Online seit gestern, 13.39 Uhr

Gabriel Felbermayr, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO), plädiert dafür, das Kapitaldeckungsverfahren bei der Pensionsvorsorge auszubauen.

Österreich habe mit dem Umlageverfahren „ein radikal nicht diversifiziertes“ Modell, das von der Wirtschaftsentwicklung Österreichs sowie der Geburtenrate und Nettozuwanderung abhänge, sagte Felbermayr gestern. Je nach Wirtschaftslage schwanken die eingezahlten Pensionsversicherungspflichtbeiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

„Wohlfahrtssteigerung“ möglich

Beim Kapitaldeckungsverfahren werden die Einzahlungen der Pensionsversicherten am Kapitalmarkt angelegt. „Eine ausgewogene Kombination von Umlage- und Kapitaldeckungsverfahren ermöglicht eine Erreichung dieses Zielbündels mit geringen Nebenwirkungen auf Güter-, Arbeits- und Kapitalmärkten“, so Felbermayr.

Bei einer schrittweisen Ergänzung des Umlageverfahrens mit einer verpflichtenden Kapitaldeckung könne „eine Wohlfahrtssteigerung“ erzielt werden, sagte WIFO-Studienautor Thomas Url.

„Überinvestiert“ in Immobilien

Das Vermögen der österreichischen Haushalte ist oftmals auf dem Girokonto, Sparbuch oder in Immobilien geparkt. „Die Österreicherinnen und Österreicher sind wahnsinnig risikoavers“, sagte der WIFO-Chef. Viele seien „überinvestiert in Immobilien“, auf den Kapitalmärkten sei langfristig eine deutlich höhere Rendite erzielbar.

Für Felbermayr ist das schwedische Pensionsmodell ein Vorbild für Österreich. Dort wird die gesetzliche Pension mit kapitalgedeckten Elementen und einer automatischen Anpassung an die Lebenserwartung verbunden.

„Unsere staatlichen Pensionen finanzieren wir wesentlich auf Basis der heimischen Wirtschaftskraft“, sagte der Generalsekretär des Verbandes der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO), Christian Eltner. Mit kapitalgedeckter Vorsorge könne man „zusätzlich ausländische Wertschöpfung ins Inland bringen und die Altersvorsorge damit auf eine breitere wirtschaftliche Basis stellen“.

AK und ÖGB für Stärkung des staatlichen Pensionssystems

Die Arbeiterkammer (AK) ist gegen „eine stärkere Verlagerung der Altersvorsorge auf die Finanzmärkte“. Erfahrungen aus Deutschland und Schweden würden zeigen, dass kapitalgedeckte Modelle weder „höhere noch sicherere Pensionen“ garantieren, so die Arbeitnehmervertreter am Dienstag in einer Aussendung.

Die Gewerkschaft wies auf die finanzielle Lage vieler Arbeitnehmer hin. „Wer eine stärkere private Altersvorsorge fordert, verschweigt oft, dass sich viele Beschäftigte das schlicht nicht leisten können“, so die Vorsitzende der Pensionistinnen und Pensionisten des Österreichischen Gerwerkschaftsbunds (ÖGB), Monika Kemperle.

Source: ORF · ORF.at

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