Spannung steigt

In den USA sind die Wahllokale für die Zwischenwahlen geöffnet, US-Präsident Donald Trump steuert – auch wenn er nicht auf den Wahlzetteln steht – auf ein Urteil der Wählerinnen und Wähler zu. Die Partei des jeweiligen Präsidenten hat traditionell bei den Zwischenwahlen die schlechteren Karten. Auch die hohe Anzahl von Briefwählerinnen und -wählern ist für die Republikaner kein gutes Omen.

Online seit heute, 14.46 Uhr

Umfragen und parteiunabhängige Analysen sehen einen Vorteil für die Demokraten bei diesen Midterms: Sie könnten den Republikanern das Repräsentantenhaus abnehmen. Ob sie die Kontrolle über den Senat erlangen, ist ungewiss, die Demokraten müssen vier Sitze dazugewinnen, um die Mehrheit zu erlangen. Das Rennen war bis zuletzt offen.

Trump steht bei den Zwischenwahlen im Mittelpunkt, auch wenn er nicht zur Wahl steht. Mit mehr als zwei Dutzend Wahlkampfveranstaltungen seit Anfang Oktober versuchte er, die republikanische Anhängerschaft zu mobilisieren, die überwiegende Mehrheit davon in Bundesstaaten, die er 2024 noch mühelos gewonnen hatte. Er wiederholte während des Wahlkampfs, die Wählerinnen und Wähler sollten so tun, „als stünde ich auf dem Wahlzettel“.

Mit Ausnahme von zwei Fällen wurde die Partei des jeweils amtierenden Präsidenten bei allen Zwischenwahlen seit dem Zweiten Weltkrieg abgestraft. Auch Trumps erkannte das an: „Aus irgendeinem Grund gewinnt der amtierende Präsident die Zwischenwahlen nicht – aber wir haben es wirklich versucht“, sagte er am Montag.

Themenverfehlung bei letzter Rede

Zudem bewegen sich Trumps Zustimmungswerte derzeit nahe ihrem historischen Tiefstand. Wegen des Iran-Krieges und den resultierenden hohen Spritpreisen sind sie stark belastet. Trump aber wollte zuletzt kaum auf diese Themen eingehen.

Bei seiner letzten Wahlkampfrede am Montag sprach er nur wenig zu wirtschaftlichen Belangen: „Wir hatten eine großartige erste Amtszeit, was die Wirtschaft betrifft. Es war die beste Amtszeit überhaupt. Wir hatten die erfolgreichste Wirtschaft.“

Stattdessen sprach er lange vom Reflecting Pool in Washington, den er renovieren ließ. Die Ausführungen reichten von Details zum Rasen über rostige Rohre und Algen bis zum erneuten falschen Vorwurf, Vandalen hätten das Becken sabotiert. „Wir haben eine Menge großartiger Dinge für Washington geplant, und ich könnte auch noch mehr über die Lage im Land erzählen – aber dafür reicht die Zeit nicht aus“, so Trump bei seinem letzten Auftritt vor den Wahlen.

Herausforderung für Demokraten

Die Demokraten hingegen ließen keine Gelegenheit aus, um auf die Unzufriedenheit über hohe Preise und die Folgen des Iran-Krieges zu verweisen. Auch sie stehen vor enormen Herausforderungen.

Hinweis

ORF.at begleitet die US-Zwischenwahlen ab Dienstagabend mit einem Liveticker.

Sie müssen all ihre derzeitigen Sitze verteidigen, darunter etwa in Michigan, wo ein enges Rennen bevorsteht, und zugleich mindestens zwei Bundesstaaten für sich gewinnen, in denen Trump vor zwei Jahren sehr stark war: in Alaska, Iowa, Kansas, Nebraska, Ohio, South Carolina und Texas.

Die Republikaner versuchten während des Wahlkampfs, ihre demokratischen Gegner als radikal, unamerikanisch und kommunistisch dazustellen. „Die Demokratische Partei hat die extremste und gefährlichste Riege von Kandidaten in der amerikanischen Geschichte aufgestellt“, sagte Trump.

Briefwahl boomt

Ob diese Erzählung verfängt, wird sich bald herausstellen. Für den Fall einer schweren Niederlage befürchten Trumps Kontrahenten, er könnte die Ergebnisse vom Dienstag anfechten. Widerholt warnte er bereits, die Zwischenwahlen könnten manipuliert werden.

Er säte auch Zweifel an der Briefwahl, die eher den Demokraten nutzen dürfte. Doch gerade beim „Early Voting“ gab es heuer einen deutlichen Anstieg im Vergleich zu den Midterms 2022. Bis Montag wurden in 47 Bundesstaaten sowie im District of Columbia mehr als 57 Millionen Stimmen abgegeben (2022 waren es in 49 Bundesstaaten und dem District of Columbia knapp 44,5 Millionen).

Eine Grafik zeigt die Verteilung der Demokraten und Republikaner im Senat und Repräsentantenhaus

Ergebnis könnte dauern

In vielen Staaten werden zuerst die am Wahltag persönlich abgegebenen Stimmen gezählt und erst danach die Briefwahlunterlagen verarbeitet, da das zeitaufwendiger ist. Das kann im Laufe der Auszählung zu deutlichen Verschiebungen im Gesamtergebnis führen.

Erst wenn die großen Fernsehsender auf Basis von Wählerbefragungen und ersten Auszählungen in mehr und mehr Staaten und Wahlkreisen Sieger ausrufen, festigt sich das Bild der Mehrheitsverhältnisse in Repräsentantenhaus und Senat. Der ORF bezieht sich in seiner Berichterstattung auf die Ausrufung von Siegerinnen und Siegern durch CNN. Ein erstes Gesamtbild wird es Mittwochfrüh (MEZ) geben. Wenn es sehr knapp ist, könnte es auch mehrere Tage dauern, bis klar ist, wer in den beiden Kammern vorn liegt.

Source: ORF · ORF.at

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