Hilfe für Oleschky
Die Hilfslieferungen für die von Russland besetzte und de facto ausgehungerte Frontstadt Oleschky sollen ab Freitag eintreffen. Das teilten die Menschenrechtsbeauftragten der Ukraine sowie Russlands mit. Derzeit laufen Entminungsarbeiten für einen sicheren Transport und Korridor. Unterdessen mehren sich kritische Stimmen und Warnungen vor einem Täuschungsmanöver Russlands.
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Bisher hält laut dem ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez und seiner russischen Kollegin Jana Lantratowa die bis Sonntag angesetzte Waffenruhe in der Stadt im Süden der Ukraine. „Beide Seiten erfüllen ihre Verpflichtungen“, sagte Lantratowa am Donnerstag. Laut Ukraine gab es auch in der nahe gelegenen Stadt Cherson vorerst keine neuen Angriffe.
Die Waffenruhe ist Voraussetzung für die Evakuierung der seit Monaten umkämpften Stadt Oleschky und für die Lieferung unter anderem von Lebensmitteln und Medikamenten, die dringend benötigt werden. Zwischen 1.700 und 2.000 Menschen sind derzeit noch in der Stadt, die vor dem Krieg rund 24.000 Bewohner und Bewohnerinnen zählte. Die humanitäre Lage ist prekär, es fehlt an Essen und medizinischer Versorgung, aber auch an Strom, Gas und fließendem Wasser.
Am Samstag soll es die Möglichkeit geben, über einen humanitären Hilfskorridor die Stadt zu verlassen. Die in die Ukraine ausreisenden Bewohner und Bewohnerinnen sollen in die russische Schwarzmeer-Stadt Anapa gebracht und von dort nach Gomel in Belarus ausgeflogen werden, von wo aus sie dann weiter in die Ukraine reisen können. Bisher war das Verlassen der Stadt lebensgefährlich, da viele Straßen vermint sind.
Papst und Melania Trump setzten sich für Waffenruhe ein
Lubinez und Lantratowa dankten erneut US-First-Lady Melania Trump, die die bis 1. November dauernde Waffenruhe für Oleschky und die umliegenden Gebiete einschließlich der Region Cherson vermittelt hatte. Auch Papst Leo XIV. hatte sich bei Telefonaten mit Kreml-Chef Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für die humanitäre Feuerpause in dem seit 2022 andauernden Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine eingesetzt.
Laut dem US-Präsident Donald Trump zugeneigten US-Sender Fox News unterzeichneten Lubinez und Lantratowa das Abkommen zur Feuerpause vergangene Woche. Melania Trumps Berater Marc Beckman gab gegenüber dem Sender an, dass alleine sie den Deal ausgehandelt habe, ohne Unterstützung durch das Weiße Haus. Es gebe sehr detailreiche Pläne für die Hilfslieferungen und Evakuierungen, die unter anderem Kühl-Lkws für den Abtransport von Leichen vorsehen.
Laut Bericht sollen alleine Zivilisten von beiden Seiten die gesamte Mission, die bis zu einer Woche dauern soll, leiten. Eine Verlängerung der Aktion sei möglich, so Beckman. Laut Fox News sollen auch nach der laufenden Mission mindestens einmal pro Monat Hilfslieferungen kommen. Weiters werden vier US-Journalisten von dem als rechtskonservativ geltenden Medium Newsmax, das auch Verschwörungstheorien verbreitet, von Ort und Stelle berichten. Die Journalisten begleiten Lantratowa laut ihren Angaben nach Oleschky.
Ausgangspunkt für russische Angriffe
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges 2022 ist Oleschky von Russland besetzt. Die Stadt liegt am Ufer des Flusses Dnipro und damit direkt im Frontgebiet. Vor rund drei Jahren war Oleschky von der Überschwemmung durch die Sprengung des Kachowka-Staudamms betroffen und wurde dabei fast vollständig überflutet. Dabei verloren viele Menschen ihre Dokumente, was es schwierig machen könnte, sie in ein anderes Gebiet zu bringen.
Russland nutzt die Stadt als Ausgangspunkt für Angriffe Richtung Cherson, die Ukraine wiederum beschießt ihrerseits die Stellungen der Russen in und um die Stadt. Ende September wurde die Lage der Menschen im Rahmen der UNO-Vollversammlung in New York Thema, nachdem zuvor selbst Moskau kritische Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten eingeräumt hatte. Die Ukraine und Russland werfen einander vor, Hilfe zu blockieren.
Für die Ukraine ist die Mission mehr als heikel. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt sind, abseits gezielt an Ort und Stelle versetzter russischer Besatzer ukranische Staatsangehörige, die dringend Hilfe benötigen. Nach einer Ausreise können sie womöglich nie wieder in die weiterhin von Russland besetzte Stadt zurückkehren, was einige davon abhalten dürfte, überhaupt zu gehen.
Waffenruhe gibt Russland Zeit für Neuordnung
Russland hat unterdessen durch die Feuerpause Zeit, die eigenen Truppen und damit Angriffslinie neu zu ordnen und mit den Einheiten näher an den Fluss Dnipro zu rücken, zitiert der Nachrichtensender n-tv einen „Alex“ genannten ukrainischen Oberleutnant. Diese Meinung teile auch das Institut für Kriegsstudien (ISW), so der Sender.
Die russische Verwaltung habe die Menschen in Oleschky seit Mai gezielt und entgegen internationalen Abkommen und den Pflichten als Besatzungsmacht ausgehungert, so das ISW, und habe das etwa damit erklärt, dass die Straßen vermint und voller Wracks seien. Diese werden nun für die Hilfstransporte entfernt, und die Wege sind dann womöglich auch für die Verlegung von militärischer Ausrüstung frei.
Lawrow will für Ende der Sanktionen werben
Putin warf unterdessen der Ukraine vor, Oleschky gezielt durch die Verminung von der Außenwelt abgeschnitten und so „praktisch eine humanitäre Katastrophe“ geschaffen zu haben. Das sagte er beim Russland-Afrika-Gipfel in Moskau. Der russische Präsident ließ unerwähnt, dass er den Angriffskrieg begonnen und die Besetzung von Gebieten in der Ukraine befohlen hat.
Am Freitag und Samstag wird der russische Außenminister Sergej Lawrow beim Treffen der G-20-Außenminister in den USA erwartet. Dort soll er nach Angaben aus Moskau auf eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland drängen. Lawrow werde sich in seinen Reden gegen die „destruktive“ Politik „einiger Mächte“ wenden, die „wirtschaftliche Waffen“ wie „Sanktionen, Handelskriege und die Unterbrechung von Lieferketten“ gegen ihre Gegner einsetzten, hieß es am Donnerstag.
Source: ORF · ORF.at
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