2,8 Grad Erwärmung
Die Welt ist laut dem jüngsten Bericht des UNO-Umweltprogramms (UNEP) „gefährlich weit“ vom Erreichen der festgelegten Klimaziele entfernt. Mit der aktuellen weltweiten Klimapolitik steuere die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,8 Grad Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit zu, hieß es am Mittwoch. Damit erhöhe sich das Risiko für tödliche Fluten, Hitzewellen und Waldbrände.
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Bis Mitte des Jahrhunderts wird laut Bericht die Erderwärmung selbst im besten Fall die bisherigen Schätzungen übertreffen. Die Durchschnittstemperaturen dürften bis dahin auch im optimistischsten Szenario um 1,7 oder 1,8 Grad über das vorindustrielle Niveau steigen. Unter Beibehaltung der aktuellen Politik prognostiziert UNEP bis 2100 eine Erwärmung von 2,8 Grad. Beide Schätzungen fallen höher aus als im Vorjahr.
Sollten die Staaten ihre bestehenden Klimazusagen vollständig umsetzen, wären es 2,6 Grad. Selbst im optimistischsten berechneten Szenario, in dem alle Länder ihre Klimapläne einhalten und ihre angestrebten Klimaneutralitätsziele erreichen, würde sich die Erde bis zum Jahr 2100 um 2,1 Grad erwärmen, heißt es weiter.
Im Pariser Klimaabkommen von 2015 hatte sich die Staatengemeinschaft darauf geeinigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, idealerweise auf 1,5 Grad zu begrenzen. In knapp drei Wochen treffen einander Vertreter und Vertreterinnen aus fast 200 Staaten bei der Weltklimakonferenz in Antalya (COP31).
Treibhausgasemissionen „auf Rekordstand“
Die gegenwärtigen nationalen Klimaschutzmaßnahmen seien völlig unzureichend und der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen weiter „auf Rekordstand“, kritisierte UNO-Generalsekretär Antonio Guterres anlässlich der Veröffentlichung des „Emissions Gap Report“ von UNEP. Jeder Bruchteil eines Grades über 1,5 Grad erhöhe das Risiko für tödliche Fluten, Hitzewellen und Waldbrände, wie sie in diesem Jahr viele Länder erlebt hätten, sagte UNEP-Direktorin Inger Andersen.
Laut Bericht ist der aktuelle Stand vor allem auf die USA zurückzuführen, die sich unter US-Präsident Donald Trump von ihren vorherigen Klimaschutzplänen vollständig verabschiedet haben. Da die USA der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen nach China sind, spiegelten sich solche politischen Veränderungen direkt in weltweiten Schätzungen wider, heißt es weiter. Zudem seien Daten zum bisherigen Ausstoß von Treibhausgasen nach oben korrigiert worden.
Aufruf zu „drastischen Einschnitten“
Trotz des raschen Ausbaus erneuerbarer Energien seien selbst für das optimistischste Szenario weiter „dringende und drastische“ Einschnitte nötig, die über bisherige Pläne hinausgingen, so UNEP weiter. So müssten die Treibhausgasemissionen bis 2030 im Vergleich zu 2025 um 18 Prozent sinken. Aktuelle nationale Pläne sähen bis 2030 jedoch lediglich eine Reduktion um fünf bis acht Prozent vor.
Bis 2035 wäre ein Rückgang um 45 Prozent nötig, was einer gegenwärtig geplanten Verringerung von elf bis 15 Prozent gegenübersteht. UNEP räumt einer Rückkehr auf 1,5 Grad bis 2100 eine Wahrscheinlichkeit von etwa 50 Prozent ein. „Wir müssen alle Register ziehen, um den Höchstwert der Erwärmung so gering wie möglich zu halten und bis zum Ende des Jahrhunderts wieder auf 1,5 Grad zu kommen. Das ist möglich“, so Andersen.
Es gebe mittlerweile etliche Erfolgsgeschichten, wie Emissionen schnell verringert werden können. Der Bericht verweist darauf, dass seit dem Pariser Klimaabkommen die erneuerbaren Energien etwa dreimal so schnell zugelegt hätten, wie das damals erwartet worden sei. „Es liegt nun an den Staaten, dringend Maßnahmen zu ergreifen, die zu schnellen, tiefgreifenden und nachhaltigen Emissionssenkungen führen und die Welt auf den Weg zu einem stabileren Klima sowie stabileren Volkswirtschaften und Gesellschaften bringen“, so Andersen.
Source: ORF · ORF.at
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