Ukraine – Russland

Unterhändler der Ukraine, Russlands und der USA wollen sich in der ersten November-Hälfte zu Gesprächen in Abu Dhabi treffen. Das bestätigten der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der Kreml am Freitag. Kiew und Moskau stimmten unterdessen einer lokalen Feuerpause für die russisch besetzte Stadt Oleschky zu, um Zivilistinnen und Zivilisten in Sicherheit zu bringen.

Online seit heute, 21.01 Uhr

Selenskyj sagte, er hoffe, dass auf die geplanten technischen Gespräche im Golfstaat ein Treffen der Staats- und Regierungschefs folge. Ein Friedensabkommen erfordere Sicherheitsgarantien für sein Land sowie eine Finanzierung der ukrainischen Armee für zehn Jahre, sagte der ukrainische Staatschef.

Für Russlands Staatschef Wladimir Putin sei das „Hauptthema“ der Gespräche in Abu Dhabi „die Sicherheit beider Länder, Russlands und der Ukraine, nachdem es einen Übergang zu einer Friedenslösung gegeben hat“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

Dreiertreffen ab 10. November

Das Dreiertreffen in Abu Dhabi war am Dienstag nach einem Besuch des US-Unterhändlers Steve Witkoff bei Putin in Aussicht gestellt worden. Als Zeitraum wurde ein Termin ab dem 10. November genannt.

Das wäre nach den US-Kongresszwischenwahlen am 3. November, aber vor einem möglichen Treffen Putins mit US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping beim Asien-Pazifik-Gipfel am 18. und 19. November.

Waffenruhe in Oleschky

Die Waffenruhe in Oleschky soll unterdessen am 29. Oktober beginnen. Nach Angaben des Weißen Hauses kam er auf Vermittlung von US-First-Lady Melania Trump zustande. „Die Lage in Oleschky ist katastrophal“, teilte die Präsidentengattin mit.

Luftbild der ukrainischen Stadft Oleschky aus dem September
In der fast völlig zerstörten Stadt Oleschky harren nach US-Angaben noch 1.700 bis 2.000 Menschen aus

Die Stadt an der Front stehe vor dem Kollaps. Die verbliebene Bevölkerung – nach US-Angaben 1.700 bis 2.000 Personen – bestehe vor allem aus älteren Menschen, die dringend medizinische Hilfe, Medikamente, Lebensmittel und sauberes Trinkwasser benötigten.

Die Feuerpause soll es unbewaffneten Teams beider Länder ermöglichen, die Bewohnerinnen und Bewohner in ihren Häusern aufzusuchen und den Transport für diejenigen zu koordinieren, die die Stadt verlassen wollten. Melania Trump und ihr Vertreter hatten nach Angaben des Weißen Hauses direkt mit der russischen und der ukrainischen Führung über die Bedingungen der Waffenruhe verhandelt.

Russische Angriffe auf Energieanlagen

Die russische Armee setzte ihre Angriffe auf ukrainische Energieinfrastruktur fort. In sechs ukrainischen Regionen sei in der Nacht auf Freitag für mehr als 500.000 Menschen der Strom ausgefallen, sagte der stellvertretende Energieminister Artem Nekrassow. In den vergangenen Tagen hatte es nach russischen Angriffen bereits Stromnotabschaltungen in der Hauptstadt Kiew gegeben.

Blackout in Kiew
Die Straßen Kiews lagen nach russischen Angriffen in Dunkelheit

Russland greift ukrainischen Angaben zufolge auch verstärkt die digitale Infrastruktur an. Die Attacken erfolgten „ebenso systematisch“ wie im Energiesektor, sagte Ministerpräsident Sergij Korezkyj. Allein im vergangenen Monat habe Russland zehn Rechenzentren in der Hauptstadt Kiew angegriffen. Zudem warnte Korezkyj vor einer zunehmenden Zahl von Cyberangriffen auf staatliche Informationssysteme und Unternehmen, die durch künstliche Intelligenz (KI) unterstützt werden.

Drohnenalarm: Moskauer Flughafen teilweise geräumt

Auf Moskaus größtem Flughafen Scheremetjewo wurden Passagierinnen und Passagiere unterdessen nach einem Drohnenalarm in Sicherheit gebracht. Während der teilweisen Räumung des Flughafens war der Zugang zum Sicherheitsbereich aller Terminals nach Angaben des Flughafens eingeschränkt.

Am Nachmittag konnten die Menschen die Schutzräume nach Flughafenangaben die Schutzräume verlassen. Wegen ukrainischer Drohnenangriffe kommt es schon seit Langem immer wieder zu Einschränkungen an den russischen Airports. Am Freitag kam es nach Angaben der Luftfahrtbehörde Rosawiazija auch an den drei anderen Moskauer Flughafen zu einer vorübergehenden Einschränkung des Betriebs.

Erneuter Gefangenenaustausch

Die Ukraine und Russland haben indes jeweils 270 Kriegsgefangene ausgetauscht. Zu den Freigelassenen zählen laut Selenskyj Soldaten der Streitkräfte, der Nationalgarde und anderer Einheiten sowie neun Zivilpersonen.

Viele seien seit 2022 in russischer Gefangenschaft gewesen, darunter Verteidiger der südlichen Hafenstadt Mariupol, so der Präsident. Fünf Heimkehrer seien nach einer schweren Explosion im russischen Gefängnis von Oleniwka im Gebiet Donezk 2022 für tot gehalten worden.

Russischer Dieseltanker auf Weg in USA

Ein mit 40.000 Tonnen russischem Diesel beladener Tanker ist unterdessen auf dem Weg nach New York. Der Kreml bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Es handelt sich um die erste Lieferung dieser Art seit dem von der damaligen Regierung unter Präsident Joe Biden 2022 wegen des Ukraine-Kriegs verhängten Importverbot für russisches Öl und Ölprodukte.

Sie ist Teil einer Vereinbarung zwischen US-Präsident Trump und dem russischen Präsidenten Putin. Trump hofft, mit mehreren Maßnahmen die Dieselpreise vor den US-Zwischenwahlen am 3. November zu senken. Dazu gehört auch die Aussetzung von Teilen eines neuen Sanktionsgesetzes gegen Russland.

Source: ORF · ORF.at

At a glance

Topic
World
Country
🇦🇹 AT
Publisher language
DE
Added to Allnira