1000 Songs in der Hosentasche: Vor 25 Jahren hat Apple den ersten iPod präsentiert
Der iPod hat den Weg für das iPhone geebnet und die Musikbranche verändert. Heute wirkt das kleine weisse Gerät aus der Zeit gefallen – doch verschwunden ist der iPod nicht.
23.10.2026, 05.30 Uhr
4 Leseminuten
Der iPod ist Teil der Erfolgsgeschichte von Apple. Vier Jahre nach dem ersten iPod kündigte das Unternehmen 2005 ein neues Modell an – dieses konnte nun auch Videos abspielen.
Justin Sullivan / Getty
Am 23. Oktober 2001 stellte Apple einen MP3-Player vor. «Boom! Das ist der iPod», sagte der damalige CEO von Apple, Steve Jobs, bei der Präsentation. Er sprach von einem «Durchbruch beim Musikhören» und zog ein kleines weisses Gerät aus der Hosentasche. Es war schlicht, elegant und hatte ein monochromes Display. 1000 Lieder hätten auf dem iPod Platz, sagte Jobs. Für die meisten Nutzer sei das ihre «gesamte Musikbibliothek».
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Laut Jobs liessen sich innert zehn Sekunden ganze CD auf den iPod laden. Mit dem minimalistischen Bedienungsfeld konnten die Nutzerinnen und Nutzer ihre Musik wahlweise nach Playlists, Künstlern oder Songs durchsuchen.
Anfangs gab es gemischte Reaktionen auf das neue Apple-Produkt. Es existierten bereits Geräte, mit denen man unterwegs Musik hören konnte – und für Windows-Nutzer war der iPod damals unbrauchbar. Um Musik auf den Player zu laden, brauchte man nämlich einen Mac.
Ein weiterer Grund für die Skepsis vieler: der happige Preis. Bei der Einführung kostete der iPod 399 Dollar. Wenige Tage nach der Präsentation schrieb die NZZ: «Es war dann halt einfach ein portabler MP3-Player.»
Im Januar 2004 präsentierte Steve Jobs einen iPod Mini. Das minimalistische Design behielt Apple auch hier bei.
Justin Sullivan / Getty
Der iPod als Statussymbol
Heute ist klar: Der iPod ist Teil der Erfolgsgeschichte von Apple. Der erste MP3-Player legte den Grundstein für eine Reihe von erfolgreichen Produkten – und er beeinflusste auch die Entwicklung des ersten iPhone 2007. Ohne den iPod hätte es das iPhone nie gegeben, sagte Tony Fadell, der als «Vater des iPod» bekanntwurde, gegenüber dem Magazin «Wired». «Das bedeutet, dass Apple, wie wir es heute kennen, ohne den iPod nicht existieren würde.»
Bis Ende 2005 verkaufte Apple mehr als 40 Millionen iPods. Auf das erste Modell aus dem Jahr 2001 folgten zahlreiche weitere. Bald liessen sich die Geräte auch mit PC und Windows-Betriebssystemen nutzen. Spätere iPods konnten Videos abspielen, es gab farbige Varianten und kleine Versionen ganz ohne Display.
Prominente wie die Sängerin Rihanna oder die Schauspielerin Blake Lively liessen sich mit den kleinen Musikgeräten fotografieren. Der Rapper Kanye West posierte mit Kopfhörern und iPod in der Hand auf dem roten Teppich. Jener des It-Girls Paris Hilton war mit Glitzersteinchen geschmückt. Der iPod war ein Trend-Accessoire und Statussymbol der 2000er Jahre.
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Die Sängerin Rihanna posiert 2006 mit ihrem iPod. Zwei Jahre später zeigt sich auch das It-Girl Paris Hilton mit dem Apple-Gerät.
Produktion 2022 gestoppt
Für den Erfolg der iPods war die Software iTunes zentral. Anfangs liessen sich damit CD einlesen und auf dem Computer abspeichern. 2003 brachte Apple dann den iTunes Music Store auf den Markt – und wälzte damit die Musikindustrie um. Nun konnten Nutzerinnen und Nutzer einzelne Lieder für 99 Cent legal herunterladen, statt ganze Alben auf CD zu kaufen.
Am Modell von iTunes gab es aber auch Kritik. Einige Musiker befürchteten, dass das Gesamtwerk eines Albums durch die Downloads einzelner Songs auseinandergerissen werde. Andere klagten über unzureichende Bezahlung für die heruntergeladenen Lieder. Die australische Band AC/DC weigerte sich beispielsweise lange Zeit, ihre Musik auf iTunes verfügbar zu machen. 2012 liess sie es schliesslich zu. Auch die amerikanischen Künstler Jay-Z und Kid Rock äusserten sich kritisch gegenüber der Plattform.
2019 gab Apple bekannt, dass iTunes abgeschaltet werde. Stattdessen entwickelte das Unternehmen drei separate Apps für Musik, Videos und Podcasts. Im gleichen Jahr stellte das Unternehmen auch das letzte Modell des iPod vor – den iPod Touch der siebten Generation. 2022 stellte Apple die Produktion der Musikplayer ein.
Als 2007 das erste iPhone auf den Markt kommt, warten Hunderte Personen vor dem Apple Store. Ein Mann döst dabei mit seinem iPod auf der Brust.
Mike Segar / Reuters
Das Kult-Gadget in der Hosentasche
Der iPod hat seinen Platz in der Technikwelt offenbar verloren. Smartphones, Streaminganbieter und Bluetooth-Kopfhörer sind längst da – und doch sind die kleinen MP3-Player nicht verschwunden.
In den sozialen Netzwerken gibt es unzählige Videos über iPods. Junge Menschen scrollen auf den alten Geräten durch ihre Musikbibliotheken, bekleben ihre iPods mit bunten Stickern oder geben sich Tipps, wie man Musik am besten auf die Player lädt.
In einem Artikel der «New York Times» vom Mai schildert eine junge Frau, warum sie sich für einen iPod im Alltag entschieden hat: Das Hinzufügen von Musik auf ihren iPod sei «wie eine kleine Meditation», sagt die 25-Jährige. Auch werde sie beim Musikhören so nicht von Benachrichtigungen auf ihrem Smartphone abgelenkt und wechsle nicht ständig zwischen verschiedenen Apps hin und her.
Bei der Präsentation des ersten iPod 2001 bezeichnete Steve Jobs das Gerät als das «angesagteste Weihnachtsgeschenk» des Jahres. Heute ist es das vermutlich nicht mehr – aber es findet noch immer einen Platz in der Hosentasche von jungen Menschen.
Den iPod Nano gab es in verschiedenen Farben – hier ausgestellt bei einer Apple-Veranstaltung in San Francisco.
Justin Sullivan / Getty
Mit Agenturmaterial.
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Source: Neue Zürcher Zeitung · Lucia Grassi
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