In vielen Ländern
Supermärkte in mehreren europäischen Ländern sind in der Nacht auf Montag Ziel von Cyberangriffen auf ihre Kühl- und Gefriersysteme geworden. Laut Angaben des Kühltechnikdienstleisters Sabcobel wurden sie aus der Ferne in den Abtaumodus versetzt. Die Temperaturen stiegen teils auf 50 Grad. Der Vorgang erinnert an den Cyberangriff auf französische Supermärkte vor etwa drei Wochen. Wie damals mussten verdorbene Waren in großer Zahl entsorgt werden.
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Von dem neuen Vorfall betroffen sind laut Berichten Supermärkte in Schweden, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Irland und Estland. Der mutmaßliche Cyberangriff habe dafür gesorgt, dass Kühlschränke und Tiefkühltruhen wärmer wurden, wie die belgische Nachrichtenagentur Bela und die schwedische Agentur TT berichteten. In Belgien sind unter anderem die Handelsketten Delhaize, Carrefour und Colruyt betroffen.
Delhaize teilte mit, dass eine „IT-Störung“ Kühlsysteme in Dutzenden seiner Supermärkte in Belgien und Luxemburg beeinträchtigt habe. Unternehmenssprecherin Sarah De Meester sagte, die Vorkommnisse würden untersucht. Delhaize hatte der niederländischen Polizei bereits im vergangenen Monat einen Cyberangriff gemeldet.
Carrefour teilte mit, 15 seiner 700 Filialen in Belgien seien beeinträchtigt gewesen. Colruyt gab bekannt, dass in vielen seiner Spar-Franchise-Geschäfte die Kühlsysteme angegriffen worden seien. Der belgische Fleischhauereibetreiber Luc De Laet bezifferte den Schaden in seinem Betrieb auf rund 15.000 Euro.
„In der Nacht Techniker mobilisiert“
Nach bisherigem Stand scheint das Ausmaß in Belgien geringer als zuletzt bei einem ähnlichen Angriff in Frankreich. Dort waren etwa 150 Geschäfte betroffen. Bei dem neuen Vorfall wurden die Anlagen nach Angaben von Sabcobel wie damals aus der Ferne in den Abtaumodus versetzt. „Wir haben heute Nacht ab 1.00 Uhr damit begonnen, Techniker zu mobilisieren, um die Situation unter Kontrolle zu bringen“, sagte Sabcobel-Vorstandschef Stephan Moelans zu Belga.
ICA: „Begrenzte Anzahl von Filialen betroffen“
In Schweden meldeten die Ketten ICA, Coop und Axfood einen plötzlichen Temperaturanstieg in den Kühlanlagen. „Uns ist bekannt, dass eine begrenzte Anzahl von Filialen in der Nacht von einem Vorfall betroffen war, der die Kühl- und Gefriersysteme der Geschäfte beeinträchtigt hat“, sagte der Konzernsprecher von ICA gegenüber TT.
„Alles ist verdorben“
„Es gab einen Cyberangriff, und alle unsere Tiefkühlschränke erreichten zehn Grad“, sagte Engla Ingwall, Verkaufsleiterin einer ICA-Filiale in Stockholm, der Nachrichtenagentur Reuters. „Alles ist verdorben.“
Der Supermarkt ICA Kvantum in dem Ort Sjöbo schrieb auf Facebook, die Temperatur in den Kühl- und Tiefkühlschränken sei auf bis zu 50 Grad gestiegen, die Probleme seien einem Hackerangriff geschuldet. Die ICA-Gruppe bestätigte das aber nicht. Auch sechs Supermärkte der Kette Coop meldeten Probleme mit den Kühlsystemen.
In den Niederlanden seien mindestens 17 kleinere Geschäfte betroffen, teilte das Kühltechnikunternehmen Danfoss mit. Eines der Unternehmen ist ein Lager für Tiefkühlprodukte. „Normalerweise sollten die Systeme dort auf minus 20 Grad eingestellt sein, aber in der vergangenen Nacht stellten wir fest, dass sie nur minus zehn Grad hatten“, wurde ein Danfoss-Sprecher vom Sender NOS zitiert.
Irland: Vorfälle in 13 SuperValu-Filialen
Aus Irland wurden entsprechende Vorfälle in 13 Filialen der Supermarktkette SuperValu gemeldet. Musgrave, der Eigentümer von SuperValu, bestätigte in einer Stellungnahme gegenüber dem irischen öffentlich-rechtlichen Sender RTE, dass der mutmaßliche Cyberangriff auf ein bestimmtes Kühlgerätemodell beschränkt sei. Ermittlungen würden bereits laufen.
Auch aus Estland wurde ein Fall bekannt. Ein Supermarkt der Handelskette Selver und das zuständige Kühltechnikunternehmen bestätigten den Vorfall. Laut den Angaben verschafften sich Angreifer Zugang zum Steuercomputer eines älteren Kühlsystems von Danfoss, dessen Software bisher nicht aktualisiert worden war. Wie in anderen Fällen sei die Temperatur auf 50 Grad gestellt worden, wie der öffentlich-rechtliche Sender ERR berichtete.
„Großangelegter Cyberangriff“ in Frankreich
Am 12. Oktober waren durch einen Cyberangriff in Frankreich in etwa 150 Filialen der Supermarktketten Intermarche und Cooperative U die Kühlanlagen beeinträchtigt worden. Gekühlte und gefrorene Waren mussten vernichtet werden. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem „großangelegten Cyberangriff auf die vernetzten Kühlsysteme mehrerer großer Lebensmittelmärkte im ganzen Land“.
Source: ORF · ORF.at
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