Abschied von «Stan the Man» Wie Stan Wawrinka im Schatten der Big Four brillierte

Nach 24 Jahren auf der Profitour wurde Stan Wawrinka am Montagabend an den Swiss Indoors in Basel verabschiedet. Kultkommentator Berni Schär erzählt, was den dreifachen Grand-Slam-Sieger auszeichnet – auf und neben dem Court.

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27.10.2026, 16:30

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Stan Wawrinka umarmt seinen Rivalen Novak Djokovic. Für einen Moment reckt er die Hände in die Luft, ein kleines Lächeln huscht über sein sonst so ernstes Gesicht. Gerade hat der Lausanner die damalige Weltnummer eins besiegt und an den US Open seinen dritten Grand-Slam-Titel gewonnen.

«Ob er in der ersten Runde ausgeschieden ist und enttäuscht war oder ob er ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat: Er war immer gleich. Sehr ruhig, eloquent, sehr anständig, respektvoll», erinnert sich Berni Schär. Der ehemalige SRF-Kommentator mit Kultstatus hat Wawrinkas Karriere über Jahre verfolgt und war stets beeindruckt von der bodenständigen Art des Romands.

Wie Wawrinka mit der Rolle als Nummer 2 umging

Jahrelang stand «Stan the Man» im Schatten der «Big Three»: Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic. Doch mit dieser Hierarchie ging er sportlich um. «Es ist nun mal eine Tatsache, dass ich hinter diesen drei Superstars die Nummer zwei bin», soll er jeweils gegenüber Schär gesagt haben.

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  • Bild 1 von 5. Stan Wawrinka und Roger Federer holen 2008 in Peking Olympiagold. Der Romand wird in seiner Heimat Saint-Barthélemy von Fans empfangen. Bildquelle: Keystone/Martial Trezzini.

  • Bild 2 von 5. Wawrinka gewinnt in Melbourne seinen ersten Grand-Slam-Titel. Im Final besiegt er Rafael Nadal, damals die Weltnummer eins. Bildquelle: EPA/Narendra Shrestha.

  • Bild 3 von 5. In Paris bezwingt er Novak Djokovic im Final und gewinnt seinen zweiten Grand-Slam-Titel. Djokovic hatte damals eine herausragende Saison. Bildquelle: EPA/Ian Langsdon.

  • Bild 4 von 5. Mit einem Finalsieg gegen Djokovic holt Wawrinka seinen dritten Grand-Slam-Titel – erneut gegen die amtierende Weltnummer eins. Bildquelle: AP Photo/Charles Krupa.

  • Bild 5 von 5. Am 13. Dezember 2015 wird Stan Wawrinka zum Schweizer Sportler des Jahres gekürt. Bildquelle: Keystone/Dominik Baur.

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Besonders oft wurde «Marathon-Stan», wie er in der Tenniswelt auch liebevoll genannt wird, mit seinem Landsmann Roger Federer verglichen. Doch Wawrinka beklagte sich nie darüber. «Es war für mich eine enorme Chance, mit einem solchen Champion – dem besten Spieler der Welt – und einer solchen Persönlichkeit zusammen zu trainieren, von ihm zu lernen, sein Freund zu werden, mit ihm Olympia und den Davis Cup zu gewinnen», sagte er an den Swiss Indoors Basel vor drei Jahren.

Berni Schär erfuhr am eigenen Leib, wie er die Tennislegende unterschätzte. An den US Open 2016, nach Roger Federers verletzungsbedingter Absage, sei zunächst die Frage im Raum gestanden, ob sich die Reise nach New York überhaupt lohne. Schär reiste trotzdem an – und erlebte, wie Wawrinka sich bis in den Final spielte und Novak Djokovic bezwang.

Offenbar spornte ihn der Erfolg seiner Rivalen an: «Wenn man nicht Roger, Rafa oder Novak ist, muss man lernen, mit vielen Niederlagen umzugehen», sagte Wawrinka Ende letztes Jahr, als er sein Karriereende bekannt gab.

Wawrinka und Lüthi: das «Duo infernal»

Der ehemalige Tennis-Kommentator vermutet, dass auch Wawrinkas Kindheit seinen Umgang mit anderen geprägt hat. Der Tennisprofi wuchs auf einem Bio-Bauernhof im Kanton Waadt auf. Neben seiner Grossfamilie begegnete er dort auch Menschen mit Beeinträchtigung, die auf dem Hof arbeiteten.

So ruhig und professionell der 41-Jährige in der Öffentlichkeit und gegenüber Journalisten auftritt, so wenig lässt sich sein Charakter auf dieses Bild reduzieren. Privat könne er durchaus auch aus sich herauskommen, erzählt Schär: «Er ist auch eine Partynudel.»

Legende: Stan Wawrinka, Roger Federer und Teamchef Severin Lüthi verbindet unter anderem der Davis-Cup-Sieg 2014 – ein historischer Erfolg für die Schweiz. Imago/Panoramic by PsnewZ

Und dann wäre da noch das Jassen. Wawrinka sei ein unglaublich starker Jasser und spiele häufig mit Severin Lüthi. Die beiden seien ein «Duo infernal», sagt Schär. Der Mann, der nach einem Grand-Slam-Sieg nur kurz die Arme in die Luft reckt und stets ruhig bleibt, hat eben auch eine gesellige Seite.

Radio SRF 3, 26.10.2026, 8 Uhr

Source: SRF · Noemi Bachofner

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