Qiulae Wong
In Neuseeland wird am Samstag ein neues Parlament gewählt. Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der konservativen National Party von Premierminister Chris Luxon und der Labour Party von Chris Hipkins voraus. Davon profitieren könnte die bisher unbedeutende Opportunity Party der politischen Newcomerin Qiulae Wong. Die 38-Jährige, die erst vor einem Jahr in die Politik ging, könnte zur „Königsmacherin“ werden.
Online seit heute, 6.32 Uhr
Wongs politische Laufbahn begann im August 2025: Die ehemalige KPMG-Beraterin wurde damals auf eine Stellenanzeige der Opportunity Party aufmerksam. Die Zentrumspartei, die es bisher noch nie den Einzug ins neuseeländische Parlament geschafft hatte, suchte nach einer neuen Spitze.
Wong bewarb sich eigenen Aussagen nach sofort – und war erfolgreich. „Es war eine sehr kurze E-Mail, in der ich schrieb: ‚Das ist wirklich interessant. Ich habe keine Erfahrung in der Politik, bin aber sehr daran interessiert, was das mit sich bringen könnte‘“, wird sie in einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert.
Kleinpartei als Zünglein an der Waage
Knapp ein Jahr später könnte sie ihrer Partei „einen historischen Durchbruch“ bescheren, so Bloomberg. In jüngsten Umfragen von 1News Verian und RNZ-Reid Research kommt ihre Partei immerhin auf sechs bis sieben Prozent. Für den Einzug ins Parlament sind fünf Prozent der Stimmen nötig.
Die Partei wird damit womöglich zum Zünglein an der Waage. Den Umfragen zufolge verfügt nämlich weder die regierende Koalition aus der konservativen National Party, der rechtsliberalen Partei Act sowie der populistischen New Zealand First (NZ First) noch das linke Bündnis aus Labour, den Grünen und Te Pati Maori über eine absolute Mehrheit. Um eine Regierung zu bilden, sind mindestens 61 der 120 Sitze im Parlament nötig.
Lebenshaltungskosten im Fokus
Im Fokus der Wahl stehen neben den steigenden Lebenshaltungskosten auch das Gesundheitswesen, der Zustand der Wirtschaft und das Thema Arbeitslosigkeit. Neuseeland kämpft mit den Nachwehen einer langen wirtschaftlichen Flaute. Das könnte vor allem zulasten des amtierenden Premier Luxon gehen: Er hatte die vergangene Wahl 2023 immerhin mit Wirtschaftsversprechen gewonnen.
Im Wahlkampf warb der Chef der Nationalpartei nun mit Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung. Labour-Chef Hipkins warf ihm hingegen Scheitern vor und versuchte seinerseits, mit Maßnahmen zur Senkung der Lebenshaltungskosten zu punkten. Hipkins, der 2023 die Nachfolge von Premierministerin Jacinda Ardern antrat, verfüge allerdings nicht über deren „Popularität“, merkte das Magazin „Economist“ an.
Die Opportunity Party habe an Auftrieb gewonnen, da die Unterstützung für die beiden großen Parteien nachgelassen habe, sagte Brigitte Morten, eine ehemalige Beraterin der National Party, dazu gegenüber der „Financial Times“. „Sie haben das politische Vakuum aufgerüttelt und viel Lärm gemacht“, so Morten.
Bedingungsloses Grundeinkommen als Wahlversprechen
Die Partei tritt für ein bedingungsloses Grundeinkommen von bis zu 19.400 Neuseeland-Dollar (rund 9.750 Euro) im Jahr ein, das die meisten anderen Sozialleistungen ersetzen soll. Finanziert werden soll dieses durch eine Bodenwertsteuer. Konkret tritt die Partei für eine jährliche Abgabe von 1,75 Prozent in städtischen Gebieten und 0,5 Prozent in ländlichen Gebieten ein. Dadurch soll zudem die Spekulation mit Grundstücken eingedämmt und Wohnen leistbarer werden.
Außerdem tritt Wongs Partei für stärkere Befugnisse für die Wettbewerbsbehörde zur Bekämpfung von Lebensmittel- und Energiepreisen, verbesserte Maßnahmen zum Klimaschutz und einem sofortigen Ende der Grundschleppnetzfischerei ein.
Auf Arderns Spuren?
„Als politische Newcomerin hat Wong eine Begeisterung ausgelöst, wie sie seit dem kometenhaften Aufstieg von Jacinda Ardern nicht mehr zu beobachten war“, so Bloomberg. Ardern übernahm 2017 im Alter von 37 Jahren die Führung der Labour Party und stieg zur Premierministerin auf. Sie trat einst als Kandidatin für den Wahlkreis Mount Albert in Auckland an. Im selben Wahlkreis kandidiert heute auch Wong.
Grundsätzlich kann sich die Partei, deren Wahlkampf der Opportunity Party vom ehemaligen Ardern-Minister Iain Lees-Galloway geleitet wird, eine Zusammenarbeit mit beiden politischen Lagern vorstellen. In den beiden größten Parteien – National Party und Labour – gibt es aber Berührungsängste.
Konkurrenz für bisherigen „Königmacher“
Premier Luxon schloss ein Abkommen mit der Opportunity-Partei aufgrund ihrer Steuerpolitik aus. Eben jene sorgt auch für Kritik aus Labour-Reihen. Die einstige Labour-Premierministerin Helen Clark nannte diese „Fantasie, die sich als Politik tarnt“.
„Schärfster Kritiker“ der Partei sei dem „Economist“ zufolge jedoch Winston Peters, Außenminister und NZ-First-Vorsitzender. Der Rechtspopulist habe sich lange Zeit als „Königsmacher Neuseelands positioniert und jeweils zweimal Regierungen unter Führung von Labour und der Nationalpartei unterstützt. Kein anderer Vorsitzender einer kleineren Partei konnte ihm diese Rolle bisher streitig machen – bis jetzt“, schreibt das Magazin.
Source: ORF · ORF.at
At a glance
- Topic
- World
- Country
- 🇦🇹 AT
- Publisher language
- DE
- Added to Allnira