Zu Halloween gesammelt
Mittlerweile sind in mehreren österreichischen Bundesländern zu Halloween gesammelte Süßigkeiten aufgetaucht, die mit Metallgegenständen präpariert waren. Wie das Bundeskriminalamt (BK) der APA am Abend mitteilte, sind bisher die Bundesländer Oberösterreich, die Steiermark und Niederösterreich betroffen. Das BK warnte Eltern und andere Erziehungsberechtigte, die mit den Kindern gesammelten Naschsachen vor dem Verzehr zu kontrollieren.
Online seit heute, 21.15 Uhr
Der bisher wohl gefährlichste bekanntgewordene Fall betrifft Linz: Dort haben Unbekannte Halloween-Süßigkeiten mit Nägeln präpariert. Ein 28-jähriger Vater hat in Schokoriegeln und Kaubonbons, die seine Kinder gesammelt hatten, Nägel gefunden, berichtete die Polizei am Montag. Die Exekutive warnte vorsorglich vor dem Verzehr von Halloween-Süßigkeiten, die im Stadtteil Linz-Oed gesammelt wurden.
Die Nägel in Linz hatten laut Polizei eine Länge von einem Zentimeter. Teils seien sie offenbar von außen hineingedrückt worden und gut sichtbar gewesen, teils seien sie in den Süßigkeiten versenkt und nicht zu erkennen gewesen, so eine Polizeisprecherin. Man geht davon aus, dass die Naschereien händisch präpariert wurden. Ermittelt wird derzeit wegen des Verdachts der absichtlich schweren Körperverletzung. Zu konkreten Ermittlungsschritten gab man sich bei der oberösterreichischen Exekutive eher bedeckt – mehr dazu in ooe.ORF.at.
Vier Fälle in steirischen Bezirken Weiz und Leibnitz
Die steirische Polizei bestätigte am Abend einen Bericht des „Kurier“. Derzeit seien vier Fälle in den Bezirken Weiz und Leibnitz bekannt. Um welche metallischen Gegenstände es sich handelt, gab die Polizei nicht bekannt. Dem „Kurier“ zufolge könnte es sich unter anderem um eine Büroklammer handeln.
Verletzt wurde laut steirischer Polizei bisher niemand. Die Exekutive riet, die in der Halloween-Nacht gesammelten Süßigkeiten vor dem Verzehr genau zu überprüfen. Die Ermittlungen der steirischen Landespolizeidirektion laufen gegen unbekannte Personen.
Fall im Bezirk Amstetten
Am Abend wurde ein weiterer Fall in Niederösterreich bekannt. Dabei sind mit Metall präparierte Naschsachen im Bezirk Amstetten aufgetaucht. Näheres wollen die Polizeibehörden am Dienstag bekanntgeben.
„Die Polizei nimmt diese Vorfälle sehr ernst. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren und werden hinsichtlich möglicher Zusammenhänge durch das Bundeskriminalamt geprüft und koordiniert“, hieß es in der Stellungnahme des BK.
Auf Verpackungen achten
Nach derzeitigem Ermittlungsstand würden aber keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen den angezeigten Fällen vorliegen. Die Öffentlichkeit werde informiert, sobald neue, gesicherte Erkenntnisse vorliegen.
Die Warnung präzisierte das BK weiter dahin, dass „insbesondere“ darauf zu achten sei, „ob Verpackungen beschädigt oder manipuliert wurden und ob sich Fremdkörper, insbesondere metallische Gegenstände, in den Süßigkeiten befinden“. Bei verdächtigen Feststellungen sollte sofort die Polizei verständigt werden.
Etliche Funde in Deutschland
Offen ist, ob die Taten durch Social Media oder ähnliche Fälle in Deutschland befeuert worden sein könnten. Dort haben am Wochenende ebenfalls Kinder in ihren eingesammelten Halloween-Süßigkeiten Nadeln oder andere Metallobjekte gefunden.
Im bayrischen Landshut etwa steckten Schrauben in Kaubonbons und Schokoriegeln. Eine Neunjährige aus Hannover fand in drei einzeln verpackten Süßigkeiten – einem Schokoriegel und zwei Kaubonbons – jeweils eine Nähnadel. In Essen bemerkte ein Vater verdächtige Einstichlöcher in der Verpackung eines Schokoriegels, den sein 13-jähriger Sohn bekommen hatte. Er entdeckte eine spitze Nadel.
Durch einen manipulierten Schokoriegel verletzte sich mittlerweile ein Mädchen in Niedersachsen. Die Neunjährige erlitt durch eine gut fünf Zentimeter lange Stecknadel in dem Riegel eine Verletzung an der Zunge, als sie die Süßigkeit naschen wollte, wie die Polizei mitteilte. Zur Schwere der Verletzung konnte die Polizei nichts sagen.
Bericht über manipulierten Schokoriegel im Supermarkt
In Garbsen bei Hannover meldete eine Frau eine Nähnadel in einem Schokoriegel, den sie nach eigenen Angaben am Freitag bei einem Lebensmittelhändler gekauft hatte. An der Verpackung und der Süßigkeit seien keine Auffälligkeiten erkennbar gewesen, die auf eine Manipulation hingedeutet hätten.
Mittlerweile meldete sich der Diskonter Lidl in dem Fall zu Wort: „Wir nehmen den Hinweis sehr ernst“, teilte das Unternehmen auf Anfrage der dpa mit. Zu Ursachen und weiteren Hintergründen äußerte sich Lidl unter Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht.
Verweis auf ärztliche Hilfe, Warnung vor Panik
Besteht der Verdacht, dass ein Kind eine Nadel verschluckt hat, ist sofort ärztliche Hilfe erforderlich: Spitze Gegenstände können schwere innere Verletzungen verursachen. Die Polizei in Deutschland sagte auch, dass verdächtige Süßigkeiten samt Verpackung aufbewahrt und der Polizei gemeldet werden sollen. „Mögliche Fremdkörper sollten nach Möglichkeit nicht selbst entfernt werden, um vorhandene Spuren zu erhalten“, so die Polizei in Konstanz am Bodensee.
Gleichzeitig warnen die Behörden aber vor Panik. „Nicht jeder Kopfschmerz oder jede Übelkeit muss auf den Verzehr von möglicherweise manipulierten Süßigkeiten zurückzuführen sein“, schrieb etwa die Polizei Bad Segeberg im deutschen Bundesland Schleswig-Holstein.
Ermittlungen schwierig
Die Herkunft einzelner Süßigkeiten lässt sich nur schwer rekonstruieren. Nachdem Kinder an zahlreichen Haustüren läuten, fällt es im Nachhinein schwer zu sagen, woher welche Süßigkeit stammt. Entsprechend schwierig werden sich wohl die Untersuchungen gestalten, da damit gleich ganze Straßenzüge untersucht werden müssen.
Auch in früheren Jahren gab es ähnliche Funde. 2025 entdeckte etwa eine Mutter in Mittelfranken einen zwei Zentimeter langen Nagel in einer Süßigkeit ihrer Tochter. Die aktuelle Häufung von Fällen in Deutschland und nun auch mit Fällen in Österreich ist jedenfalls sehr auffällig. Inwieweit etwa ein Aufruf in sozialen Netzwerken dahinterstehen könnte, ist noch völlig unklar. In Deutschland machte das Bundeskriminalamt bisher keine Angaben zu Details.
Source: ORF · ORF.at
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