zwei Jahrzehnten der Schlusspunkt seiner Karriere sein. Im Oktober 2025 hatte Monfils angekündigt, 2026 werde seine letzte Saison sein. Doch das Ende kam klammheimlich mit einem administrativen Eintrag.
Ein stiller Rücktritt wird zum öffentlichen Drama
Der Name von Gaël Monfils stand seit dem 5. Oktober auf der Rücktrittsliste der International Tennis Integrity Agency (Itia), die unter anderem das Anti-Doping-Programm des Profitennis überwacht. Erst neun Tage später machte es «L’Équipe» publik, als die Itia den Rücktritt auf Nachfrage bestätigte. Das ATP-250-Turnier in Lyon meldete kurz darauf Monfils’ Absage aus «persönlichen Gründen».
Monfils selbst schwieg – und nährte damit die Spekulationen. Statt Monfils trat schliesslich seine Partnerin, die ukrainische Tennisspielerin Elina Switolina, an die Öffentlichkeit. «Das ist das Schwierigste, was ich je mitteilen musste», begann sie ihre Nachricht auf Instagram.
Zunächst klangen die Zeilen der 32-Jährigen wie eine eigene Rücktrittserklärung. Switolina schrieb über den Krieg in ihrer Heimat und die Veränderungen, die die letzten Jahre mit sich gebracht hätten. Doch die überraschende Quintessenz: Ihre Ehe mit Monfils war zu Ende.
Fast acht Jahre lang waren Switolina und Monfils ein Paar, machten ihre Beziehung selbst zum Teil ihrer öffentlichen Identität. Auf dem Instagram-Account «G. E. M. S. Life» zeigten sie sich als Tennistraumpaar, 2021 heirateten sie, 2022 kam ihre Tochter Skaï zur Welt. Noch Ende August erreichten sie gemeinsam den Mixed-Halbfinal am US Open. «Happy wife, happy life», scherzte Monfils dort nach einem Sieg. Wenige Tage später schied er in der zweiten Runde im Einzel aus. Es sollte sein letzter kompetitiver Match bleiben.
Laut «L’Équipe» teilte Switolina Monfils Ende September telefonisch mit, dass sie die Ehe beenden wolle. Er war in Dubai mit der Tochter, sie in China auf Tour. Wenige Tage später meldete Monfils den Rücktritt.
Switolina und die Last des Krieges
In ihrer Erklärung schrieb Switolina, Monfils habe sie durch Jahre des Krieges getragen, die von Angst, schlaflosen Nächten und Zweifeln geprägt gewesen seien. «Was ich selten erzählt habe, ist, was der Krieg mit mir innerlich gemacht hat», schrieb sie.
Seit dem russischen Angriffskrieg zeigt Switolina ihre Unterstützung für die Ukraine auf und neben dem Court. Sie engagiert sich als Botschafterin von United 24, der von Präsident Wolodimir Selenski initiierten Spendenplattform. Sie verweigert russischen und weissrussischen Spielerinnen den Handschlag. Nach ihrem Sieg gegen Viktoria Asarenka in Wimbledon 2023 sagte sie, solche Matches bedeuteten zusätzlichen Druck: Sie wolle ihrer Heimat wenigstens einen «kleinen Sieg» schenken.
Elina Switolina jubelt nach ihrem Sieg gegen Jasmine Paolini im Billie Jean King Cup.
Tingshu Wang / Reuters
Im September 2025 beendete Switolina ihre Saison vorzeitig: «Ich habe mich in letzter Zeit nicht wie ich selbst gefühlt», erklärte sie. In ihrem Statement zur Trennung schrieb sie nun, sie müsse einen Weg zurück zu sich finden – und könne dies innerhalb ihrer Ehe nicht.
Weil das Paar sein gemeinsames Leben stets öffentlich geteilt hatte, wurde die Trennung nun ebenso öffentlich in den sozialen Netzwerken seziert. Einer der Vorwürfe: Switolina sei eine Narzisstin, die den Krieg als Vorwand missbrauche. Eine Frau, die ihrem Mann den Abschied in seiner Heimatstadt verdorben habe. Warum beendet sie die Ehe mit einem Mann, den sie selbst als ihre grösste Stütze beschreibt? Hätte sie nicht wenigstens bis nach seinem letzten Match warten können?
Die Ukrainerin sah sich zu einer weiteren Erklärung gezwungen. Der Krieg habe ihre Werte, ihre Prioritäten und ihren Blick auf das eigene Leben verändert, doch die Gründe für das Ende der Ehe seien vielschichtiger – und gehörten nicht in die Öffentlichkeit.
Monfils habe sich nicht mehr auf dem Court gesehen
Aufgrund der Online-Hetze gegen Switolina brach schliesslich auch Monfils sein Schweigen. Die Reaktionen auf sie seien «bestenfalls unhöflich, schlimmstenfalls bösartig» gewesen, schrieb er. Niemand könne wissen, was sich innerhalb einer Beziehung «hinter dem Vorhang» abspiele. Switolina schulde der Öffentlichkeit keine Rechtfertigung.
In einem Livestream auf der Plattform Twitch erklärte sich Monfils dann noch ein wenig ausführlicher. «Meine Trennung von Elina hat mir als Menschen sehr weh getan», sagte er. Er habe nicht richtig trainieren können, schlechter gegessen und sei psychisch nicht auf der Höhe gewesen. In der Verfassung habe er sich nicht mehr auf dem Court gesehen. Wie der Rücktritt an die Öffentlichkeit geriet, bedauere er: «So wollte ich es euch nicht sagen.» Das Täter-Opfer-Narrativ wies er zurück: Switolina habe ihn früher zum Weitermachen bewegt, als er schon ans Aufhören gedacht habe.
An der Abschiedszeremonie am Dienstagabend sagt Monfils dazu: «Die letzten Wochen waren hart für mich.» Cédric Pioline, der Direktor des Paris Masters, und Gilles Moretton, der Präsident des französischen Tennisverbands FFT, hätten ihn dazu bewogen, doch noch persönlich Abschied zu nehmen. Er dankt ihnen, seinen Trainern, Betreuern und Eltern. Besonders persönlich wird er, als er zu seiner Tochter Skaï spricht.
Der 3. November sei für ihre Familie ein besonderes Datum, sagt Monfils: Genau acht Jahre zuvor habe seine Beziehung mit Switolina begonnen.
Die Abschieds-Show von Gaël Monfils: Der Publikumsliebling lässt sich in Nanterre bei Paris ein letztes Mal von den Fans feiern.
Benoit Tessier / Reuters
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Niels Bossert
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