Zerstörtes Rathaus von Limoges

Nach dem Feuer im Rathaus der zentralfranzösischen Stadt Limoges während der landesweiten Ausschreitungen am Wochenende hat die Polizei nun einen mutmaßlich an der Brandstiftung beteiligten Mann gefasst. Spezialeinsatzkräfte hätten den Verdächtigen in einem Ort im Umland festgenommen, berichteten französische Medien unter Verweis auf die Polizei.

Online seit gestern, 12.48 Uhr

Es handle sich um einen polizeibekannten 40 Jahre alten Linksextremisten, der von den Behörden als sicherheitsrelevant erfasst ist, berichteten am Dienstag unter anderem die Zeitung „Le Parisien“ und der Sender CNews unter Verweis auf die Polizei.

Der Verdächtige sei nach Informationen des Senderts RTL den Ermittlern unter anderem auch wegen Gewalt gegen Amtsträger bereits bekannt. Die Festnahme durch Beamte einer Anti-Terror-Einheit sei am Dienstag in der Früh im rund 50 Kilometer von Limoges entfernten Val d’Issoire erfolgt, heißt es bei „Le Figaro“.

Das Brennende Rathaus in Limoges
Der Turm des Rathauses stürzte bei dem Feuer in der Nacht auf Sonntag ein

Ausschreitungen und Brandstiftung

Die rund 130.000 Einwohner und Einwohnerinnen zählende Stadt Limoges war am Samstag einer der zentralen Schauplätze der landesweiten, von schwerer Gewalt und Ausschreitungen begleiteten Proteste. Nach Angaben der Präfektur waren unter den rund 2.000 Menschen, die sich am Nachmittag im östlichen Stadtteil Casseaux versammelten, auch „mehr als 500 Personen, die gezielt die Konfrontation suchten“. Etliche Polizisten wurden verletzt, vier Einsatzfahrzeuge zerstört, wie Euronews zu den Protesten in Limoges berichete.

Demnach drangen auch einige Vermummte in das rund 140 Jahre alte Rathaus ein und legten zunächst im Erdgeschoß Feuer. Dieses habe in Folge dann auch das Dach erfasst. Bilder des brennenden Gebäudes gingen um die Welt. Das brennende Rathaus von Limoges wurde zu einem Sinnbild der Gewalttaten, die sich teils direkt gegen Symbole der Staatsgewalt richteten.

„Feuerwehr wacht weiterhin über Rathaus“

Auch ein Großaufgebot der Feuerwehr konnte das Rathaus nicht retten. „Das Rathaus von Limoges, ein denkmalgeschütztes und für alle wichtiges Wahrzeichen, wurde weitgehend zerstört“, teilte die Stadt am Sonntag mit.

„Die Feuerwehr wacht weiterhin über das Rathaus“, auch die Sicherung der Kunstwerke sei nach Angaben der Stadt vom Dienstag weiter im Gange. „Parallel dazu haben sich Mitarbeiter der Stadtverwaltung organisiert, um Material und Verwaltungsunterlagen zu bergen, damit die Dienstleistungen für die Bevölkerung so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden können.“

Bürgermeister sieht Versagen des Staates

Der konservative Bürgermeister von Limoges, Guillaume Guerin, warf dem Staat Versagen vor. Die Polizei habe „nicht genügend Mittel“ gehabt und sei vor den Randalierern zurückgewichen, erklärte er. Er forderte, dass der Staat das Rathaus wieder aufbauen solle.

Premierminister Sebastien Lecornu sagte staatliche Unterstützung beim Wiederaufbau zu und kündigte für Freitag einen Besuch in Limoges an. Auch andere Bürgermeister, unter anderem aus Paris, Marseille und Lyon, hatten nach den Unruhen das Fehlen von Einsatzkräften und deren mangelnde Vorbereitung angeprangert.

Dutzende in Untersuchungshaft

Am Wochenende waren landesweite Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten in Frankreich von schweren Ausschreitungen und Plünderungen begleitet worden. Die französische Regierung kündigte ein hartes Vorgehen an.

Justizminister Gerald Darmanin teilte mit, von den am Wochenende Festgenommenen säßen 123 Personen in Untersuchungshaft und warteten auf ihren Prozess. Rund 2.500 befänden sich zur Vernehmung in Gewahrsam.

Weiter lokale Ausgangssperren

In mehreren Städten, darunter Paris, waren am Montagabend Beschränkungen verhängt worden. In Paris war ab 23.00 Uhr und bis Dienstag um 6.00 Uhr jegliche Anwesenheit in Bereichen um den zentralen Platz der Republik und im Viertel Les Halles strengstens untersagt. Außerdem gab es ab 20.00 Uhr Versammlungs- und Demonstrationsverbote in bestimmten Vierteln der Metropole.

Demonstrationsverbote und eine Ausgangssperre wurden auch in Lyon verhängt. Dort durften sich Menschen in der Nacht auf Dienstag nur in den Straßen aufhalten, wenn sie dafür zuvor festgelegte Gründe nennen konnten. Für Minderjährige gab es zudem Ausgangssperren in Nizza sowie den nordfranzösischen Städten Lille, Douai, Wattignies und Denain.

Die Ausgangssperren haben die Lage nach Angaben von Premierminister Lecornu beruhigt. Sie hätten dazu beigetragen, „dass diese Nacht ruhig verlief“, teilte er am Dienstag mit. „Heute Abend werden dort, wo es die Lage erfordert, neue Ausgangssperren beschlossen.“ Diese Entscheidungen zu Ausgangssperren würden von den Präfekten in Abstimmung mit den Bürgermeistern getroffen.

Source: ORF · ORF.at

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