50 Jahre Burger und Co. Darum hat sich Fast Food in der Schweiz durchgesetzt
Fast Food, einst verpönt, gehört heute längst zur hiesigen Esskultur. Warum die schnelle Mahlzeit kaum mehr aus unserem Alltag wegzudenken ist.
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Was haben die Kantone Nid-/Obwalden, beide Appenzell und Uri gemeinsam? Es sind die einzigen Kantone in der Schweiz ohne McDonald’s – noch: Im Kanton Uri ist eine Filiale in Planung. 190 Restaurants zählt der Fast-Food-Riese hierzulande. Die erste Filiale wurde vor 50 Jahren, im November 1976, in Genf eröffnet.
Die US-Burgerkette war es denn auch, die sozusagen den Grundstein gelegt hat, dass sich die Fast-Food-Kultur auch in der Schweiz breit etablieren konnte. Auch wenn der Widerstand helvetischer Tellertraditionalisten teils heftig war.
Man befürchtete eine Amerikanisierung der Esskultur, kritisierte gesundheitliche Auswirkungen. Aber auch Lärm, Abfall und Gestank im Umfeld der Fast-Food-Läden sind bis heute ein Zankapfel. Trotzdem: Der schnelle Happen hat sich längst in unserem Alltag durchgesetzt und kommt in vielerlei Formen daher.
Salate, asiatische Bowls, Pizza, Pasta zum Mitnehmen, Sandwiches, Pommes, Hotdogs: Kaum eine Tankstelle oder ein Verkaufsladen, der nicht auch Fertigmahlzeiten zum warm oder kalt Essen anbietet.
«Der Begriff Fast Food beschreibt nicht den Inhalt, sondern eher das Tempo. Es geht um eine Mahlzeit, die rasch parat ist – ohne vorher Zutaten einzukaufen, ohne Schnippeln, ohne Kochen», sagt Christine Schäfer, Forscherin am Gottlieb Duttweiler Institut. «So gesehen ist auch ein Müesli aus dem Kühlregal Fast Food.»
Rasche Verpflegung bei Zeitdruck
Schäfer analysiert gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Veränderungen in Zusammenhang mit Food, Konsum und Handel. «Sich rasch und bequem zu verpflegen, passt zu einem eng getakteten Alltag, in dem die Verpflegung ausser Haus immer wichtiger wird.»
Weitere Punkte sind die Verlässlichkeit und die Vertrautheit. «Bei Fast-Food-Ketten weiss man, was man bekommt – die Produkte schmecken überall gleich.» Wobei es nicht primär um die Qualität, sondern eben um die Konstanz gehe.
Zur Abwechslung gibt's die Schweizer Version
Von fruchtig und frisch bis fad und fettig: Fast Food hat viele Gesichter. «Ähnlich wie beim Burger, lässt sich auch eine Pizza oder ein Pastagericht mit hochwertigen oder eben weniger hochwertigen Zutaten zubereiten.» Wenn es ums Gesundheitliche geht, ist also auch die Herstellungsart entscheidend. Je frischer und regionaler, desto teurer sind die Produkte letztlich meist.
Um die Gunst der Leute zu gewinnen, setzen Fast-Food-Ketten auch auf einheimische Versionen ihrer Angebote. «Den Cheeseburger gibt's dann mit Raclettekäse, dazu Rösti statt Pommes.» Dadurch werden importierte Konzepte gewissermassen schweizerisch.
Geschmack ist am Wichtigsten
«Esskultur ist nicht starr, sie ist veränderbar», sagt denn auch Christine Schäfer. «Menschen wählen aus, was ihnen schmeckt und in ihr Leben passt.» Aber was ist uns denn nun am wichtigsten in der alltäglichen Ernährung? «Allgemeine Aspekte wie der Geschmack stehen gemäss unseren Befragungen ganz oben. Nährstoffgehalt und Gesundheit sind ebenfalls wichtig.»
Auch wenn manche Fast-Food-Arten nicht unbedingt gesundheitsfördernd sind, gönnen sich viele zwischendurch eine schnelle, kulinarische Sünde.
«Fast Food ist inzwischen Teil unserer gelebten Ernährungskultur», sagt die Expertin. «Gleichzeitig nehmen sich die meisten Menschen auch gern Zeit, um das Essen richtig zu geniessen.» Heisst: «Heute hat beides Platz: Schnelle Mahlzeiten und Genuss.»
Radio SRF 1, Treffpunkt, 04.11.2026, 10:10 Uhr ; lvb;geta;noes
Source: SRF · 05.11.2026, 08:40
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