20 Jahre nach Miss Schweiz Christa Rigozzi: «Ich habe mich schlecht gefühlt»
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05.11.2026, 09:46
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«Miss Schweiz 2006 ist ... Christa Rigozzi!», verkündete Melanie Winiger vor rund 20 Jahren in der Arena de Genève. Für Rigozzi war es der Beginn einer erfolgreichen Karriere als Moderatorin und Unternehmerin. Doch nebst dem beruflichen Erfolg musste sie sich immer wieder für ihr Familienmodell rechtfertigen. Heute blickt sie auf 20 Jahre in der Öffentlichkeit zurück.
Christa Rigozzi
Moderatorin und Entertainerin
Christa Rigozzi (*1983) wurde 2006 zur Miss Schweiz gewählt. Die Tessinerin studierte unter anderem Kommunikationswissenschaft und Kriminologie. Heute arbeitet sie als Moderatorin und Unternehmerin. Sie lebt mit ihrem Mann Giovanni und den gemeinsamen Zwillingstöchtern im Tessin.
SRF: Viele ehemalige Miss-Schweiz-Gewinnerinnen sind aus der Öffentlichkeit verschwunden. Warum sind Sie geblieben?
Christa Rigozzi: Weil ich meinen Job liebe und ihn gut mache, denke ich. Ich bin zuverlässig, pünktlich und bereite mich vor. Man muss dranbleiben, um diesen Job zu machen. Nur weil man Miss Schweiz geworden ist, ist man nicht plötzlich die beste Moderatorin der Welt.
Wenn mein Mann arbeiten geht, fragt niemand, wo seine Kinder sind.
Sie haben früh gelernt, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen. Was würden Sie heute anders machen?
Am Anfang war ich vielleicht etwas naiv. Ich habe mich immer so gezeigt, wie ich bin, mit meinen Stärken und Schwächen. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, gewisse Grenzen zu ziehen. Ich bin immer noch authentisch, aber erzähle nicht mehr alles.
Sie sind die Hauptverdienerin Ihrer Familie, Ihr Mann kümmert sich um die Kinder und den Haushalt. Wie reagieren die Menschen darauf?
Heute ist es weniger ein Thema. Aber früher wurde ich oft gefragt: «Wieso macht Giovanni die Mama?» Er macht nicht die Mama, er ist der Papa! Oder man fragte mich, wo ich meine Kinder gelassen hätte. Wenn mein Mann arbeiten geht, fragt niemand, wo seine Kinder sind.
Woher kam diese Kritik?
Was mich erstaunt hat: Es waren nicht nur ältere Menschen. Auch junge Leute um die 20 sagten, Frauen gehörten an den Herd. Das hat mich schockiert. Heute sieht man zum Glück viel mehr Väter mit Kinderwagen und Mütter, die arbeiten gehen.
Mein Mann hat mich immer unterstützt und ermutigt, arbeiten zu gehen.
Sie haben erzählt, dass Sie als berufstätige Mutter manchmal im Hotelzimmer geweint haben. Weshalb?
Es tut weh, weil man nicht weiss, ob das, was man macht, richtig ist. Meine Kinder sind meine Priorität. Als ich das erste Mal für einen beruflichen Termin wegging, fühlte ich mich schlecht. Ich fragte mich, ob sie mich brauchen. Später hatte ich manchmal das Gefühl, wichtige Momente zu verpassen.
Was hat Ihnen geholfen, mit diesen Schuldgefühlen umzugehen?
Mein Mann hat mich immer unterstützt und ermutigt, arbeiten zu gehen. Er wusste, wie wichtig mir meine Arbeit ist. Wir ergänzen uns gut und haben immer viel miteinander geredet.
Und wie geniessen Sie heute die gemeinsame Zeit abseits des Rampenlichts?
Nach einer strengen Arbeitswoche lege ich mein Handy weg und verbringe bewusst Zeit mit meiner Familie. Dann gönne ich mir ein schönes Abendessen, ein wenig «dolce far niente». Ich nehme mir Zeit dafür und geniesse es.
Das Gespräch führte Stefan Büsser.
Radio SRF 3, Focus, 26.10.2026, 20:03 Uhr
Source: SRF · Melinda Por
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