«Angetrieben von Linksextrem»: Bei Protesten in Frankreich kommt es erneut zu Ausschreitungen

Insgesamt waren 320 000 Menschen auf den Strassen. Ein Polizist wurde durch einen Brandsatz verletzt.

Christine Longin31.10.2026, 21.22 Uhr

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Polizisten in Kampfausrüstung versuchen in Paris, ein Feuer zu löschen. Aufnahme vom Samstag, 31. Oktober.

Polizisten in Kampfausrüstung versuchen in Paris, ein Feuer zu löschen. Aufnahme vom Samstag, 31. Oktober.

Abdul Saboor / REUTERS

Am Rande der Demonstrationen von Schülern, Gelbwesten und Gewerkschaften in Frankreich ist es am Samstag erneut zu Ausschreitungen gekommen. Die Kundgebungen, an denen rund 320 000 Menschen teilnahmen, seien zwar im Grossen und Ganzen friedlich verlaufen, sagte Innenminister Laurent Nuñez am Abend. Allerdings habe es in jedem Demonstrationszug Gruppen von Randalieren und Plünderern gegeben, «viele davon angetrieben von Linksextremen». Diese Gruppen hätten mit «aussergewöhnlicher Gewalt» versucht, in die Innenstädte vorzudringen. In Paris hätten Randalierer einen Brandsatz gegen Polizisten geworfen. Fernsehbilder zeigen, wie das Bein eines Polizisten brennt.

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In den meisten Grossstädten hatten die Behörden die Demonstrationsrouten aus den Innenstädten heraus an den Stadtrand verlegt, um Plünderungen von Geschäften wie am 17. Oktober zu vermeiden. Da am Abend Halloween gefeiert wurde, erschienen einige Demonstranten verkleidet. Eine Verhüllung des Gesichts ist bei Kundgebungen in Frankreich allerdings verboten. Bei Verletzung des Verbots droht eine Geldstrafe von 150 Euro. Insgesamt wurden laut Nuñez bis 19 Uhr mehr als 400 Menschen festgenommen. Am vergangenen Samstag waren es insgesamt rund tausend gewesen. Damals hatte die Regierung 410 000 Demonstranten gezählt.

Jean-Luc Mélenchon ebenfalls anwesend

Gewerkschaften, Gelbwesten und Schülerorganisationen hatten gemeinsam zu den Kundgebungen aufgerufen, die sie als «dritten Akt» der Protestbewegung bezeichneten. Sie demonstrierten für bessere Lernbedingungen an Schulen und gegen die hohen Lebenshaltungskosten. Schüler und Studenten wollen ihre Proteste auch nach dem Ende der Herbstferien fortsetzen. Sabrine Kharbach von der Gewerkschaft Union étudiante kündigte für Dienstag neue Blockaden von Universitäten und Gymnasien an. Am Donnerstag würden sich die Schülerinnen und Schüler zudem einer landesweiten Mobilisierung der Gewerkschaften anschließen, sagte Kharbach. Die Gewerkschaften haben für diesen Tag einen Generalstreik geplant.

In Paris versammelten sich rund 70 000 Menschen. Die Organisatoren wollten ursprünglich in der Innenstadt demonstrieren, doch der Polizeipräfekt Patrice Faure hatte die Strecke an den östlichen Stadtrand zwischen der Porte de Bagnolet und der Porte de Charenton verlegt. Unter den Demonstranten war auch der Präsidentschaftskandidat der Linksaussenpartei La France insoumise (LFI), Jean-Luc Mélenchon. «Unsere Forderungen sind ein Recht», schrieb der 75-Jährige im Kurznachrichtendienst X.

70 000 Polizisten im Einsatz

In Marseille versammelten sich trotz einem Verbot rund 10 000 Menschen im Quartier des Réformés in der Nähe des Bahnhofs. In Lyon zählten die Behörden 19 000 Demonstranten, in Lille 20 000. 70 000 Polizisten waren im Einsatz, um schwere Ausschreitungen wie am 17. Oktober zu verhindern. Vermummte Krawallmacher hatten damals rund 2500 Läden verwüstet oder geplündert. Knapp tausend Polizisten, aber auch Dutzende oft minderjährige Demonstranten wurden verletzt. Berichterstatter der Uno hatten am Mittwoch die Polizeigewalt gegen Jugendliche kritisiert. «Exzessiver Einsatz von Gewalt und Festnahmen sind keine geeignete Antwort auf Sozialproteste in einem Rechtsstaat», erklärten die Experten. Die schweren Verletzungen Minderjähriger seien nicht hinnehmbar und nicht zu rechtfertigen.

Macron hatte die Schülerinnen und Schüler aufgefordert, am Montag wieder zum Unterricht zu erscheinen. «Wir haben Entscheidungen getroffen, und jetzt muss wieder Ruhe einkehren», sagte er am Mittwoch in einem Interview mit dem Youtuber Hugo Travers. Die Proteste an Frankreichs Gymnasien hatten Mitte September begonnen. Schülerinnen und Schüler forderten mehr Lehrpersonal, weniger Unterrichtsausfall und eine Renovierung der maroden Schulgebäude. Die Blockaden der Schulen waren teilweise von Gewalt begleitet.

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Source: Neue Zürcher Zeitung · Christine Longin

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