Spanien
Beim Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge sind am Mittwoch in Spanien mehr als 60 Menschen ums Leben gekommen. Die Regionalregierung von Kastilien-La Mancha bestätigte am Nachmittag 64 Tote, Dutzende Menschen wurden teils schwer verletzt in Krankenhäuser eingeliefert.
Online seit heute, 14.25 Uhr
Regionalpräsident Emiliano Garcia-Page befürchtete einen weiteren Anstieg der Opferzahl. Bei dem Unglück nahe der Stadt Urda kollidierte ein Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Bahngesellschaft RENFE mit einem offenbar auf den Gleisen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo. Die Unfallursache ist noch offen. Laut spanischen Medienberichten gibt es Hinweise auf menschliches Versagen.
Laut Angaben der Regionalregierung wurden alle verfügbaren Kräfte im Rahmen des regionalen Notfallplanes zur Unglücksstelle entsandt. Das Innenministerium in Madrid ordnete außerdem den Einsatz der Militärischen Nothilfeeinheit (UME) an. Rund 50 Verletzte wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht.
Hunderte Passagiere an Bord
Der Zusammenstoß ereignete sich kurz nach 9.00 Uhr zwischen dem Bahnhof Mora y Orgaz und Urda. An Bord der beiden Züge waren rund 550 Fahrgäste. Wie eine mit dem Vorfall vertraute Person laut Agenturberichten sagte, war ein Zug von Iryo aufgrund einer Signalstörung – auf Anweisung des Infrastrukturbetreibers ADIF – in der Nähe von Toledo zum Stehen gekommen, als er von einem anderen Hochgeschwindigkeitszug von RENFE gerammt wurde.
Durch die Wucht des Aufpralls entgleisten mehrere Waggons beider Züge. Aufnahmen zeigten ein Bild der Verwüstung: Trümmerteile und verbogenes Metall lagen auf einer Böschung verstreut, während Teile eines Zuges noch auf den Gleisen standen.
Passagiere an Bord schilderten dramatische Szenen. „Wir hörten ein gewaltiges Dröhnen, einen wirklich enormen Schlag, der zehn Sekunden andauerte, als ob der Zug entgleisen würde“, sagte ein Augenzeuge dem Radiosender COPE. Der Bürgermeister der nahe gelegenen Stadt Los Yebenes, Jesus Perez Martin, sprach von einer „entsetzlichen“ Situation. Gesundheitsministerin Monica Garcia rief die Bevölkerung zu Blutspenden auf.
Mehrere Waggons entgleist
Bei einem schweren Zugsunglück sind in Spanien Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Zwei Hochgeschwindigkeitszüge stießen nahe Urda in der Provinz Toledo zusammen. Mehrere Waggons entgleisten.
Wahlkampf unterbrochen
„Meine Anteilnahme, meine Solidarität und meine Unterstützung gelten allen Opfern und ihren Familien“, teilte Premier Pedro Sanchez auf X mit. Der spanische Regierungschef sagte eigenen Angaben zufolge alle Termine des Tages ab. Auch die oppositionelle Volkspartei (PP) sagte laut einem Sprecher alle Wahlkampfveranstaltungen im Vorfeld der vorgezogenen Parlamentswahl am 29. November ab. Der Spanische Fußballverband (RFEF) sagte alle für Mittwoch geplanten Pokalspiele ab.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich bestürzt. „Ich habe gerade die erschütternde Nachricht von dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Toledo erhalten“, schrieb sie. Ihr Mitgefühl gelte den Familien und Angehörigen der Opfer. „Europa trauert heute mit euch.“
Erinnerung an Unfall in Adamuz
Der Unfall weckt Erinnerungen an das schwere Zugsunglück im Jänner dieses Jahres bei Adamuz in Andalusien. Damals entgleiste ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug und stieß mit einem entgegenkommenden Zug von RENFE zusammen. Bei dem Unglück kamen 46 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt.
Mit rund 4.000 Kilometer Strecke hat Spanien das größte Netz für Hochgeschwindigkeitszüge in Europa. Das schwere Unglück nahe Adamuz hatte das Land erschüttert und eine Debatte über die Wartung der Infrastruktur und die Sicherheit der Passagiere ausgelöst. Auch Regierungschef Sanchez war nach dem Unglück in die Kritik geraten. Die Regierung hatte daraufhin Investitionen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro in das Streckennetz angekündigt.
Source: ORF · ORF.at
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