Wie erwartet waren die Abschlussverhandlungen der diesjährigen UNO-Artenschutzkonferenz in Armenien ein zäher Marathon. Er dauerte knapp 12 Stunden. Mehrmals sah es so aus, also würde keine Einigung zustande kommen. Doch scheitern – wie vor zwei Jahren in Kolumbien – das wollte niemand.

Der wohl wichtigste Beschluss der Nacht: die offizielle Anerkennung, dass die Welt nicht auf Kurs ist. Wenn sie so weitermacht, dann wird sie die Ziele verfehlen, die sie sich bis 2030 gesteckt hat. Der globale Zwischenbericht, der kurz vor der Konferenz veröffentlicht wurde, hatte die Defizite schonungslos offengelegt.

Überraschender Erfolg beim Thema Subventionen

Und nun in Armenien haben die Länder eine Antwort darauf gefunden: Es gibt konkrete Aufforderungen und Empfehlungen dazu, wie die Umsetzung beschleunigt werden soll. Und zwar auch zu einem der höchst politischen Themen: den Subventionen, etwa für Verkehr oder Landwirtschaft, die der Artenvielfalt schaden. Sie sollen identifiziert, reduziert und umgemünzt werden. Es ist der Bereich, bei dem die Länder bisher am wenigsten vorangekommen sind – und manche würden am liebsten überhaupt nicht darüber sprechen.

In Eriwan aber bekam dieses unliebsame Thema Aufmerksamkeit. Drei Initiativen zum Abbau schädlicher Subventionen wurden ins Lebens gerufen. Es ist der wohl überraschendste Erfolg der diesjährigen Konferenz.

Bei der Frage, wer für den Naturschutz bezahlen soll, verharren die Staaten jedoch in bekannten Mustern: Die Liste der Geld-Geberstaaten, die es seit 1992 gibt, bleibt vorerst unverändert. Es ist nicht gelungen grosse Schwellenländer wie etwa China mit an Bord zu holen.

Auch zwei in Kolumbien gefeierte Erfolge warten weiterhin darauf mit Leben gefüllt zu werden. So ist ungelöst, wie Indigene und lokale Gemeinschaften mitentscheiden dürfen. Und auch der Cali-Fonds, in den Pharma-, Agrar- und Biotechnologie-Unternehmen freiwillig einzahlen sollen, dürfte sich so rasch nicht füllen. Zu verhärtet sind die Positionen.

Wissenschaft unter Beschuss

Eine vorerst gute Wendung hingegen nahm die Debatte um die wissenschaftlichen Berichte des Weltbiodiversitätsrats. Viele Länder wollten die wissenschaftlichen Fakten erst nicht anerkennen. Nach langwierigen Diskussionen waren sie dann aber doch bereit dazu. Die Kontroverse, die man von den Klimakonferenzen kennt, hat damit endgültig auch die Artenschutzverhandlungen erreicht.

In der Summe bleibt für die Staaten weiterhin viel zu tun. Und die eigentliche Bewährungsprobe beginnt erst jetzt nach der Konferenz. Nämlich den beschlossenen Fahrplan aus den Verhandlungsräumen in Eriwan nach Hause zu tragen. Und dort auch wirklich umzusetzen. Viel Zeit bleibt dafür bis 2030 aber nicht mehr.

Felicitas Erzinger

Wissenschaftsredaktorin

Felicitas Erzinger arbeitet seit 2022 für die SRF-Wissenschaftsredaktion. Sie hat Umweltwissenschaften studiert und einen Doktortitel in Biologie.

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Source: SRF · Eine Analyse von Felicitas Erzinger

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