Apples neuer CEO kann feiern – doch wie lange noch?

Der iPhone-Konzern feiert das erfolgreichste Jahr seiner Geschichte. Doch Probleme bei Speicherchips und KI dürften ihm bald zusetzen.

03.11.2026, 02.54 Uhr

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John Ternus stellte in Los Angeles Ende Oktober neue Apple-Produkte vor, darunter das faltbare iPhone Duo.

John Ternus stellte in Los Angeles Ende Oktober neue Apple-Produkte vor, darunter das faltbare iPhone Duo.

Chris Torres/ Keystone

Zum ersten Mal seit seinem Start an der Spitze des Apple-Konzerns vor zwei Monaten hat sich der neue CEO John Ternus am Montag den Fragen von Investoren gestellt. Bei der Präsentation der Quartals- und Jahreszahlen hatte er ihnen erfreuliche Nachrichten mitgebracht: Apple verzeichnete zwischen Juli und August einen Umsatz von 114,5 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 30,7 Milliarden Dollar – beides stolze 12 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Das übertraf die Erwartungen.

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Auf das Fiskaljahr hochgerechnet, das bei Apple jeweils bis Ende September läuft, konnte Ternus damit das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte verkünden, mit einem Umsatz von fast einer halben Billion Dollar und einem Gewinn von 132 Milliarden Dollar.

Noch dazu hatte Apple am Montag den Titel der wertvollsten Firma der Welt wieder ergattert, nachdem die Aktien von Nvidia deutlich verloren hatten. Apple ist an den Märkten zurzeit knapp 5 Billionen Dollar wert.

Die Zollrückzahlungen der Trump-Regierung halfen Apple

Die Zahlen sind insofern überraschend, als der damalige CEO Tim Cook noch vor drei Monaten vor sinkenden Gewinnen und Umsätzen gewarnt hatte. Denn bereits damals zeichnete sich ein grösseres Problem für Apple, ja für die gesamte Tech-Industrie ab: die steigenden Kosten für Speicherchips. Bei Apple kamen zudem Lieferengpässe bei bestimmten Komponenten hinzu.

Doch zumindest im zurückliegenden Quartal konnten die Folgen dessen abgefedert werden. Schützenhilfe bekam Apple von der amerikanischen Regierung: Diese muss nach einem Gerichtsurteil die Zölle zurückzahlen, die sie Herstellern auf den Import bestimmter Produkte berechnet hatte. Gemäss Apple machten diese Rückerstattungen die Ausgaben für höhere Speicherkosten wett.

Für die kommenden Quartale kann Apple aber nicht mehr auf diesen Effekt hoffen: Man habe den Löwenanteil der Rückerstattungen nun erhalten, teilte die Firma mit. Der Mangel an Speicherchips aber wird bestehen bleiben, weil die Rechenzentren, welche die sogenannten Hyperscaler wie Amazon und Meta aus dem Boden stampfen, enorm viele dieser Speicherchips benötigen. Apple bestätigte am Montag, dass nicht abzusehen sei, wann Angebot und Nachfrage wieder ausgeglichen sein werden.

Der Konzern versucht nun über diverse Wege, diese höheren Ausgaben für Speicherchips wettzumachen: indem die Firma etwa die Kosten für andere Komponenten drückt und indem sie die Kosten an die Konsumenten weitergibt. Die Preise für Mac-Computer, iPads und iPhones wurden in den vergangenen Monaten deutlich erhöht. Oder indem Apple das bestehende Inventar an Speicherchips leer räumt in der Hoffnung, dass sich das Problem früher als später lösen wird.

Die Gewinnmarge zu senken, scheint derzeit zumindest noch keine akzeptable Lösung zu sein – doch wer weiss, für wie lange noch. Ternus wies darauf hin, dass der Mangel an Speicherchips bereits im laufenden Quartal zum akuten Problem werden dürfte. Bei dem neuen faltbaren iPhone Duo, das seit dem 23. Oktober bestellt werden kann, müssen die Kunden in den USA bereits bis 2027 auf eine Lieferung warten, weil bestimmte Komponenten vergriffen sind. Eine derart lange Wartezeit ist für Apple sehr ungewöhnlich, die Firma ist eigentlich für ihre reibungslose Lieferkette bekannt.

Die Aktie fiel im nachbörslichen Handel um 4 Prozent.

Das iPhone Duo ist Apples erstes faltbares Handy.

Das iPhone Duo ist Apples erstes faltbares Handy.

Kin Cheung/Keystone

Die Dienstleistungssparte wächst auch dank Preiserhöhungen

Auch wenn dunkle Wolken über Apples Lieferkette aufziehen, so konnte Ternus doch überraschend freudige Nachrichten zu Apples Services-Sparte verkünden. Mit Dienstleistungen wie dem Streaming-Dienst Apple TV+, dem App-Store, der Plattform Apple Music und Co. hat der Konzern zuletzt so viel Geld verdient wie nie zuvor, nämlich 31,6 Milliarden Dollar (+10 Prozent).

Das erklärt sich unter anderem damit, dass Apple auch hier die Preise sowohl für den Musik- als auch den Videostreaming-Dienst erhöht hat. Die Dienstleistungen sind neben dem iPhone die wichtigste Säule von Apples Geschäft.

Die Bilanz überrascht insofern, als das Beobachter davon ausgegangen waren, dass diese Sparte bei Apple schrumpfen würde, weil Gerichtsurteile etwa die Gebühr reduziert haben, die Apple für Verkäufe in seinem App-Store erheben darf (lange 30 Prozent). Doch auch wenn Apple pro Kunde deswegen weniger Geld verdient, wächst der Pool an Kunden: Gemäss Ternus zirkulieren zurzeit 2,5 Milliarden aktive Apple-Geräte weltweit. Der CEO geht deswegen davon aus, dass diese Geschäftssparte weiterhin sehr profitabel bleiben wird.

«Siri AI» ist endlich da – doch die Nutzer müssen erst auf Wartelisten

Die guten Zahlen, die Ternus am Montag präsentieren konnte, waren das Erbe seines Vorgängers Cook. Von nun an wird er sich vor allem an der KI-Strategie des Konzerns messen lassen müssen. Konkret an Siri AI:

Das seit mehr als zweieinhalb Jahren erwartete «Siri AI» ist Apples Antwort auf Chat GPT, Claude und Co. Derzeit lanciert Apple den smarten Assistenten in ausgewählten Sprachen und Ländern – allerdings im Schneckentempo. «Siri AI» steht nur in ausgewählten Weltregionen und wenigen Sprachen in einer Beta-Version zur Verfügung. Um zu verstehen, wie man ihn im iPhone aktiviert, googelt man am besten eine Bedienungsanleitung, die Apple extra dafür geschrieben hat. Und auch dann müssen sich Nutzer erst auf eine Warteliste setzen lassen. Viele Apple-Kunden dürften noch gar nicht bemerkt haben, dass es «Siri AI» überhaupt gibt.

Die ersten Nutzerbewertungen fallen schlecht aus. Im Zeitalter von eigenständig agierenden KI-Assistenten wie Muse und Dots, die es allesamt als App für das iPhone gibt, ist das ein Problem. Apple rechtfertigt den langsamen Start des smarten Assistenten damit, dass man sichergehen wolle, dass man über genügend Rechenkapazität für alle Nutzeranfragen verfüge.

Doch Ternus wurde am Montag von mehreren Analysten mit Nachfragen zu Siri AI konfrontiert. Er gab sich selbstbewusst: Den Nutzern werde es auf den Datenschutz ankommen, und den könne nur Apple gewährleisten.

«Wir sehen das iPhone als intelligenten, persönlichen Drehpunkt: Gesundheitsdaten, Finanzdaten, all das befindet sich auf Ihrem iPhone. Siri kann auf all das zugreifen in einer Weise, wie es nicht einmal Apple kann. Das ist unser zentrales Alleinstellungsmerkmal, das wir weiterhin vorantreiben werden.» Die kommenden Monate werden zeigen, ob Ternus wie auch Siri bei diesem Versprechen tatsächlich liefern können.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Marie-Astrid Langer

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