Gesammelt zu Halloween

Die Fälle manipulierte Naschsachen für Kinder zu Halloween weiten sich auch: Mit Salzburg ist mittlerweile ein viertes Bundesland betroffen, im Bundeskriminalamt (BK) wurde eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet. Nach Deutschland wurde laut Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) auch ein Fall aus Ungarn bekannt, weitere Fälle soll es in Kanada geben.

Online seit heute, 13.23 Uhr

In vier Bundesländern wurden mittlerweile Metallgegenstände in zu Halloween von Kindern gesammelten Süßigkeiten gefunden. Nach Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark wurde am Dienstag auch ein Fall aus Salzburg gemeldet. Im Bezirk Amstetten wurde eine Zehnjährige am Montag durch einen Biss in eine Minischokolade, in der eine Nadel versteckt war, leicht im Mund verletzt, sagte Polizeisprecher Johann Baumschlager am Dienstag.

In Niederösterreich sei bisher der eine Fall bekannt, sagte Baumschlager auf Anfrage – mehr dazu in noe.ORF.at. Ebenso gab es in Salzburg einen Fall – mehr dazu in salzburg.ORF.at. In Oberösterreich wurden zwei Fälle gemeldet, in der Steiermark vier – mehr dazu in ooe.ORF.at und steiermark.ORF.at. Bisher keine Fälle wurden aus den anderen Bundesländern gemeldet. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag wurde erneut eindringlich dazu aufgerufen, keine gesammelten Süßigkeiten ohne vorherige Kontrolle zu essen.

Vernetzung mit anderen betroffenen Ländern

Mittlerweile habe man sich auch mit anderen Ländern vernetzt, hieß es. „Wir werden alles Menschenmögliche tun, damit wir dieses feige und hinterhältige Verbrechen aufklären“, so Karner. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Täter online vernetzt haben, sagte BK-Ermittlungschef Gerald Tatzgern.

Zu Größe und Zusammensetzung der Ermittlergruppe „Treat“ (EG Treat) im BK, allenfalls auch mit internationaler Beteiligung etwa mit deutschen Beamten und mit Europol, wollte sich Tatzgern nicht näher äußern. Dass es eine enge Zusammenarbeit mit anderen betroffenen Ländern gibt, liege auf der Hand.

Viele Fälle in Deutschland

In Deutschland gebe es „Fälle in praktisch allen Bundesländern, auch in Ungarn gibt es einen Fall“, sagte der BK-Abteilungsleiter. Auch aus Kanada wurden ähnlich gelagerte Fälle bekannt. So wurden in zwei Gemeinden in der Provinz Ontario Naschsachen mit Metallgegenständen gefunden. Aus der Provinz Quebec wurden ebenfalls Fälle gemeldet. Die Polizei nehme diese Vorfälle jedenfalls „sehr ernst“, hieß es in einer Stellungnahme des BK.

Im bayrischen Landshut etwa steckten Schrauben in Kaubonbons und Schokoriegeln. Eine Neunjährige aus Hannover fand in drei einzeln verpackten Süßigkeiten – einem Schokoriegel und zwei Kauzuckerln – jeweils eine Nähnadel. Durch einen manipulierten Schokoriegel verletzte sich ein Mädchen in Niedersachsen. Die Neunjährige erlitt durch eine gut fünf Zentimeter lange Stecknadel in dem Riegel eine Verletzung an der Zunge, wie die Polizei mitteilte. Zur Schwere der Verletzung konnte die Polizei nichts sagen.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde ebenfalls ein Kind durch eine manipulierte Süßigkeit mit einer Nadel verletzt. In früheren Jahren gab es bereits ähnliche Fälle in Deutschland. 2025 entdeckte etwa eine Mutter in Mittelfranken einen zwei Zentimeter langen Nagel in einer Süßigkeit ihrer Tochter.

Offenbar Süßigkeiten in Schüssel verteilt

Bei den Fällen in Österreich gibt es laut BK bisher keine Hinweise auf einen Zusammenhang. Inwieweit es einen Zusammenhang auf internationaler Ebene gibt, werde noch ermittelt. Die Ermittler gehen derzeit nicht davon aus, dass den Kindern die Naschsachen an Haustüren in die Hand gedrückt wurden. Vielmehr dürften die präparierten Süßigkeiten in größere Schüsseln mit Naschereien gelegt worden sein, die Bewohner beziehungsweise Bewohnerinnen vor ihre Haus- oder Wohnungseingänge gestellt hatten, damit sich die Kinder daraus bedienen konnten.

Verweis auf ärztliche Hilfe, Warnung vor Panik

Besteht der Verdacht, dass ein Kind eine Nadel verschluckt hat, ist sofort ärztliche Hilfe erforderlich: Spitze Gegenstände können schwere innere Verletzungen verursachen. Vor dem Verzehr sollten die gesammelten Süßigkeiten daher sorgfältig kontrolliert werden. Insbesondere ist darauf zu achten, ob Verpackungen beschädigt oder manipuliert wurden und ob sich Fremdkörper, insbesondere metallische Gegenstände, in den Naschsachen befinden.

Beim Auffinden offensichtlich manipulierter Süßigkeiten sollten diese samt Verpackung aufbewahrt und der Polizei gemeldet werden. Um mögliche Spuren für die kriminalpolizeilichen Ermittlungen zu sichern, sollen entdeckte Fremdkörper zudem nicht aus den Süßigkeiten entfernt oder anderweitig manipuliert werden.

Gleichzeitig warnten die Behörden vor Panik. Gesundheitliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Unwohlsein können unterschiedliche Ursachen haben und stehen nicht zwangsläufig im Zusammenhang mit dem Verzehr möglicherweise manipulierter Süßigkeiten.

Source: ORF · ORF.at

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