Frankreich, Albanien, Spanien, Italien und Belgien

Bei Protesten in mehreren europäischen Ländern ist es am Wochenende erneut zu Krawallen gekommen. Gewalttätige Zusammenstöße gab es in Frankreich, Albanien, Spanien, Italien und Belgien. Bei Ausschreitungen in Frankreich wurden 1.314 Menschen festgenommen. 53 Polizeikräfte seien verletzt worden, teilte das Innenministerium in einer morgendlichen Bilanz mit. In Italien wurden neun Haftbefehle erlassen und 317 Menschen festgenommen, in Barcelona gab es 128 Festnahmen.

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Einsatzkräfte seien gegen 75 versuchte Brandstiftungen vorgegangen und es habe 24 Plünderungen gegeben, hieß es aus dem französischen Innenministerium weiter. Die Nacht sei ruhig verlaufen, hieß es. Frankreichweit waren 70.000 Beamtinnen und Beamte im Einsatz. Den seit Wochen für eine bessere Ausstattung von Frankreichs Schulen demonstrierenden jungen Leuten schlossen sich weitere Gruppen an, um etwa gegen zu hohe Lebenshaltungskosten zu demonstrieren.

Innenminister Laurent Nunez sagte am Samstag, die Zahl der Festnahmen werde noch steigen, weil noch Bilanz gezogen werden müsse. Es sei abermals zu Sachbeschädigungen und Plünderungen gekommen. Die eigentlichen Demonstrationen verliefen nach Worten des Innenministers reibungslos. Dennoch kam es am Rande der Protestzüge erneut zu Ausschreitungen.

Ein Pariser Demonstrant mit Frankreich-Fahne hält einem Wasserwerferstrahl einen Regenschirm entgegen.
Bei den Protesten in Frankreich kamen vermehrt Wasserwerfer zum Einsatz

Es hätten sich bei beinahe jeder Versammlung „Risikogruppen“ gebildet, die sich von den Umzügen absetzten. Bilder aus Paris zeigten Wolken von Tränengas und Feuerwerkskörper sowie den Einsatz von Wasserwerfern. Auch auf Bildern aus anderen Städten wie Lyon, Bordeaux und Marseille waren Tränengaswolken und Feuer zu sehen. Der Minister machte insbesondere die „radikale extreme Linke, die Ultralinke“ dafür verantwortlich.

Gewalt und Verletzte in Albanien

Auch in Albanien kam es bei Protesten gegen Missstände im Hochschulwesen und gegen die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama erneut zu Gewalt. Demonstrierende in der Hauptstadt Tirana warfen mit Steinen auf Regierungsgebäude und die Polizei, wie die staatliche Nachrichtenagentur ATA berichtete.

Die Lage sei eskaliert, als Protestierende das Umweltministerium in Brand setzten. Auf Fernsehbildern und in sozialen Netzwerken waren chaotische Szenen zu sehen. Laut ATA hatte der unter anderem von Studierenden organisierte Protest am Samstag vor dem Bildungsministerium begonnen und sich auf andere Ministerien und Teile der Stadt ausgeweitet.

Ein Demonstrant in Tirana (Albanien) tritt einen Tränengasbehälter weg.
In Albanien kam es teils zu chaotischen Szenen

Rama kündigt härteren Kurs an

Laut dem privaten Fernsehsender Klan warfen Demonstrierende auch Feuerwerkskörper und Molotowcocktails. Die Polizei setzte den Angaben zufolge Wasserwerfer, Tränengas, Pfefferspray und Gummigeschoße ein, um die Menge zu zerstreuen. Demnach gab es Verletzte auf beiden Seiten. Beamte hätten das Kamerateam von Klan News angegriffen, hieß es.

Auch am Sonntag kam es erneut zu Protesten. Regierungschef Rama kündigte einen härteren Kurs gegen Demonstrierende an. Seine Regierung wolle bereits kommende Woche einen Gesetzesentwurf vorlegen, der Geldstrafen von mehr als 500 Euro und neue Befugnisse für die Polizei vorsehe, sagte Rama am Sonntag in einer Videobotschaft. Die Opposition kündigte Widerstand an.

Randale in Barcelona

In Barcelona kamen Berichten zufolge Hunderte Jugendliche und junge Erwachsene am Samstagabend bis in die Nacht hinein zu Protesten zusammen. Junge Leute hätten Straßenmobiliar, Fahrräder und Motorräder beschädigt, Geschäfte geplündert und Müllcontainer angezündet, berichteten unter anderem die spanische Tageszeitung „El Pais“ und der katalanische Fernsehsender Beteve. Das genaue Ziel der Proteste war unklar.

Nach den nächtlichen Ausschreitungen wurden in Barcelona 128 Menschen festgenommen, die meisten davon Minderjährige. Die Festnahmen erfolgten wegen „Vandalismus“, „Beschädigung öffentlichen Eigentums“ und „Plünderung“, teilte die katalanische Polizei am Sonntag mit.

Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei in Vitoria-Gasteiz (Spanien)
Auch in Spanien kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und der Polizei

Polizeichefin Silvia Cata sagte im Sender 3CatInfo, 73 der Festgenommenen seien minderjährig, ihre Akten würden an die Jugendstaatsanwaltschaft weitergeleitet. Nur zwei der 128 Festgenommenen seien schon zuvor straffällig geworden. Insgesamt 15 Beamte wurden Catas Angaben zufolge bei den Ausschreitungen verletzt.

Der Ministerpräsident der wohlhabenden Region im Nordosten Spaniens, Salvador Illa, verurteilte die Gewalttaten: „Gewalt hat in Katalonien keinen Platz. Niemals. Protestieren ist ein demokratisches Recht. Angriffe, Einschüchterungen und Sachbeschädigung hingegen nicht“, sagte er laut „El Pais“.

Festnahmen in Belgien

Auch in Belgien gab es kleinere Demonstrationen in Brüssel und Lüttich. Diese waren laut Innenminister Bernard Quintin ohne größere Zwischenfälle zu Ende gegangen, wie er auf der Plattform X schrieb. In der Hauptstadt Brüssel nahmen rund 400 Menschen daran teil, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. Den Berichten zufolge gab es neun Festnahmen wegen Störung der öffentlichen Ordnung sowie Waffenbesitz und Anstiftung zu Gewalt. Am vergangenen Wochenende waren es 150 Festnahmen.

Demonstranten in der belgischen Hauptstadt Brüssel werfen E-Scooter, Absperrungen und Verkehrszeichen auf einen Haufen.
In Brüssel und Lüttich kam es zu kleineren Demonstrationen

Hunderte Festnahmen bei Protesten in Italien

Tausende Menschen demonstrierten erneut in Italien. Bei einigen Protesten kam es zu vereinzelten Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und Polizisten. Die Polizei sprach am Samstagabend von neun erlassenen Haftbefehlen und 371 Festnahmen. In 110 Fällen habe es sich um Minderjährige gehandelt. Insgesamt seien 5.000 Personen kontrolliert worden. Die Proteste umfassten ein breites Spektrum an Themen, darunter hohe Lebenshaltungskosten, hohe Benzinpreise sowie Aufrüstung.

Protest gegen hohe Lebenshaltungskosten in Mailand (Italien)
In Italien wird vor allem gegen die hohen Lebenshaltungskosten demonstriert

Demonstrierende dringen in Kolosseum

In der Hauptstadt Rom kam es am Samstagabend im Zentrum zu Spannungen: Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, über dem Gebiet des Hauptbahnhofes Termini kreisten Polizeihubschrauber. Im historischen Zentrum drangen zwischenzeitlich Protestteilnehmer in das Kolosseum ein.

In der norditalienischen Metropole Mailand, in der es vergangenes Wochenende zu schweren Krawallen gekommen war, verliefen die Proteste größtenteils ohne größere Zwischenfälle. Aus Sorge vor Ausschreitungen waren viele Luxusgeschäfte verbarrikadiert worden. In Bologna setzte die Polizei bei Zusammenstößen mit Demonstrierenden Tränengas und Wasserwerfer ein. In Turin drängten Sicherheitskräfte Teilnehmer der Proteste mit Schilden zurück.

In Portugal protestierten zahlreiche Menschen in Lissabon und Porto für das Recht auf Wohnen. Die Polizei nahm nach Angaben der Nachrichtenagentur Lusa in der Hauptstadt 25 Menschen fest. Dort war es bei den Protesten rund um den Rossio-Platz zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften gekommen.

Source: ORF · ORF.at

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