Halloween-Süßigkeiten
Nachdem in mehreren Bundesländern zu Halloween gesammelte Naschsachen aufgetaucht sind, die mit Metallgegenständen präpariert wurden, ist nun auch eine erste Verletzung bekannt: In Niederösterreich wurde ein Mädchen durch eine Nadel im Mund leicht verletzt, als es in eine Schokolade biss. Das Bundeskriminalamt (BK) forderte Eltern und andere Erziehungsberechtigte auf, die gesammelten Süßigkeiten vor dem Verzehr zu kontrollieren.
Online seit heute, 9.46 Uhr
Das zehnjährige Mädchen im Bezirk Amstetten in Niederösterreich sei durch einen Biss in eine Minischokolade, in der eine Nadel versteckt war, leicht im Mund verletzt worden, sagte Polizeisprecher Johann Baumschlager am Dienstag. In dem Bundesland sei bisher ein Fall bekannt. Die Ermittlungen gingen vonstatten und würden durch das BK koordiniert. „Die Polizei nimmt diese Vorfälle sehr ernst“, hieß es in der Stellungnahme.
Bei verdächtigen Feststellungen sollte sofort die Polizei verständigt werden. Es sei insbesondere darauf zu achten, „ob Verpackungen beschädigt oder manipuliert wurden und ob sich Fremdkörper, insbesondere metallische Gegenstände, in den Süßigkeiten befinden“. Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen den angezeigten Fällen gebe es bisher nicht.
Nägel in Linz entdeckt
Weitere Fälle wurden aus Oberösterreich und der Steiermark gemeldet. In Linz präparierten Unbekannte Halloween-Süßigkeiten mit Nägeln. Ein 28-jähriger Vater habe in Schokoriegeln und Kaubonbons, die seine Kinder gesammelt hatten, Nägel gefunden, berichtete die Polizei am Montag. Die Exekutive warnte vorsorglich vor dem Verzehr von Halloween-Naschsachen, die im Stadtteil Linz-Oed gesammelt wurden.
Die Nägel in Linz hatten laut Polizei eine Länge von einem Zentimeter. Teils seien sie offenbar von außen hineingedrückt worden und gut sichtbar gewesen, teils seien sie in den Süßigkeiten versenkt und nicht zu erkennen gewesen, so eine Polizeisprecherin. Man geht davon aus, dass die Naschereien händisch präpariert wurden. Ermittelt wird derzeit wegen des Verdachts der absichtlich schweren Körperverletzung. Zu konkreten Ermittlungsschritten gab man sich bei der oberösterreichischen Exekutive bedeckt – mehr dazu in ooe.ORF.at.
Im Bezirk Vöcklabruck erstattete eine Mutter Anzeige, nachdem sie eine dickere Nadel in einem Kauzuckerl und in einem Schokoriegel entdeckt hatte, die ihre elfjährige Tochter am Freitagabend in Vöcklamarkt gesammelt hatte. Das Mädchen biss laut Polizei in eine der Süßigkeiten, wurde dabei aber nicht verletzt.
Vier Fälle in steirischen Bezirken Weiz und Leibnitz
Die steirische Polizei bestätigte am Abend einen Bericht des „Kurier“. Derzeit seien vier Fälle in den Bezirken Weiz und Leibnitz bekannt. Um welche metallischen Gegenstände es sich handelt, gab die Polizei nicht bekannt. Dem „Kurier“ zufolge könnte es sich unter anderem um eine Büroklammer handeln.
Verletzt wurde laut steirischer Polizei bisher niemand. Die Exekutive riet, die in der Halloween-Nacht gesammelten Naschsachen vor dem Verzehr genau zu überprüfen. Die Ermittlungen der steirischen Landespolizeidirektion gehen gegen unbekannte Personen – mehr dazu in steiermark.ORF.at.
Etliche Funde in Deutschland
Offen ist, ob die Taten durch Social Media oder ähnliche Fälle in Deutschland befeuert wurden. Dort fanden am Wochenende ebenfalls Kinder in ihren eingesammelten Halloween-Süßigkeiten Nadeln oder andere Metallobjekte.
Im bayrischen Landshut etwa steckten Schrauben in Kaubonbons und Schokoriegeln. Eine Neunjährige aus Hannover fand in drei einzeln verpackten Süßigkeiten – einem Schokoriegel und zwei Kaubonbons – jeweils eine Nähnadel. In Essen bemerkte ein Vater verdächtige Einstichlöcher in der Verpackung eines Schokoriegels, den sein 13-jähriger Sohn bekommen hatte. Er entdeckte eine spitze Nadel.
Durch einen manipulierten Schokoriegel verletzte sich auch ein Mädchen in Niedersachsen. Die Neunjährige erlitt durch eine gut fünf Zentimeter lange Stecknadel in dem Riegel eine Verletzung an der Zunge, als sie die Süßigkeit naschen wollte, wie die Polizei mitteilte. Zur Schwere der Verletzung konnte die Polizei nichts sagen. In Mecklenburg-Vorpommern wurde ebenfalls ein Kind durch eine manipulierte Süßigkeit mit einer Nadel verletzt.
Bericht über manipulierten Schokoriegel im Supermarkt
In Garbsen bei Hannover meldete eine Frau eine Nähnadel in einem Schokoriegel, den sie nach eigenen Angaben am Freitag bei einem Lebensmittelhändler gekauft hatte. An der Verpackung und der Süßigkeit seien keine Auffälligkeiten erkennbar gewesen, die auf eine Manipulation hingedeutet hätten.
Mittlerweile meldete sich der Diskonter Lidl in dem Fall zu Wort: „Wir nehmen den Hinweis sehr ernst“, teilte das Unternehmen auf Anfrage der dpa mit. Zu Ursachen und weiteren Hintergründen äußerte sich Lidl unter Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht.
Verweis auf ärztliche Hilfe, Warnung vor Panik
Besteht der Verdacht, dass ein Kind eine Nadel verschluckt hat, ist sofort ärztliche Hilfe erforderlich: Spitze Gegenstände können schwere innere Verletzungen verursachen. Die Polizei in Deutschland sagte auch, dass verdächtige Naschsachen samt Verpackung aufbewahrt und der Polizei gemeldet werden sollen. „Mögliche Fremdkörper sollten nach Möglichkeit nicht selbst entfernt werden, um vorhandene Spuren zu erhalten“, so die Polizei in Konstanz am Bodensee.
Gleichzeitig warnten die Behörden vor Panik. „Nicht jeder Kopfschmerz oder jede Übelkeit muss auf den Verzehr von möglicherweise manipulierten Süßigkeiten zurückzuführen sein“, schrieb etwa die Polizei Bad Segeberg im deutschen Bundesland Schleswig-Holstein.
Ermittlungen schwierig
Die Herkunft einzelner Süßigkeiten lässt sich nur schwer rekonstruieren. Da Kinder an zahlreichen Haustüren läuten, fällt es im Nachhinein schwer zu sagen, woher welche Süßigkeit stammt. Entsprechend schwierig werden sich wohl die Untersuchungen gestalten, da damit gleich ganze Straßenzüge untersucht werden müssen.
Auch in früheren Jahren gab es ähnliche Funde. 2025 entdeckte etwa eine Mutter in Mittelfranken einen zwei Zentimeter langen Nagel in einer Süßigkeit ihrer Tochter. Die aktuelle Häufung von Fällen in Deutschland und nun auch von Fällen in Österreich ist jedenfalls sehr auffällig. Inwieweit etwa ein Aufruf in sozialen Netzwerken dahinterstehen könnte, ist noch völlig unklar. In Deutschland machte das Bundeskriminalamt bisher keine Angaben zu Details.
Source: ORF · ORF.at
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