Frankreich

Nach den gewaltsamen Protesten der Vorwoche sind in Frankreich am Samstag erneut Hunderttausende auf die Straße gegangenen. In mehreren Städten kam es zu Zwischenfällen, die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

Online seit heute, 19.11 Uhr

Nach Angaben des französischen Innenministeriums haben am Samstag rund 410.000 Menschen an den Protesten im Land teilgenommen. 110.000 davon demonstrierten demnach in der Hauptstadt Paris.

Der von Gewerkschaften organisierte Aufmarsch war zuvor von den Behörden an den Rand der Stadt verlegt worden. Der Gewerkschaftsverband CGT meldete laut Medienberichten dagegen rund 800.000 Teilnehmende.

Tränengas und Wasserwerfer

Während zunächst keine größeren Zwischenfälle gemeldet wurden, kam es am späten Nachmittag und Abend zu ersten Spannungen in den Städten. Bilder aus Paris zeigten Wolken von Tränengas sowie den Einsatz von Wasserwerfern, in Fernsehaufnahmen waren Knallgeräusche zu hören.

Auch in Städten wie Lyon, Bordeaux, Marseille, Lille, Montpellier, Nantes, Toulouse und Nizza setzte die Polizei Tränengas ein. Medien berichteten von Zusammenstößen mit der Polizei.

In der Stadt Nantes seien Beschädigungen und Plünderungen in einem Geschäft gemeldet worden, teilte die zuständige Präfektur mit. Die Sicherheitskräfte hätten sechs Personen festgenommen. Auch andernorts wurden Berichten zufolge Plünderungen beobachtet.

Tränengas wird gegen Demonstranten in Lyon eingesetzt
Auch in Lyon kam es im Zuge eines Protestes zum Einsatz von Tränengas

70.000 Sicherheitskräfte

Der französische Innenminister Laurent Nunez hatte am Nachmittag von „extrem produktiven“ Kontrollen gesprochen. Zu Beginn des Protesttages haben die Behörden bei den Kontrollen bis zum Nachmittag 135 Menschen festgenommen.

Nunez wies darauf hin, dass es ein deutlich verstärktes Polizeiaufgebot gebe. AUch hatte er den Einsatz von 70.000 Beamten auf den Straßen angekündigt. „Wir müssen extrem schnell reagieren. Wir haben massive Aufrufe zu Krawallen von politischen Gruppen und schlicht und ergreifend von Kriminellen“, sagte er.

Enorme Ausschreitungen vergangenes Wochenende

Am vergangenen Wochenende war es in Frankreich am Rande von Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem zu enormen Ausschreitungen gekommen. Tausende Geschäfte wurden geplündert, Rathäuser und Polizeistationen angegriffen und Gebäude in Brand gesetzt. Als Reaktion darauf wurden in mehreren Großstädten nächtliche Ausgangssperren verhängt.

Wegen befürchteter Ausschreitungen gab es in mehreren Städten Versammlungsverbote für bestimmte Zonen sowie Ausgangssperren. Betroffen ist etwa Limoges – dort ist am 17. Oktober das Rathaus in Brand gesetzt worden.

Die Verbote und Einschränkungen stießen auch auf Kritik. Amnesty International prangerte „eine Entwicklung hin zu autoritären Praktiken“ an. Der Menschenrechtskommissar des Europarats rief dazu auf, das Demonstrationsrecht zu achten.

Source: ORF · ORF.at

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