Alle sind sich in den Haaren Hochumstrittene Bignasca-Strasse in Lugano
Mehr als zehn Jahre nach seinem Tod sorgt der umstrittene Politiker weiter für Zoff in seiner Heimatstadt.
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In Lugano soll eine kleine Strasse nach dem umstrittenen früheren Politiker Giuliano Bignasca umbenannt werden. Darüber wird heftig gestritten. Tessin-Korrespondent Iwan Santoro erläutert die Sachlage.
Iwan Santoro
Tessin-Korrespondent
Iwan Santoro absolvierte den MAZ-Diplomlehrgang Journalismus und blickt auf mehr als 30 Jahre Erfahrung im Radiojournalismus zurück. 2013 stiess er zu Radio SRF 4 News und war ab 2016 in der Inlandredaktion tätig. Seit 2024 berichtet er als Korrespondent aus dem Tessin und Südbünden über politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen in der Region.
Warum diese Diskussion?
Der verstorbene Gründer der Lega dei Ticinesi, Giuliano Bignasca, war in Lugano jahrelang Stadtrat. Es sass auch viele Jahre im Nationalrat in Bern. Jetzt hat der Stadtrat von Lugano entschieden, die Via Capelli in Via Giuliano Bignasca umzubenennen. Doch das passt nicht allen. Die Gegnerinnen und Gegner wollen notfalls juristisch dagegen vorgehen.
Was stört die Gegner an der Umbenennung?
Bignasca war wohl einer der umstrittensten Tessiner Politiker, den es bisher gegeben hat. Als Lega-Gründer war er für die einen ein Held, der sich gegen die «Classe politique» wehrte, einer, der sich für den kleinen Mann und vor allem auch die Autofahrerinnen und Autofahrer einsetzte. Auf der anderen Seite war er bekannt für Ausfälligkeiten und Beleidigungen des politischen Gegners. Er war auch mehrfach verurteilt wegen Steuer- und Verkehrsdelikten oder wegen Ehrverletzungen. Darum ist Bignasca für die Gegnerinnen und Gegner dieser Ehrung nicht würdig. Eine solche sollte einer Person zukommen, die in der ganzen Bevölkerung beliebt und angesehen war, sagen sie – und das war Bignasca nicht. Der ehemalige Staatsanwalt Paolo Bernasconi etwa stellt fest, dass man manche Aussagen Bignascas heute als «Hassrede» bezeichnen würde. Bernasconi verlangt jetzt zusammen mit anderen, dass der Tessiner Regierungsrat darüber entscheiden soll, ob die Strasse nach Giuliano Bignasca benannt werden kann.
Wie sagt die Lega?
Auch für den Luganeser Lega-Gemeinderat Gian Maria Bianchetti ist klar, dass Bignasca zweifellos eine umstrittene Persönlichkeit gewesen sei. Trotzdem glaube er, dass Bignasca sehr viel bewirkt habe. Deshalb solle man seiner Meinung nach den Fokus auf den Politiker Bignasca legen, also auf den Mann, der konkret vieles für Lugano getan habe – für die Stadt, die ihm sehr am Herzen gelegen sei.
Wie wahrscheinlich ist ein Rekurs?
Der frühere Staatsanwalt Bernasconi ist ein gewiefter und sehr erfahrener Anwalt, der eigentlich weiss, ob er mit einem Erfolg rechnen kann. Aber es gibt viele Stimmen, die sagen, der Kanton habe diesbezüglich überhaupt keine Kompetenz. Andere Luganeser Politiker fordern, dass das Stadtparlament entscheiden soll. Es herrscht also grosse Uneinigkeit.
Was hätte Bignasca zur Strassenbenennung gesagt?
Grundsätzlich hätte er sich wohl über die Ehre eines Strassennamens gefreut. Aber ob er sich gerade über diesen kleinen Strassenabschnitt gefreut hätte, darf bezweifelt werden. Denn die Via Capelli ist eine relativ unbedeutende Strasse entlang des Flusses Cassarate in Lugano. Daneben gibt es einen breiten Veloweg. Und vor allem: Es ist eine Tempo-30-Zone. Und Giuliano Bignasca hat ja Zeit seines Lebens gegen Tempo-30-Zonen gekämpft.
SRF 4 News, 27.10.2026, 6:45 Uhr ; srf/bitd/snep;spic;wilh
Source: SRF · 28.10.2026, 06:55
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