Parlamentswahl in Serbien

Die oppositionelle Studentenliste dürfte die Parlamentswahl in Serbien am Sonntag gewonnen haben. Noch vor Verkündung der offiziellen Wahlergebnisse hat Machthaber Aleksandar Vucic am Abend die Niederlage seiner Bewegung bei einem überraschenden Presseauftritt in Belgrad eingeräumt. Die Wahlbeteiligung hatte bereits vor Schließung der Wahllokale den höchsten Wert seit mehr als 30 Jahren erreicht.

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Zwar lägen noch keine endgültigen Ergebnisse vor, auf Basis von Hochrechnungen sei jedoch klar, dass seine Partei die Wahl verloren habe, sagte Vucic. Die Studentenliste habe die Wahl für sich entschieden und werde zwischen 135 und 140 Sitze im Parlament erhalten, während seine eigene Partei auf 105 Mandate komme.

Andere Parteien hätten den Einzug in die Volksvertretung verpasst. Rund 6,45 Millionen Wahlberechtigte waren offiziellen Angaben zufolge dazu aufgerufen, die 250 Abgeordneten der Volksversammlung zu wählen.

feiernde Kandidaten der Studentenliste „Students Win“
Bei der Studentenliste herrscht Jubelstimmung

Zweijährige Proteste

Vucic hatte die Neuwahlen im September ausgerufen. Dem Urnengang waren fast zweijährige Proteste gegen mutmaßliche Korruption und zunehmenden Autoritarismus vorausgegangen. Auslöser der Demonstrationen war der Einsturz eines Bahnhofsvordachs in der Stadt Novi Sad im Jahr 2024, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen. Die Studentenbewegung hatte seitdem stark an Rückhalt in der Bevölkerung gewonnen und sich zur größten Bedrohung für Vucic entwickelt.

In wechselnden Funktionen bestimmte der 56-jährige Vucic bereits seit 2012 die Politik des Landes, Kritiker werfen ihm Korruption und Verbindungen zur organisierten Kriminalität vor. Er war Ende September von seinem Amt als Staatspräsident zurückgetreten, um im Falle eines Wahlerfolgs seiner Partei Regierungschef zu werden. Sein zweites Mandat als Präsident hätte im Mai nächsten Jahres geendet, ein drittes Mal hätte Vucic nicht kandidieren können.

Rekordwahlbeteiligung

Die Beteiligung erreichte schon vor Wahlschluss ein Rekordniveau. Bis 18.00 Uhr gaben 64,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, so viel wie noch nie seit dem Zerfall Jugoslawiens im Jahr 1992. Die Wahlbeteiligung dürfte über 70 Prozent steigen, bis 19.00 Uhr lag sie laut der unabhängigen Wahlbeobachtungsagentur CRTA bei 67,6 Prozent.

Großer Andrang in Diaspora

Besonders groß war der Andrang in der Diaspora, auch in Wien. Vor dem serbischen Konsulat bildete sich eine Warteschlange von Menschen, die ihre Stimme abgeben wollten – mehr dazu in wien.ORF.at. Auch aus vielen Orten in Serbien und anderen europäischen Metropolen wurde von langen Schlagen vor Wahllokalen berichtet.

In sozialen Netzwerken geteilte Videos aus Städten wie London, Paris, Zürich und Stockholm zeigten ähnliche Bilder. Die Diaspora gilt traditionell als Hochburg der proeuropäischen Opposition. In Zürich berichtete eine Wählerin einem Journalisten des „Tages-Anzeiger“, dass sie siebeneinhalb Stunden auf die Stimmabgabe gewartet habe.

Source: ORF · ORF.at

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