Eröffnung
Die vielbeschäftigte Choreografin Florentina Holzinger hat sich dieses Jahr genauso angekündigt wie Stammgast Lars Eidinger und Frankreichs Schauspieldiva Isabelle Huppert, die gleich zwei Filme im Gepäck hat. Die 64. Ausgabe der Viennale wartet wieder mit vielfältigen cineastischen Begegnungen auf und will unterhalten, herausfordern und nebenbei auch ein gutes Jahr für den österreichischen Film feiern. Das Festival läuft von 22. Oktober bis 3. November.
Online seit heute, 11.30 Uhr
Ein „schönes, sympathisches Monster“ nannte Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi bei der Programmpräsentation den Wal, der das diesjährige Plakat des Filmfestivals ziert und seit Wochen überall in Wien zu sehen ist. Die Stadt ist wie jedes Jahr Ende Oktober im Filmfieber und heimische Cineasten im Ausnahmezustand. Schön, sympathisch, aber auch sperrig, kontroversiell und herausfordernd ist das Programm der 64. Ausgabe der Viennale.
Mit einem ungewöhnlichen Experiment in Zeit, Licht und Raum startet die Viennale am Donnerstagabend. Der nur 21 Minuten lange Eröffnungsfilm „Forever … Forever“ des österreichischen Filmemachers Johann Lurf zeigt den Stausee Ottenstein im niederösterreichischen Waldviertel durch alle Jahreszeiten hindurch.
Die Viennale rückt damit das heimische Kurz- und Experimentalfilmschaffen ins Rampenlicht und feiert auch mit der Wahl des Abschlussfilms am 3. November den österreichischen Film: „Wiener Blues: The Loneliest Man in Town“ von Tizza Covi und Rainer Frimmel begleitet den Wiener Bluesmusiker Al Cook auf eine Reise in seine Vergangenheit. Dem vielfach preisgekrönten Regieduo ist auch der neue Band der Viennale-Schriftreihe „Textur“ gewidmet.
Ein gutes Kinojahr für Österreich
Überhaupt findet sich ungewöhnlich viel Österreich im diesjährigen Programm: Ein zärtliches Porträt des heutigen Europa, in dem Anonymität und Warmherzigkeit kein Widerspruch sind, erzählt Sebastian Brameshuber im dokumentarisch anmutenden Roadmovie „London“ rund um Bobby Sommer alias Bobby, der auf der Autobahn zwischen Wien und Salzburg mit seinen Mitfahrenden über Alltägliches, aber auch tief Persönliches ins Gespräch kommt.
Isabelle Huppert in „Die Blutgräfin“
Isabelle Huppert spielt „Die Blutgräfin“ in Ulrike Ottingers gleichnamigem Spielfilm und begibt sich auf eine aberwitzige Jagd nach dem roten Lebenssaft, der verschütteten Geschichte ihrer Ahnen und einem Buch, das ihr Vampirreich zu zerstören droht. An ihrer Seite steht Birgit Minichmayr als Zofe, in weiteren Rollen sind Lars Eidinger, Karl Markovics und Tom Neuwirth aka Conchita Wurst zu sehen.
Noch einmal Minichmayr: In Sandra Wollners bei den Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnetem Drama „Everytime“ spielt sie eine Mutter, die auf ihre ganz eigene Weise versucht, mit einem Schicksalsschlag umzugehen. Ein Netz aus Schweigen, Überforderung und Stigma inmitten einer Almidylle entspinnt sich in Manuel Wetschers gleichnamigem Drama während der „Eklipse“ 1999, wenn ein Geheimnis die Freundschaft zweier Buben auf die Probe stellt.
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Die Geschichte von „Mila/Marija“, die sich im Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit ihrem Bruder dem bewaffneten Widerstand der Kärntner slowenischen Partisaninnen und Partisanen anschließt, erzählt Andrina Mracnikar in ihrem gleichnamigen Spielfilm, der kürzlich beim Zurich Film Festival mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Und die omnipräsente Choreografin Florentina Holzinger präsentiert im Heimspiel ihren neuen Film „Eternity“ von Susanne Regina Meures, in dem sie mit ihrer Truppe spektakuläre Stunts im ewigen Eis vollzieht.
Höhepunkte des Festivaljahres
Auch eine handverlesene Auswahl hochkarätiger und international preisgekrönter Highlights anderer Festivals werden wieder auf der Viennale präsentiert: „Fjord“ von Cristian Mungiu ist ein mit der Goldenen Palme prämiertes packendes Gesellschaftsdrama, das vor der majestätischen, aber düsteren Kulisse Norwegens spielt. May el-Toukhys Beziehungsfilm „Woman Unknown“ – Goldener Löwe (bester Film) sowie beste Schauspielerin bei den Filmfestspielen von Venedig – zeigt das komplexe Porträt einer Frau, deren wohlgeordnetes Leben nach einer folgenschweren, geheimen Affäre unaufhaltsam zu bröckeln beginnt.
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Mit dem in Cannes preisgekrönten „Soudain – All of a Sudden“ über die Freundschaft zweier Frauen im Altenheim beweist der japanische Regisseur Ryusuke Hamaguchi erneut sein Talent für tiefgründige, dialogstarke Dramen. „Minotaur“ von Andrei Swjaginzew thematisiert die moralische und emotionale Krise eines russischen Geschäftsmanns vor dem Hintergrund persönlicher sowie politischer Erschütterungen und wurde in Cannes mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Ebenfalls in Cannes prämiert wurde „Das geträumte Abenteuer“ von Valeska Grisebach – eine österreichische Koproduktion. Darin kehrt eine Archäologin für eine Ausgrabung in die bulgarische Grenzstadt Swilengrad und in die Umbruchszeit der 1990er Jahre zurück.
Garantiert ausverkauft
Was wäre die Viennale ohne große Hollywood-Flme? In der Bilderstrecke unten findet sich eine Auswahl der diesjährigen Highlights – keine Sorge, falls man im Eifer des Gefechts für den einen oder anderen Film keine Tickets mehr bekommen hat: Die folgenden Publikumsmagneten haben alle einen regulären Kinostart in Österreich.
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Nach dem Kino auf die Tanzfläche
Auch jede Menge Retrospektiven sind im Programm vertreten: Kinematografien sind etwa der Journalistin Jocelyne Saab (1948–2019) gewidmet, die in den 1970ern im Libanon als Kriegsberichterstatterin tätig war. In Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria hat man die Reihe „Alles bunt und wunderbar?“ kuratiert und rückt fünf Austrofilme der 1990er in den Fokus. Die große Retrospektive mit dem Filmmuseum schließlich widmet sich Regisseur Robert Aldrich (1918–1983) und zeigt Klassiker wie „Vera Cruz“ (1954), „What Ever Happened to Baby Jane?“ (1962) und „The Dirty Dozen (1967)“, die so manch einer wahrscheinlich noch nie auf der großen Leinwand gesehen hat.
Und zu guter Letzt: Wer ins Kino geht, darf auch feiern – unter anderem mit Stammgast Eidinger als DJ. Die Festivalzentrale befindet sich heuer im Funkhaus Wien. Was dort auf das Publikum wartet: „Drei Konzerte, vier Gespräche, fünf Partys“, so fasste es die Direktorin zusammen.
Source: ORF · ORF.at
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