Verärgerung in China
Mehrere chinesische Sponsoren haben am Dienstag das Ende der Zusammenarbeit mit dem französischen Fußballstar Kylian Mbappe verkündet. Er soll mit Äußerungen über Revolutionsführer Mao Zedong (1893–1976) die Gefühle der Chinesen verletzt haben. Eine Entschuldigung des Real-Madrid-Stürmers ließ nicht lange auf sich warten.
Online seit heute, 13.36 Uhr
„Meine Äußerung war unüberlegt, und mir ist nun klar, dass sie viele Menschen in China und in chinesischen Gemeinschaften auf der ganzen Welt verletzt hat“, erklärte Mbappe am Dienstag in einer Stellungnahme. „Ich entschuldige mich bei allen, die sich durch meine Worte verärgert gefühlt haben“, sagte er. „Das war absolut nicht meine Absicht. Ich habe tiefen Respekt vor dem chinesischen Volk und seiner Geschichte, und es tut mir aufrichtig leid.“
Der Aufregung war ein Interview Mbappes mit der französischen Onlinetalkshow „The Bridge“ vorausgegangen. Darin soll er gesagt haben, das lustigste Meme, das er über sich selbst kenne, sei eines, bei dem sein Gesicht auf das von „irgendeinem Typen – ich glaube, er ist ein chinesischer Diktator“ montiert worden sei. Das Originalvideo ist auf dem YouTube-Kanal der Sendung aber nicht verfügbar, und es ist unklar, wann das Interview erstmals ausgestrahlt wurde.
Im Internet sind tatsächlich Memes im Umlauf, auf denen das Gesicht des 27-jährigen Fußballstars auf ein Bild von Chinas Revolutionsführer Mao Zedong montiert ist. Seit mehreren Jahren kursieren Memes, die den Stürmer von Real Madrid in Fotomontagen mit historischen politischen Anführern als Diktator zeigen. Hinter den Scherzen stehen Vorwürfe, Mbappe trete selbstgefällig und geradezu autoritär auf, auch auf dem Fußballplatz.
Schmaler Grat
In einem Interview mit dem Sportsender DAZN gab Mbappes Teamkollege, der Torhüter Thibault Courtois, kürzlich an, seine Mannschaft habe den Witz aufgegriffen und singe in der Umkleidekabine vom „Diktator“ Mbappe. „Ich nutze das (die Bezeichnung; Anm.) häufig in Onlinechats, beim Playstationspielen mit meinen Freunden“, sagte Mbappe gegenüber „The Bridge“.
In einem Interview mit der französischen Zeitung „L’Equipe“ im vergangenen Monat hielt er aber auch fest, dass vieles davon zwar harmloser Spaß sei, die viralen Memes, die ihn als Diktator darstellten, jedoch „einen Mangel an politischem und menschlichem Bewusstsein“ zeigten.
Die Aufregung nahm Montagabend seinen Beginn, als das chinesische Fußballforum Dongqiudi in einer Stellungnahme auf die Kommentare aufmerksam machte und diese als „unangemessen“ und „verletzend“ bezeichnete. Screenshots des Clips und des Memes verbreiteten sich in Windeseile in den chinesischen sozialen Netzwerken.
„Nationale Gefühle verletzt“
Die Lebensmittelhersteller Dongpeng und Mengniu sowie die Onlineplattform Xiaohongshu gaben am Dienstag in fast identischen Formulierungen bekannt, dass sie ihre Zusammenarbeit mit Mbappe mit sofortiger Wirkung beenden würden. Sie forderten „Nulltoleranz“ gegenüber Handlungen und Äußerungen, „die die nationalen Gefühle verletzen“.
In China gelten Satire oder Witze über Mao als respektlos und sind nach wie vor ein gesellschaftliches Tabu. Die staatliche Zeitung „China Daily“ schrieb über Mbappe: „Eine Bemerkung über ein Meme hat bei seinen chinesischen Fans eine Gegenreaktion ausgelöst, seine lukrativen Geschäftsbeziehungen gefährdet und deutlich vor Augen geführt, wo die Grenzen des Einflusses von Prominenten liegen.“ Auch viele andere chinesische Medien verurteilten am Dienstag die mutmaßlichen Äußerungen Mbappes.
Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte, dass Worte und Taten, die die Gefühle des chinesischen Volkes verletzten, „natürlich auf gemeinsamen Widerstand aus allen Bereichen der chinesischen Gesellschaft stoßen werden“. Dem staatlichen Onlinemedium The Paper zufolge hat der öffentlich-rechtliche Fernsehsender CCTV beschlossen, die Übertragung aller Spiele der spanischen Liga mit Mbappe auszusetzen und alle Werbespots mit ihm zu entfernen.
Enorme Präsenz
Mbappe ist in China äußerst beliebt, wo der Fußball trotz der mageren Ergebnisse der Nationalmannschaft, die sich seit ihrer einzigen Teilnahme im Jahr 2002 nicht mehr für die Weltmeisterschaft qualifiziert hat, große Begeisterung hervorruft. Die Leistungen und das Leben der Fußballgrößen werden dort aufmerksam verfolgt.
Mbappe hat Millionen von Followern in Chinas sozialen Netzwerken. Werbespots, die sein Bild verwendeten und mittels künstlicher Intelligenz generiert wurden, wurden während der vergangenen Weltmeisterschaft in großem Umfang von den Marken verbreitet, die ihm nun den Rücken kehren.
Source: ORF · ORF.at
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