Ukraine
Mit schweren Luftangriffen hat Russland in der Nacht auf Dienstag die Ukraine getroffen. Im Fokus standen einmal mehr wichtige Infrastruktur wie Energieanlagen sowie Krankenhäuser. Schon am Montag forderten russische Angriffe in der Region Saporischschja mindestens 29 Menschenleben. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte auf Basis von Geheimdienstinformationen vor einem russischen Großangriff gegen die Ukraine während der US-Kongresswahlen gewarnt.
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„Es sagt viel aus, dass dies am Tag der Kongresswahlen in den USA passiert“, so Selenskyj am Dienstag. „Die Russen glauben, dass die Amerikaner dieses Signal übersehen werden. Aber solcher Terror muss wahrgenommen und beendet werden.“ Wie am Dienstag bekanntwurde, wird Selenskyj noch am selben Tag in Berlin zu einem Treffen mit dem deutschen Kanzler Friedrich Merz (CDU) erwartet.
In der Nacht auf Dienstag wurde bei dem russischen Großangriff auch ein Krankenhaus in der Großstadt Charkiw getroffen. Dort wurden laut offiziellen Angaben mindestens 73 Menschen verletzt, über 200 Patienten und Patientinnen mussten in andere Spitäler verlegt werden. Rund 1.000 Fenster des Krankenhausgebäudes und umliegender Häuser wurden aufgrund der Detonationen beschädigt.
Aus der südukrainischen Großstadt Dnipro meldeten die Behörden einen Toten und mehr als ein Dutzend Verletzte. Auch hier wurde eine medizinische Einrichtung beschädigt, in der 100 Menschen behandelt wurden. Laut ukrainischen Angaben, die im Detail nicht überprüfbar sind, wurden bei den Angriffen in der Nacht mehrere ballistische Raketen vom Typ Iskander-M und Zirkon, fast 60 Marschflugkörper und knapp 290 Kampfdrohnen eingesetzt.
„Hinterhältiger Terroranschlag“
Der verheerende Luftangriff auf den Ort Komyschuwacha bei Saporischschja am Montag ereignete sich, als sich Menschen an einer Schule versammelten, um humanitäre Hilfe zu bekommen. Nach wie vor gelten Dutzende als vermisst.
Es könne Russland nicht entgangen sein, dass die in Komyschuwacha verbliebenen Bewohner und Bewohnerinnen dort jede Woche humanitäre Hilfe erhalten, so Selenskyj. Er sprach von einem „hinterhältigen Terroranschlag“. Der Ort ist rund zehn Kilometer von der Front entfernt.
Wärmekraftwerke im Visier
Laut dem russischen Verteidigungsministerium von Dienstag wurden neben Hafeninfrastruktur in der Region Odessa gezielt Wärmekraftwerke in den Gebieten Winnyzja, Dnipropetrowsk und Charkiw sowie mehrere Umspannwerke getroffen. DTEK, das zu den größten privaten Energieunternehmen der Ukraine zählt, meldete den Ausfall von drei Wärmekraftwerken: „Die Zerstörungen sind enorm. Die Kraftwerke haben die Stromerzeugung eingestellt.“
Die Folge waren wieder großflächige Stromausfälle. In der nördlichen Region Schytomyr waren 180.000 Haushalte in rund 130 Orten davon betroffen. Auch in Odessa gab es Notabschaltungen.
Ukraine griff russische Raffinerie an
Auch die Ukraine nimmt bei ihren Gegenangriffen Energieanlagen ins Visier. Moskau teilte mit, in der Nacht auf Dienstag mehr als 850 Drohnen abgefangen zu haben. Das ist nicht überprüfbar, ist allerdings eine der höchsten jemals gemeldeten Zahlen. In der Stadt Jaroslawl 250 Kilometer nordöstlich Moskaus wurden Behörden zufolge Schäden an der Raffinerie gemeldet. In Moskau musste in allen vier Flughäfen der Betrieb vorübergehend eingeschränkt oder eingestellt werden.
Neue Gespräche in Abu Dhabi geplant
Ein Ende des Krieges ist derzeit nicht absehbar, obwohl in der kommenden Woche Gespräche zwischen beiden Seiten unter Vermittlung von Abu Dhabi stattfinden sollen. Das bestätigten die USA und der Kreml. Bei den Gesprächen soll es laut US-Sondergesandtem Steve Witkoff um Sicherheitsvereinbarungen nach dem Krieg, Deeskalation und humanitäre Hilfsmaßnahmen gehen.
Es solle die „Mission“ von US-Präsident Donald Trump zur Beendigung des Krieges vorangetrieben werden, so Witkoff. Noch in dieser Woche solle es mit Vertretern und Vertreterinnen aus Europa und der NATO vorbereitende Treffen mit US-Unterhändlern in Brüssel geben.
Source: ORF · ORF.at
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