Ingrid Brodnig
Lauter schlechte Ideen, wofür man KI einsetzen kann
Manchmal ist das Silicon Valley wie eine Persiflage seiner selbst. Es möchte uns KI-Tools für Tätigkeiten aufdrängen, wo der Mensch nicht ersetzt werden sollte
Marissa Mayer, frühere CEO von Yahoo, hat sich mit einer Aussage zur KI-Nutzung viel Spott eingefangen.
Manche Beispiele, wofür angeblich künstliche Intelligenz gut geeignet sei, lösen bei mir ein Schaudern aus. Die aktuell absurdeste Anekdote lieferte Marissa Mayer. Einst leitete sie Yahoo, zuvor war sie hochrangige Managerin bei Google, jetzt bietet sie ein eigenes KI-Produkt an – ein weiterer KI-Assistent, der alltägliche Aufgaben für einen erledigen soll. Um zu illustrieren, wie praktisch ihr Tool sei, erzählte sie von ihrer Tochter. Diese war gerade zehn geworden. Und die Lehrerin wollte, dass Mayer als Mutter drei Eigenschaften nennt, die ihre Tochter auszeichnen. Mayer fühlte sich von der Aufgabe und speziell der Bandbreite möglicher Antworten überfordert. Sie fragte ihr KI-Produkt. Die KI sagte: „Deine Tochter ist einfühlsam, kreativ und mag Tiere.“ Mayer erschien die Antwort anscheinend „perfekt“. Derzeit erlebt Mayer viel Häme für die Aussage. Ich kann die Kritik nachvollziehen. Denn etwas Liebevolles über das eigene Kind zu sagen, das ist der Inbegriff einer Aufgabe, für die man keine KI heranziehen sollte. Zwar haben Eltern auch mal das Recht, überfordert zu sein: Aber Mayer hat diese Anekdote in der New York Times erzählt – um ihr eigenes Produkt zu bewerben.
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Source: Der Standard
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