Reise in die Karibik

Der britische König Charles III. ist seit Dienstag neun Tage zu Staatsbesuchen in der Karibik unterwegs. Reisen in frühere Kolonialgebiete sind für die britischen Royals prinzipiell eine diplomatische Falle. Diesmal ist die Mission allerdings besonders heikel. Charles dürfte mit Rufen nach Reparationen für Sklavenhandel und Ausbeutung konfrontiert werden. Er will sich aber den „dunkelsten Tagen“ der Geschichte stellen.

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„Wir wissen, dass einiges von dem, was heute das Beste an der bahamaischen Kultur ausmacht – das Fröhlichste, das Hoffnungsvollste, das Strahlendste –, aus der Dunkelheit hervorgegangen ist“, sagte der Monarch am Dienstag gleich zum Auftakt seiner Reise bei einer Veranstaltung mit jungen Menschen in der Hauptstadt Nassau.

Es sei nur recht und billig, „das große Leid und die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit auf diesen Inseln und darüber hinaus anzuerkennen“, sagte der Monarch im Clifford Park in Nassau – ohne sich allerdings dafür zu entschuldigen. Eine kleine Gruppe von Demonstranten protestierte in der Umgebung mit Plakaten mit der Forderung: „Zahlt uns, was ihr uns schuldet“, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete.

Bahamas: König Charles III. erkennt „großes Leid“ der Sklaverei an

Der britische König Charles III. hat die Sklaverei während der britischen Kolonialzeit zum Auftakt seiner Karibik-Reise auf den Bahamas angesprochen. Es sei nur recht, „das große Leid und die Ungerechtigkeiten der Vergangenheit anzuerkennen“, so der Monarch – ohne sich allerdings zu entschuldigen.

Neuntägige Reise durch mehrere Länder

Die Reise führt den 77-jährigen britischen König in eine Region, in der die britische Kolonialgeschichte bis heute nachwirkt. Zunächst besucht er die Bahamas, anschließend Guyana an der südamerikanischen Atlantikküste und schließlich den Inselstaat Antigua und Barbuda. Dort nimmt er von 1. bis 4. November am Gipfel der Commonwealth-Staaten in der Stadt St. John’s teil.

Die 79-jährige Königin Camilla begleitet ihn auf dem letzten Teil der Reise. Guyana wurde 1970 zur Republik, auf den Bahamas sowie in Antigua und Barbuda ist Charles formales Staatsoberhaupt. In beiden Inselstaaten gibt es allerdings Bestrebungen, sich von der britischen Krone zu verabschieden, Proteste drohen. Die Reise ist Charles’ erste als König in die Karibik. Er ist seit 2022 als Nachfolger der verstorbenen Königin Elisabeth II. britischer König und als solcher auch Oberhaupt des 56 Länder umfassenden Commonwealth of Nations.

Das heiße Eisen Wiedergutmachung

Karibische Staaten fordern seit Jahren eine Aufarbeitung der britischen Rolle im transatlantischen Sklavenhandel und Wiedergutmachung, zuletzt wurden die Forderungen deutlicher. Für den König wird die Reise damit zur diplomatischen Gratwanderung. Der britische Historiker Anthony Seldon sprach vor wenigen Tagen gegenüber der BBC gar vom „größten Risiko seiner bisherigen Regentschaft“.

In Antigua etwa sind laut britischen Medienberichten Proteste angekündigt. Der Buckingham Palace erklärte, Charles werde auch den „dunkelsten Tagen unserer Vergangenheit“ nicht ausweichen. Im Mittelpunkt der Reise sollen jedoch die Gegenwart und Zukunft der besuchten Länder stehen. Einen Schwerpunkt bildet der Umweltschutz – eine Art „Komfortzone“ für den König, wie Verfassungsexperte Craig Prescott von der Royal Holloway Universität meinte. Die schwierigen Fragen könnten hinter verschlossenen Türen zur Sprache kommen.

Rufe nach offizieller Entschuldigung der Krone

Welche Erwartungen auf dem Commonwealth-Gipfel lasten, machte zuletzt Hilary Beckles deutlich. Der Vorsitzende der Reparationskommission der Karibischen Gemeinschaft (Caribbean Community and Common Market, CARICOM) forderte Charles in der britischen Tageszeitung „The Guardian“ dazu auf, seinen Einfluss zu nutzen, um Gespräche über Wiedergutmachung produktiv zu führen.

Ein Hochseilakt

Besonders heikel ist auch die Frage einer offiziellen Entschuldigung. Guyanas Präsident Irfaan Ali hatte eine solche Geste zuletzt vom Königshaus gefordert. Commonwealth-Generalsekretärin Shirley Botchwey äußerte sich ähnlich. Zwar verurteilte Charles 2021 auf Barbados die Grausamkeit der Sklaverei, eine formelle Entschuldigung blieb jedoch aus. Auch diesmal ist keine geplant. Eine solche Geste könnte nach Einschätzung Prescotts die Forderungen nach Reparationen zusätzlich untermauern.

Die „New York Times“ nannte Charles’ Karibik-Tour in einer Analyse eine „diplomatische Bewährungsprobe mit hohem Einsatz“. Aber: Er habe bereits bewiesen, dass er auch heikle diplomatische Situationen meistern könne, so die US-Zeitung mit Vorschusslorbeeren an den britischen Regenten. Die britische „Times“ schrieb, der König werden das Thema Sklaverei „nicht ausklammern“, die Reise werde wohl vom Thema Wiedergutmachung „für die Rolle Großbritanniens im Sklavenhandel dominiert werden“.

London lehnt Wiedergutmachung bisher ab

Die britische Regierung lehnt bisher Reparationszahlungen trotz der lauter werdenden Forderungen ab. Der Palast betont, dass Fragen zu Reparationen und Entschuldigungen Sache der Regierungen seien. Die Herausforderung für den König bestehe darin, die unterschiedlichen Positionen der Länder zu navigieren, sagt Prescott.

William und Kate: PR-Desaster in Jamaika

Wie schnell die koloniale Vergangenheit einen königlichen Besuch überschatten kann, zeigte die Karibik-Reise von Prinz William und Prinzessin Kate im Jahr 2022. Sie wurde von Protesten und Kritik begleitet. Jamaikas Regierungschef Andrew Holness machte im Beisein des Paares deutlich, dass sein Land eine Zukunft ohne die britische Monarchie anstrebt.

William und Kate sprechen mit Krankenhauspersonal in Spanish Town, Jamaica
Die Jamaika-Reise von William und Kate endete in einem PR-Fiasko

Für Kritik sorgten außerdem unglückliche Bilder, auf denen die beiden jamaikanischen Kindern durch einen Drahtzaun die Hände reichten. Für Charles wird es nun darauf ankommen, nicht nur diplomatische Fehltritte zu vermeiden, sondern auch den Erwartungen an einen offenen Umgang mit der kolonialen Vergangenheit gerecht zu werden.

Philip, Prinz der Fettnäpfchen

Charles‘ Vater, Prinz Philip, war kein Meister des diplomatischen Fingerspitzengefühls. Der 2021 verstorbene Ehemann von Königin Elisabeth II. vermittelte eher den Eindruck, auf Auslandsreisen kein Fettnäpfchen auslassen zu wollen. Die „Süddeutsche Zeitung“ adelte ihn anlässlich seines 90. Geburtstags 2011 zum „King of Comedy“, tat sich aber auch schwer, ihn zwischen arrogant, frauen- und fremdenfeindlich und „schrullig-charmant“ einzuordnen. Der „Spiegel“ nannte ihn zum selben Anlass „Prince Painful“ und einen Helden der Patzer und trockenen Sprüche.

Prinz Philip 2020
Prinz Philip führte nicht immer die feinste diplomatische Klinge

Den früheren deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl sprach Philip mit „Guten Tag, Herr Reichskanzler!“ an. In Papua-Neuguinea machte er einen Witz über Kannibalismus, vor britischen Studenten in China über „Schlitzaugen“. Dem nigerianischen Präsidenten, der eine traditionelle Tracht trug, machte er das „Kompliment“, er sehe aus, als würde er gleich Schlafen gehen wollen.

Source: ORF · ORF.at

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