Soll die Rüstungsindustrie Kriegsmaterial einfacher ins Ausland liefern dürfen? Am 29. November 2026 entscheiden die Stimmberechtigten über lockerere Exportregeln. Was exportiert die Rüstungsindustrie überhaupt? Wer kauft in der Schweiz? Und welche Trends gibt es? Ein Überblick in fünf Punkten.
Am 29. November 2026 geht es um die Frage, ob die Regeln für den Export von Kriegsmaterial gelockert werden sollen.
Konkret sollen 36 westliche Partnerländer unter Umständen auch dann Kriegsmaterial in der Schweiz kaufen können, wenn sie selbst in einen bewaffneten Konflikt verwickelt sind. Das Kriegsmaterial darf ihnen aber keinen Vorteil im laufenden Konflikt bringen. Ausserdem kann der Bundesrat solche Exporte auch aus aussen-, sicherheits- und neutralitätspolitischen Gründen unterbinden.
Bei einem Ja müsste die Schweiz von Käuferländern auch bei kompletten Waffensystemen keine Garantie mehr verlangen, dass diese das Kriegsgerät nicht ohne Zustimmung aus Bern weitergeben. Wenn es aussen-, sicherheits- oder neutralitätspolitische Gründe erfordern, kann der Bundesrat aber weiterhin eine solche Garantie (auch Nichtwiederausfuhr-Erklärung genannt) verlangen.
1. Die «Exportschlager» kommen aus Zürich und Kreuzlingen
Luftabwehrsysteme der Rheinmetall Air Defence AG stehen seit Jahren zuoberst auf der Exportrangliste. Produziert werden sie in Oerlikon (aber auch in Italien und Deutschland). Die geopolitische Lage lässt die Nachfrage weiter steigen.
Luftabwehr, Panzer, Munition: Die Topseller der Rüstungsbranche
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Bild 1 von 6. Das Luftabwehrsystem aus Zürich-Oerlikon: Unter anderem dank Skyranger steht die Rheinmetall Air Defence Systems AG zuoberst auf der Exportrangliste. Bildquelle: Keystone/Swen Pförtner.
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Bild 2 von 6. Der Radschützenpanzer Piranha der früheren Mowag (heute General Dynamics European Land Systems GDELS – Mowag) wird in Kreuzlingen TG hergestellt. Die Piranha-Fahrzeuge machen GDELS zum zweitwichtigsten Kriegsmaterialexporteur der Schweiz. Bildquelle: Keystone/Laurent Gilliéron.
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Bild 3 von 6. In Altdorf UR, Unteriberg SZ und Zürich stellt die Rheinmetall-Tochter RMW Schweiz AG Mittelkalibermunition her. Ihr Export katapultiert RMW auf einen Spitzenplatz in der Statistik. Bildquelle: Keystone/Urs Flüeler.
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Bild 4 von 6. Kleinkalibermunition aus Thun: Die SwissP Defence AG hiess früher Ruag Ammotec und gehörte dem Bund. Sie exportiert zum Beispiel Munition für Sturmgewehre und rangiert im Zeitraum von 2019 bis 2025 auf Platz vier in der Exportstatistik. Bildquelle: Keystone.
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Bild 5 von 6. Militärische Spezialeinheiten und Polizeikorps gehören zu den wichtigsten Kunden der B&T AG (Brügger und Thomet). Die Thuner Firma erhielt von 2019 bis 2025 Exportbewilligungen für Handfeuerwaffen im Wert von fast einer halben Milliarde Franken. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 6. In Wimmis im Berner Oberland produziert die Nitrochemie AG Treibladungspulver zum Beispiel für Artilleriegranaten. Mehrheitlich gehört die Nitrochemie dem Rheinmetall-Konzern, die bundeseigene Ruag MRO hält aber eine Minderheitsbeteiligung. Gemessen am Wert ihrer Exportbewilligungen lag die Nitrochemie im Zeitraum von 2019 bis 2025 auf Platz 6. Bildquelle: SRF.
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An zweiter Stelle in der Exportrangliste folgen die Radschützenpanzer der Mowag in Kreuzlingen. Mittlerweile gehört die Mowag zum Grosskonzern General Dynamics European Land Systems, produziert aber noch im Thurgau. Auf den weiteren Rängen folgen Munitionshersteller und ein Hersteller von Präzisionsgewehren: B&T in Thun.
2. Ein deutscher Konzern dominiert die Rüstungsindustrie …
Die Schweizer Rüstungsindustrie ist mehrheitlich in deutscher Hand: Der Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern kontrolliert die Rheinmetall Air Defence AG, die Munitionsherstellerin RWM Schweiz AG sowie die Zündsystemproduzentin RWM Zaugg AG und hält eine Mehrheit an der Nitrochemie AG, die Treibladungspulver herstellt. Von 2019 bis 2025 fielen über 55 Prozent des bewilligten Exportvolumens auf Rheinmetall-Firmen.
3. … und Deutschland ist der grösste Käufer
Unser nördliches Nachbarland ist der wichtigste Käufer von Schweizer Kriegsmaterial. Allerdings hat Berlin mehrfach gedroht, es wolle wenn möglich keine Rüstungsgüter mehr in der Schweiz beschaffen. Dies, weil Deutschland in der Schweiz gekauftes Kriegsmaterial nicht an die Ukraine weitergeben darf. Messbare Folgen auf die Exportzahlen hatten die Drohungen bislang kaum.
Regelmässig für Diskussionen sorgen Exporte nach Saudi-Arabien, obwohl das Land mit dem Jemen in einem bewaffneten Konflikt steht. Es handelt sich dabei um Munition und Ersatzteile für Luftabwehrsysteme.
4. Schweiz stellt häufiger Teile her – und seltener komplette Waffen
Die Rüstungsindustrie nutzt zunehmend ein gewolltes Schlupfloch bei den Exportregeln: Im Normalfall müssen Käuferländer garantieren, dass sie das Kriegsgerät nicht ohne Zustimmung der Schweiz weitergeben. In Spezialfällen ist diese Garantie aber nicht nötig: Dann nämlich, wenn keine kompletten Waffensysteme, sondern lediglich Komponenten, also Waffenteile, exportiert werden. Letztes Jahr machten solche Exporte bereits über die Hälfte aller Kriegsmaterialexporte aus.
5. Kein Rückgang beim Waffenexport
Trotz der Drohung von Deutschland, dass es wenn möglich nicht mehr in der Schweiz kaufen will: Die Kriegsmaterialexporte sind nicht signifikant zurückgegangen. Auch deren Anteil an den Gesamtexporten blieb in den letzten Jahren stabil.
Linke Stimmen wie die GSoA werten dies als Beleg dafür, dass die Rüstungsindustrie gut dastehe und die Regeln nicht gelockert werden müssten: «Die Zahlen zeigen eine andere Realität als jene der panikmachenden Rüstungsindustrie», so die GSoA: Die Exporte würden durch die Gesetzgebung nicht gedrosselt. Für den Industrieverband Swissmem hingegen zeigen die Exportzahlen ein falsches Bild: Sie würden frühere Aufträge widerspiegeln. Weltweit wachse der Markt, in der Schweiz aber seien die Firmen unter Druck. Die Verlagerung hin zur Produktion von Komponenten statt ganzer Waffensysteme führe zu einem Know-how-Verlust, so die Befürchtung.
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Source: SRF · Dominik Meier
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